Kapitel 28

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Ich schlug die Augen auf, als mein Wecker wie jeden Morgen klingelte. Fröhlich ging ich in die Küche und frühstückte mit meiner Familie. Anschließend machte ich mich für die Schule fertig und nahm einen kleinen Rucksack. Mehr brauchte ich heute nicht, denn es war der letzte Schultag von den Sommerferien. Andrik traf zwei seiner Freunde auf unserem Schulweg und ging mit ihnen vor. Ich ließ meine Gedanken schweifen und spürte den warmen Sonnenschein auf meinen Schultern. In der Schule angekommen, setzte ich mich wie immer neben Raban und Joschka. „Hast du Lust, dich heute mit uns, Juli und Markus auf Camelot zu treffen?“, fragte Joschka mich nun. Ich nickte erfreut, da ich Juli und Markus schon lange nicht mehr begegnet war. Außerdem hatten wir heute sowieso nur drei Stunden Unterricht, was auch gut so war, denn es war ziemlich heiß. In den ersten zwei Unterrichtsstunden spielten wir hauptsächlich Spiele, während wir in der letzten unsere Zeugnisse bekamen. Jeder musste einzeln nach vorne kommen, um sich das Zeugnis von unserer Klassenlehrerin abzuholen. Auch als ich aufstand klatschten alle meine Mitschüler und ich nahm mein erstes Zeugnis auf dem Gymnasium entgegen. Als ich wieder an meinem Platz saß, wurde die nächste Person aufgerufen und wir alle klatschten wieder. Ich konnte es nicht glauben, dass ich nun schon fast ein Jahr an dieser Schule war und nächstes Schuljahr in die sechste Klasse gehen würde. Ohne diese Schule hätte ich die wilden Kerle niemals kennengelernt, oder zumindest das, was jetzt noch davon übrig war. Die Schulglocke holte mich aus meinen Gedanken und ich rannte so schnell ich konnte die Treppen hinunter zum Haupteingang. Als ich draußen angekommen war, hätte ich fast meinen Bruder umgerannt, der weiter vorne in der Menschenmenge gewesen war. Ich hatte noch nie so viele Schüler auf einmal gesehen. Und sie alle freuten sich auf die Sommerferien, die nun vor uns lagen. Fröhlich plauderte ich Andrik den ganzen Heimweg lang voll, der dies nur lächelnd über sich ergehen ließ. Sobald wir Zuhause angekommen waren, zeigte ich meinen Eltern, die heute beide frei hatten, mein Zeugnis. Stolz betrachteten sie dies und lobten mich.

„Hallo Yara!“, rief jemand hinter mir und ich schaute mich um. Ich saß auf meinem Fahrrad und fuhr gerade zu Juli und Joschka. Markus holte mich schnell ein und wir fuhren nebeneinander her. Als wir bei Camelot ankamen, war niemand zu sehen. Wir guckten uns um , aber wir konnten niemanden entdecken. Gerade, als ich Markus etwas zurufen wollte, traf mich ein Wasserstrahl am Rücken. Ich schrie kurz vor Überraschung auf und sah dann Raban der mit einer Wasserpistole bewaffnet aus einem Gebüsch sprang. Nun kam auch Juli und Joschka aus ihren Verstecken und sprühen uns nass. „Das ist unfair!“, schrie ich lachend. Markus rannte auf die kleine Terrasse hinter Julis und Joschkas Zuhause und kam mit zwei Wasserpistolen zurück. „Fang!“, rief er und warf mir eine davon zu. Gekonnt fing ich diese auf und begann mich gegen unsere Angreifer zu wehren. Wir versteckten uns hinter Büschen oder Baumstämmen und wichen dem kalten Wasser aus. Gerade, als ich direkt in Joschkas Schussbahn stand, wollte dieser mich nassspritzen, doch es kamen nur ein paar armselige Wassertropfen aus seiner Wasserpistole. Lachend und schreiend rannte ich auf ihn zu, während er flüchtete. Dann stolperte er über seine eigenen Füße und hatte keine Chance mehr, zu entkommen. Ich stellte mich über ihn und spritzte ihm direkt ins Gesicht. „Verschon mich!“, prustete er, doch ich dachte garnicht daran. Kurz bevor auch meine Wasserpistole leer war, schrie Joschka ein letztes Mal spielerisch auf und stellte sich dann tot. Ich jubelte und hielt meine Wasserpistole in die Luft. Joschkas und Julis Mutter kam aus dem Haus und wedelte mit Wassereis, das sie in der Hand hielt: „Habt ihr Lust auf eine Erfrischung?“ Joschka hinter mir erstand plötzlich wieder auf und lief strahlend zu seiner Mutter. Wir anderen taten es ihm gleich und kletterten dann die Strickleiter zu Camelot hinauf. Die Kälte des Eises durchströmte und kühlte meinen ganzen Körper und an den gierigen Blicken der anderen konnte ich erkennen, dass es ihnen nicht anders erging.

Erschöpft lag ich abends in meinem Bett. Der Mond schien bereits durch mein Fenster, so spät war es schon. Nachdem ich noch mit meiner Familie zur Feier der Sommerferien und der Zeugnisse in einem Restaurant gegessen hatte, hatten wir zusammen einen kurzen Film geguckt und Spiele gespielt. Lächelnd ließ ich die Ereignisse des Tages noch einmal Revue passieren und schlief schnell mit dem Hintergedanken, sechs wundervolle Wochen vor mir zu haben, ein.

Dafür leg ich meine Beine ins Feuer~Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt