Die Hufe der Pferde stapften durch den Schnee und trommelte gedämpft auf dem gefrorenen Boden.
Die Bäume wurden dichter und der Schnee wurde weniger. Der Geruch wurde erdiger und obwohl der Schnee allmählich verschwand, war die Temperatur genauso kühl wie schon vor einigen Kilometern.
Freya spähte durch den Wald auf den sie zu galoppierten. Sie strengte sich an um besser sehen zu können und keuchte als sie endlich erkannte was ihr aufgefallen war.
„Nein." Flüsterte sie heiser. Sie sah Nils wie er an ihnen vorbeizog. Sein Pferd scheute, doch Nils war ein guter Reiter.
Berittene Späher kamen auf sie zu. Sie erkannte die auffälligen Bemalungen des Körpers. Bilder des Grauens durchzuckten ihre Gedanken. Kaltblütig und mordlüstern hatten sie Männer, Frauen und Kinder abgeschlachtet. Selbst das Vieh hatten sie nicht verschont. Bevor Angst sie erfassen konnte ließ sie sich nachhinten fallen und rollte sich so vom laufenden Pferd. Sie landete auf den Füßen wenn auch etwas ungelenk. Ihre Haare waren ihr vor das bleiche Gesicht gefallen. Mit einem Ruck riss sie den Kopf hoch und verscheuchte die unbändigen Locken. Mit einer geübten Bewegung griff sie nach einem der Pfeile und spannte sie.
Nicklaus aus Wron hatte sich umgedreht und starrte Freya verwirrt an. Doch wenige Sekunden schon später begriff er. Stumm erteilte er Befehle. So warteten sie. Männer mit Schwertern bildeten vor Freya eine Linie. Diese galt es zu schützen. Einige Männer machten sich auf den Angriff bereit.
Es war still. Nur das schnauben der Pferde und ihr gelegentliches Scharren war zuhören. Das Atmen der Männer und Freyas stetig schneller werdende Herzschlag dröhnte ihr in den Ohren. Doch trotzdem hörte sie kein Geräusch. Bis das Gebrüll diese Stille unterbrach.
Ein Gefühl der Angst durchzuckte Freya, doch sie zwang sich dies zu ignorieren. Denn beinahe sofort setzte dieser Rausch ein. Noch bevor die Männer überhaupt in ihre Nähe kamen, hörte sie die Geräusche eines Kampfes. Dumpfe Aufschläge. Klirrende Klingen. Schreie.
Sie starrte in die Richtung doch die Verteidigungslinie, der Männer die vor ihr standen, war zu hoch als ob sie irgendetwas hätte sehen können.
Ihr Herz schlug so laut das sie Angst haben musste das es die Männer hören konnten. Sie wollte nicht nur hier stehen. Ihre Füße brannten dafür loszurennen und sich in das Geschehen einzumischen.
Ohne weiter darüber nachgedacht zu haben schoss sie durch die Linie hindurch. Sie hörte noch einen überraschten Laut. Doch sie lief weiter und an einigen bekannten Gesichtern vorbei. Bevor sie wirklich realisierte hörte sie schon den Pfeil von ihrem Bogen schießen. Das vibrieren der Saite erzeugte einen Ton der Freya so vertraut war. Er traf einen großgewachsenen Mann direkt in die Kehle. Gurgelnd fiel er zu Boden.
Einer der Männer rannte auf sie zu sie ließ ihren Bogen fallen, das tat sie immer wenn sie nicht genügend Zeit hatte einen weiteren Pfeil zu spannen und griff augenblicklich nach dem Dolch an ihrer Linken und das Schwert an ihrer Rechten. Der Mann hieb sofort auf sie ein. Erschrocken duckte sich Freya und entkam nur knapp der Waffe ihres Gegners. Selbst den Windhauch hatte sie gespürt.
Ihr Gegner, ein Mann etwa zwei Köpfe größer als sie, der mindestens das Doppelte wog, grinste sie an. Er schien belustigt zu sein. Trotz seiner absurden Größe war er schnell und stark, er stand ebenfalls sicher.
Freya fand keinen Schwachpunkt. Wieder musste sie ihm ausweichen. Lächelnd hieb der Mann auf sie ein. Freya musste zurückweichen. Mit einem Hieb den sie nicht vollständig ausweichen konnte, hatte sie nicht gerechnet und so stürzte Freya. Doch sie war nicht bereit aufzugeben.
Der Mann lachte auf. Freya die auf diesen unaufmerksamen Moment gewartet hatte, stieß mit ihrem Dolch zu. Überrascht riss der Mann die Augen auf. Freyas Vater hatte immer gesagt dass man in diesem Moment die Seele eines Menschen sah.
In dem Augenblick wo ein Mensch starb sah man ihn wirklich. Wenn das der Fall war wo sah Freya nichts. Dann war dieser Mann einfach leer. Doch Freya wollte sich damit nicht aufhalten. Sie rollte sich noch rechtzeitig weg so dass der Mann nicht auf sie Fallen konnte. Doch sie war nicht schnell genug. Sie hielt inne und wollte neue Kraft sammeln.
„Nehmt alle mit." Hörte Freya einen der Männer sagen. „Robra, Cedrick und Fristo hat es erwischt." Sagte eine andere Stimme, in ihr lag aber keine Trauer oder gar bedauern. Freya hatte das Gefühl einfach still zu bleiben und so schwieg sie, rührte sich nicht und wartete. Schritte. Steif legte sie sich so hin dass sie als Tod erklärt werden würde wenn man sie sah. Doch niemand griff nach ihr.
„Kommt." Brüllte die erste Stimme wieder. Freya hatte wenig von dem Kampf mitbekommen und war überrascht, wie schnell er vorüber war. Nach ewigen Minuten befreite sie sich von dem Ungetüm über ihr.
Ihr Kleid war blutbefleckt aber ihr ging es gut. Sie sah sich um und musste staunen als sie bemerkt dass hier nur drei Leichen lagen. Das mussten wohl die Männer sein die der andere erwähnt hatte.
Doch nun stand sie dort und wusste nicht weiter. Was sollte sie nun tun? Zuerst griff sie nach ihrem Bogen. Freya verstand nicht was passiert war. Wo waren die Anderen? Nils, Nicklaus? Es gab nur wenige Möglichkeiten. Doch wenn sie tot waren, warum sollten sie ihre Leichen mitnehmen? Freya schloss die Augen und presste die Lippen aufeinander. Sie musste sich beruhigen und nicht daran denken, dass sie schon wieder alleine war. Es hatte nur zwei Tage gedauert. Sie war es leid, ständig jemanden zu verlieren. Damit würde Schluss sein. Ein für alle Mal. Sie würde diese Barbaren vernichten oder bei dem Versuch sterben.
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FREYA - Im Auge des Sturms (Band 1)
Fantasy(Überarbeitete Version von Sturmgestöber.) Freya hatte keinen Plan gehabt. Meistens wollte sie nur genau das Gegenteil von allen sein. Sie wollte keine Frau sein, die kochte und Körbe flechten. Sie war eine Kriegerin. Wie ihr Vater. Doch das Land w...