Schwerer Gang

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Es tat weh. So ein kleines, junges und lebensfrohes Mädchen was leider den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Wir wussten bei unserer Verabschiedung das wir sie wahrscheinlich nicht wieder sehen werden doch das dies so schnell ging riss mir schon fast den Boden unter den Füßen weg. Gott sei Dank standen wir an einer großen Raststätte mit einer kleinen Pension somit wir uns hier ein kleines Zimmer mieten konnten. Weitere 3-4 Stunden konnte ich nach dieser schrecklichen Nachrichten nicht fahren. Außerdem will ich zu Benjamin und ihm bei den ganzen organisatorischen Sachen helfen weil er auch nicht in der Lage war dies jetzt zu tun. Marco rief unsere Familie und Aki an um ihnen mitzuteilen dass wir doch nicht nach Hause kommen werden. Ich wollte nicht, dass Marco wegen mir und meiner Entscheidung hier zu bleiben seine Reha und die ersten Trainerseinheiten vergibt. Doch er bestand darauf bei mir zu bleiben und mir zu helfen wo er nur konnte. Die Nacht konnten wir beide nicht schlafen. Jedoch Liam, der zwischen uns lag, schlief wie ein Stein. Er hielt die ganze Zeit mein Zeigefinger und zwang mich bei ihm zu bleiben und ich kuschelte mich automatisch mehr an ihn. Marco lag neben mir und sah uns beide an. "Über was denkst du nach?" Fragte er mich nach einer Weile. Ich sah zu ihm. "Ich will es mir eigentlich nicht vorstellen aber trotzdem will ich wissen wie die letzten Minuten von ihr aussahen. Wie hat sie sich verhalten? Ist sie eingeschlafen oder hatte sie schmerzen?" Marco streckte seinen Arm nach mir aus und streichelte meinen Kopf. "Es ist besser wenn du nicht darüber nachdenkst. Wir sollten schlafen." Ich nickte leicht. Er beugte sich zu mir herüber und gab mir einen langen Kuss. Auch Liam streichelte er über den Kopf und schloss danach seine Augen. "Danke dass du da bist. Ich weiß nicht ob ich das alleine geschafft hätte." Sagte ich mit geschlossenen Augen und war schneller eingeschlafen als gedacht.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Das Hotel brachte uns das Frühstück hoch auf das Zimmer damit wir nicht von den Gästen belästigt werden können. Marco versuchte wirklich jeden es recht zu machen. Hier mal ein Foto oder ein Autogramm. Aber seit gestern ist er auch sehr auffällig ruhig und beobachtete so wie ich Liam beim Frühstücken. "Was machen wir jetzt?" Ich sah zu ihm und gähnte. "Wir sollten uns nach einem Hotel mit Kinderbett umschauen, vielleicht Lisa oder Ann fragen ob sie Liam nehmen und dann schnell ins Krankenhaus fahren zu Benjamin." Marco nickte leicht und steckte sich einen Löffel Obstsalat in den Mund. "Bist du dir sicher, dass du dir den ganzen Stress antun möchtest?" wieder ging mein Blick zu ihm. "Ich hab es Benjamin versprochen." Marco nickte. "Du siehst blass aus Lea. Geschlafen hast du wahrscheinlich auch nicht viel oder?" ich zögerte leicht und nickte dann. Er hatte Recht. Ich hatte Ihn und Liam bereits 1-2 Stunden beobachtete bis Marco aufgewacht war. Mir schwirrten viele Dinge im Kopf herum welche ich nicht vergessen durfte und Sachen die ich noch Benjamin fragen musste. "Nicht das es zu viel wird!" "Mir geht es gut. Ich bin nur etwas durcheinander wegen Sam." wir schwiegen und sahen wieder zu Liam der sein letzten Schluck Milch austrank. Ich hatte kurze Zeit später Lisa angerufen und hatte sie gefragt ob sie für einen halben Tag Liam nehmen würde. Erst hatte Sie sich gewundert warum ich immer noch in München sei doch als ich Ihr die Geschichte von Sam erzählte stimmte sie nur zu und freute sich mich noch einmal zu sehen. Marco hatte in der Zwischenzeit das Krankenhaus informiert, dass wir Benjamin helfen möchten jedoch diesen Empfang von gestern nicht noch einmal erleben wollten. Daher gaben Sie uns die Erlaubnis den Personaleingang im hinteren Bereich zu nutzen wo bereits die 2 Sicherheitsmänner von gestern auf uns warten würden. Wir fuhren auf das Gelände des Krankenhauses und wunderten uns woher die Medien schon wieder wussten, dass wir hier waren. Gott sei Dank bemerkten sie uns nicht und waren viel zu sehr beschäftigt. Sie bauten ihre Kameras vor dem Eingang auf und warteten. "Auf was warten die bitte?" fragte ich. Marco zuckte nur mit den Schultern. "Sie wolle wahrscheinlich nur an spektakuläre Bilder ran kommen. Mehr nicht." Ich versuchte so normal wie möglich an Ihnen vorbei zu fahren, doch Marcos Range Rover bemerkte man schnell. Ich beschleunigte und fuhr an den hinteren Teil des Krankenhauses. "Mist." fluchte ich und stieg aus. Marco nahm meine Hand und wir liefen gemeinsam in das Krankenhaus. "Schön sie wieder in unserem Haus zu sehen Familie Reus. Obwohl es kein schöner Anlass ist. Es tut mir leid für ihre Freundin." sagte ein Oberarzt den wir gestern bereits auf dem Gang in der Kinderstation sahen. Ich umfasste Marcos Oberarm und legte mein Kopf an seiner Schulter. Erst jetzt wird mir richtig bewusst, was wir hier eigentlich machten. Meine Beine zitterten doch ich versuchte mir nicht anmerkten zu lassen. Marco gab mir eine Kuss auf die Stirn als wir dem Arzt hinter her liefen. "W-Wie i-ist sie..." Der Arzt nickte nur damit ich dies nicht aussprach. "Ihr Bruder war bei ihr. Soweit ich weiß hat sie sich sehr über ihren gemeinsamen Besucht gefreut. Leider gab es nach wenigen Stunden Komplikationen. Erst viel eine Niere aus, dann kam die Leber. Wir mussten sie in ein Koma legen damit sie nicht den hohen Schmerzen ausgesetzt ist." ich sah zu Boden. Wie gestern Abend Marco schon sagte, es wäre besser wenn ich es nicht wusste. Ich hatte gehofft, dass sie einfach eingeschlafen ist doch das sie so sehr litt brach mir das zweite Mal das Herz. Die Fahrstuhltüren öffneten sich und wir gingen die letzten Schritte bis zu Sam's Zimmer. "Alles okay?" fragte mich Marco und drückte meine Hand. Ich nickte nur da ich nicht in der Lage war ordentliche Sätze aus mir heraus zu bekommen. Der Arzt blieb vor dem Zimmer stehen und sah noch einmal zu uns. "Frau Weigl ist in einer anderen Abteilung wenn Sie sie noch einmal sehen möchten." Der Arzt und auch Marco sahen mich an. Ich nickte wieder nur und klopfte an die Tür. Meine Hand schwebte über der Klinke. Sie zitterte. Erst kurze Zeit später legte Marco seine Hand auf meine und drückte die Klinke nach unten. "Versprich mir, dass du mir sofort Bescheid sagst, wenn es zu viel wird. Dann gehen wir ok." Als ich wieder nur nickte zog er mich an meinem Arm zurück und zwang mich ihn anzusehen. "Versprich es mir!" ich sah von seinem linken Auge ins rechte. "Versprochen." sein Gesicht wurde weicher und er lächelte. Ich wand mich von ihm ab und ging weiter in das Zimmer hinein. Benjamin lag zusammen gekauert auf dem Bett wo Sam noch vor wenigen Stunden lag. Seine Schultern zuckten. Ich legte meine Arme um mich, presste meine Lippen aufeinander und kämpfte gegen meine Tränen an. Es ist so schlimm einen geliebten Menschen zu verlieren. Ich kannte beide nicht sehr lange doch sie lagen mir beide am Herzen. Marco lief als erstes um das Bett und beugte sich zu ihm herunter. Das zucken seiner Schultern wurde mehr als er Marco ansah. Eine Träne rollte meine Wange herunter. Ich sah mich im Zimmer um und konnte noch die Sachen von Sam auf einem Stuhl sehen. Das Stirnband, welches sie an unserer ersten Begegnung trug, lag auf dem Tisch. Ich nahm es und presste es an meinem Oberkörper. "Lea?" ich drehte mich zu Marco um der mich ansah und eine Hand an meine Taille legte. "Er schläft. Er ist voll mit Beruhigungsmitteln." ich nickte und sah an ihm vorbei. "Wir sollten mit dem Arzt reden und fragen was er brauch." Ich räusperte mich. "Geht klar." ich wickelte Sam's Stirnband um mein Handgelenk und ging mit Marco aus dem Zimmer. Wir suchten den Arzt und beredeten alle Sachen die benötigt werden. Da Sam bereits seit knapp einem Jahr hier war, lagen Glücklicherweise alle wichtigen Dokumente die man für eine Bestattung benötigte hier. Wir haben auch erfahren, dass Benjamin das Elternhaus verkauft hatte um die Krankenhauskosten zu bezahlen. Auch, dass er seine Wohnung kündigte und hier mit Sam in ein etwas größeres Zimmer einzog. Gegen 4 Uhr nachmittags hatte ich mich neben das Bett von Sam, auf dem Benjamin lag, gesetzt und sah mir die verschiedenen Bücher an die Sam besaß. Auch ein Paniniheft hatte sie von der Weltmeisterschaft. Sie war absolut Fußball begeistert und Spieler des BVB und FCB haben es ihr vollkommen angetan. Ich bemerkte wie Benjamin sich streckte und seine Augen rieb. Schnell legte ich die Bücher und Hefte zur Seite und beugte mich weiter nach vorn. "Hey." er sah zu mir und lächelte knapp. "Hey." ich nahm seine Hand die er mir entgegen streckte. "Wie geht es dir?" er nickte. "Gut. Wo ist Marco?" ich sah ihn lange an. "Er ist noch andere Sachen erledigen." Benjamin drehte sich wieder zu mir und sah mich weiter an. "Danke das ihr hier seid. Sam ... w-würde sich genauso freuen." "Sccch... Alles ist gut." ich stand auf und setzte mich auf die Bettkante. "Wir müssen begreifen, dass es besser so ist. Ihr kleiner Körper hatte nur noch gekämpft und das ist nicht der Sinn im Leben immer wieder zu kämpfen." Benjamin nickte. "Ihr Körper wusste, dass sie euch noch einmal sehen wird und hielt bis dahin durch. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie traurig sie gestern war als ihr gegangen seid." ich streichelte seinen Rücken. Wir wussten genau wie sie sich fühlte. Selbst Marco wollte gar nicht weg da er merkte wie sie sich verändert hatte als wir gingen. "Lea? Kommst du mal bitte?" ich sah kurz über meine Schulter und bemerkte Marco der in der Tür stand. Ein kurzer Blick zu Benjamin sagte mir, dass er wieder seine Augen geschlossen hatte und gleichmäßig atmete. Ich stand langsam auf, sah noch einmal zurück und ging mit Marco aus dem Zimmer. "So, wir haben alles geregelt. Sam wird gleich morgen an einem Ort bestattet von dem sie die ganze Zeit nur noch geredet hatte." Ich sah ihn fragend an. "Wo? Haben sie ein Familiengrab hier?" Marco schüttelte den Kopf. "Sie wollte nie bei ihren Eltern liegen. Sie liebt Dortmund und da will sie auch für immer sein." ich legte eine Hand auf den Mund und sah ihn an. "Wo?" er holte noch einmal Luft. "In der nähe vom Stadion."

Frustration, Ehrgeiz, Rückhalt [Marco Reus FF] -Band 2-Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt