Kapitel 9.9

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Jay hatte nicht viel geweint. Er war mehr einfach nur da gelegen und starrte an die Wand, während in seinem Kopf nur ein Gedanke Platz fand.

'...dann such ich mir eben jemand neuen.' Er wiederholte diesen Satz immer und immer wieder und jedes Mal war es schmerzhafter als davor.

Jay wusste dass Lucifer manchmal die Beherrschung verlieren konnte, doch das war zu viel. Dieser Satz hatte sich in sein Gedächtnis eingebrannt und er würde ihn so schnell auch nicht mehr vergessen.

Selbst wenn er dem Teufel irgendwann verzeihen würde, wäre es etwas an das er in jedem Moment, in dem er auch nur etwas an Luce und sich zweifelte denken würde.

Er hörte ein leises Klopfen an der Tür, gab aber keine Antwort.

"Jetarel?"

Lucifer.

Schnell sprang er auf und ging zur Tür.

Lucifer, der ihn gehört hatte, dachte natürlich, dass die Tür gleich geöffnet wurde. Doch entgegen seiner Erwartung hörte er ein leises Klicken.

Jetarel hatte die Tür von innen abgesperrt und sich wieder auf sein Bett gelegt.

Der Teufel klopfte erneut leise.

"Jetarel? Ich möchte nur mit dir reden... bitte."

Jay schwieg, er wollte nicht mit Lucifer reden und zuhören wollte er ihm erst recht nicht. Er wollte einfach alleine sein, diesmal hatte es der Teufel übertrieben.

"Jetarel, bitte. Ich möchte mich nur erklären, dann gehe ich auch wieder, wenn du das dann noch möchtest... lass mich bitte rein, sonst muss ich mich selbst reinlassen."

Erneut kam kein Ton aus dem Inneren des Raumes, der Kleine wollte und würde nicht mit ihm reden.

Ein leises Klicken zeigte an, dass sich Luce jetzt wohl selbst her eingelassen hatte. Danach wurde die Tür wieder zugedrückt.

"Jetarel?"

Er wagte es nicht ihn jetzt bei einem Spitznamen zu nennen. Anstatt ihm zu antworten, nahm Jay sein Kissen und warf es in Richtung des Teufels und traf ihn sogar.

"Das ist wohl angebracht. Darf ich mit dir reden?.. Du musst mir nur zuhören, ich will gar keine Antworten."

Der Dämon schüttelte den Kopf, er wollte einfach, dass der Teufel wieder verschwand.

"Bitte. Ich will keine Antworten, hör mich nur zu, ja..."

Er seufzte.

"Und selbst wenn nicht, dann rede ich eben mit dem Zimmer, zumindest habe ich es dann versucht."

Er gab Jay noch eine Möglichkeit etwas zu sagen. Doch nach wie vor kam keine Reaktion von ihm.

"Oookay. Also gut. Ich bin hier um mich zu entschuldigen. Ich hätte dich nicht anschreien dürfen und die Sachen, die ich gesagt habe, waren weder nett noch wahr..."

"Schieb dir deine Entschuldigung sonst wo hin!"

"Das hab ich wohl verdient, hm?.. Auf jeden Fall möchte ich dir nur sagen, dass es mir furchtbar leid tut. Ich habe das nicht so gemeint, ich... verdammt, ich hab mir nur solche Sorgen um dich gemacht..."

"Natürlich und eine angemessene Reaktion darauf ist mir zu sagen, dass du dir jemand anderen suchst, wenn ich dich nicht mehr will!"

"Von angemessen war nie die Rede. Das sage ich ja gerade, es war nicht angemessen, nicht fair und auch nicht wahr. Es gibt hunderte Dämonen hier, die vermutlich sofort etwas mit mir anfangen würden. Aber weißt du mit wie vielen ich in den letzten paar Jahrhunderten geschlafen habe? Oder sie auch nur geküsst? Keinen. Keinen einzigen. Und dann kamst du... und du hast mich so verwirrt. Ich... ich kannte das nicht und vermutlich hat es mir Angst gemacht, dass du mir plötzlich so wichtig warst. Erst dachte ich, ich könnte das ignorieren, aber jedes Mal, wenn ihr in Schwierigkeiten wart, hab ich hier unten beinahe einen Herzinfarkt bekommen. Und dann kam mein betrunkenes Ich auf die Idee, das alles zu entkomplizieren, was vollkommen nach hinten losgegangen ist. Aber ich kann mich irgendwie einfach nicht von dir fernhalten, das macht mich wahnsinnig... aber ich verstehe natürlich, wenn du noch sauer bist und mich nie wieder sehen willst, dann werde ich deinem Wunsch natürlich nach kommen..."

Entschlossen stand Jay auf und sah den Teufel vor sich an.

"Ich bin nicht sauer, war ich die ganze Zeit nicht. Ich bin verletzt und enttäuscht. Und ja am liebsten würde ich dich gerade nie wieder sehen aber das bringt auf Dauer ja auch nichts. Trotzdem kannst du mich nicht so behandeln und dann wenn es dir wieder passt zu mir kommen und sagen wie gern du mich angeblich hast!"

Lucifer saß mit dem Hintern halb auf dem Tisch in Jays Zimmer und betrachtete den Boden eingehend.

Dann nickte er langsam, stand auf und ging zur Tür.

Bevor er die Tür jedoch erreicht hatte, stellte sich Jay davor und sah ihm in die Augen.

"Sag es. Sag mir, dass es dir leid tut und versprich mir, dass es nie wieder passiert."

Lucifer hob den Blick vom Boden und sah ihm fest in die Augen.

"Es tut mir so unfassbar leid, was ich dir angetan habe. Bitte vergib mir dafür. Und ich schwöre auf den Himmel, die Hölle und mein Leben, auch wenn es nicht viel bedeutet, dass es nie wieder vorkommen wird."

Langsam sank der Teufel auf seine Knie, senkte den Kopf und legte die Hände auf die Oberschenkel.

Erstaunt von dem, was Lucifer da gerade tat, kniete auch Jay sich auf den Boden und umarmte den Teufel vorsichtig. Dieser zuckte stark zusammen und stieß ein leises Zischen aus, erwiderte aber sofort die Umarmung.

Leicht irritiert löste sich der Kleinere nach kurzer Zeit wieder.

"Hast du Schmerzen? Du wurdest doch vorhin gar nicht verletzt. Oder doch? Zieh mal dein Oberteil aus."

Ein leicht panischen Ausdruck legte sich auf Lucifers Gesicht.

"Nein, nein. Alles gut. Mir ist in dem Haus nichts passiert. Hast mich nur überrascht.", versuchte er sich mit einem halbherzigen Lächeln, das vielleicht beruhigend wirken sollte, herauszureden.

Jay glaubte ihm kein Wort.

"Du lügst. Anders als du behauptest bin ich nämlich nicht geistig eingeschränkt und merke, wenn etwas nicht stimmt. Jetzt zieh dein Oberteil aus!"

The story of two demons, that are too dumb to surviveWo Geschichten leben. Entdecke jetzt