Freundschaften

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78. Kapitel

In den nächsten Tagen schlich ich mich mehrmals in der Nacht in die Bibliothek und suchte dort in der verbotenen Abteilung nach Informationen über den unbrechbaren Schwur. Tatsächlich fand ich recht viel darüber, jedoch nicht genau das, was mich interessierte. Es wurden Fälle geschildert, in denen beide, die den Schwur geleistet hatten, verstarben, welche, in denen nur die eine Person verstarb und selten welche, in denen beide überlebten.

All dies beunruhigte mich zum Einen, zum Anderen fand ich aber auch immer wieder Berichte in denen stand, dass derjenige, der den Schwur gebrochen hatte, recht gleich danach verstorben war. Der Tag, an dem ich Draco verhexen wollte, lag nun schon fast eine Woche zurück, weshalb es immer unwahrscheinlicher wurde, dass ich erst jetzt sterben müsste. Andererseits konnte man Magie nie ganz kontrollieren und schon gar nicht auf irgendwelche Regeln oder Gesetzte vertrauen.

Tagsüber verbrachte ich recht viel Zeit mit Hermine und Harry. Zwar wurde mir bewusst, dass mich die beiden nach einer gewissen Zeit nervten, aber ich wollte und musste mich mit Harry anfreunden und das funktionierte nicht, wenn ich mich von ihnen fernhielt.

Ich mochte es nicht, wenn Hermine über B.ELFE.R sprach und fand es anstrengend, dass man in Beisein mit Harry andauernd gestört wurde. Seit Rita Kimmkorn dieses Interview mit Harry geführt hatte und darin alle möglichen Lügen über Harry zu finden waren, glaubten noch mehr Schülerinnen und Schüler, dass Harry selbst seinen Namen in den Feuerkelch geworfen hatte. Wenn ich also gerade in Ruhe etwas essen oder lesen wollte, kamen andauernd irgendwelche Spinner und verhöhnten Harry. Die Laune von mir ging den Bach hinunter.

Für Hermine und Harry war diese Zeit auch nicht gerade prickelnd. Beide machte es sehr zu schaffen, dass Ron immer noch sauer war und Harry schien sich mehr Sorgen um die bevorstehende erste Aufgabe des Trimagischen Turniers zu machen, als er zugab. Zumindest hatte Harry somit keine Gedanken mehr für unsere Familien übrig.

Draco fing mich etwa eine Woche nachdem er mir versprochen hatte, seinen Eltern zu schreiben, nach dem Abendessen ab. Hermine war bereits in die Bibliothek gegangen und Harry unterhielt sich noch mit seinem Quidditchteam, weswegen niemand sah, wie wir zusammen in unserer Nische verschwanden.

"Wir brauchen bald ein besseres Versteck", meinte ich.

"Ich kenne schon eines, aber heute genügt auch dieses ... Hier-" Draco hielt mir einen Brief vor die Nase. Ich sah das Wappen der Familie Malfoy auf dem Umschlag und wollte es ihm aus der Hand nehmen, aber er zog es zurück. "Halt, du bekommst es erst, wenn du mir ein paar Fragen beantwortest."

Draco war gerissen. Natürlich, er war auch ein Slytherin.

"Okay, was willst du wissen?"

"Warum waren Potter und du vor kurzem zusammen in Hogsmeade und ein paar Tage darauf gemeinsam bei Dumbledore?"

"Hey!", empörte ich mich und verschränkte verärgert meine Arme vor der Brust. "Wir haben nie ausgemacht, dass ich dir so persönliche Fragen beantworte."

Draco ließ nicht locker und schließlich erzählte ich ihm seufzend von Harrys Vermutung, ich sei seine Schwester. Dracos schallendes Lachen wurde von den Wänden widergehallt. Ich sah genervt auf den Brief in seinen Händen.

"Ich wusst ja schon immer, dass Potter nicht besonders intelligent ist, aber so etwas hätte ich selbst ihm nicht zugetraut." Draco brauchte mehrere Minuten, bis er sich wieder einkriegen konnte. Als er sich aber endlich wieder im Griff hatte, wirkte er sehr ernst. Er meinte: "Die Geschichte ist zwar wirklich gut, aber leider bringt sie mich nicht genug weiter. Du musst mir also noch eine Frage beantworten."

Ergeben zuckte ich die Schultern und hoffte einfach, dass ich bald den Brief der Malfoys lesen könnte.

"Du weißt nicht zufällig, wie Potters Name im Feuerkelch gelandet ist?" Als ich verneinte, fuhr er unberührt weiter fort: "Na gut, dann sag mir wenigstens, mit wem Potter zum Weihnachtsball gehen wird."

Die Tochter des dunklen Lords (Harry Potter Fanfiction)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt