Als ich am nächsten Tag aufwachte, lag ich in meinem Bett. Verschlafen guckte ich mich in meinem Zimmer um und mir fiel auf, dass das Spielzeugauto von Tarek neben mir lag. Ich stellte es auf den kleinen Nachttisch neben meinem Bett, sodass ich es immer, wenn ich in meinem Zimmer war, sehen könnte. Zuerst ging ich in die Küche, um zu frühstücken und anschließend zog ich mich an. Später fing ich an, meinen Koffer auszuräumen und den Inhalt wieder an seinen Platz zu bringen. Als ich auf die Uhr schaute, war es gerade einmal 14 Uhr und ich langweilte mich bereits. Meine Beine trugen mich in den Garten, in dem meine Eltern auf unserer Hollywoodschaukel saßen und ich setzte mich zu ihnen. „Warum gehst du nicht zu Maxi und ihr unternehmt etwas?“, fragte mich meine Mutter, nachdem ich ihr und meinem Vater schweigend zugehört hatte. Ich sprang auf, so gut fand ich die Idee. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und machte mich direkt auf den Weg zu ihm.
Ich klingelte an der piekfeinen Alten Allee Nummer 1 und wartete. Herr Maximilian öffnete die Tür und als er mich sah, rief er direkt seinen Sohn. Der ließ auch nicht lange auf sich warten und kam aus seinem Zimmer. Sobald er mich sah, fingen seine Augen an zu leuchten und er strahlte mich mit seinem berühmten, lautlosen, grinsenden Lächeln an. Er drehte sich zu seinem Vater um, der lächelnd mit einem, „Worauf wartet ihr noch? Nun geht schon.“, antwortete. Herr Maximilian schloss die Tür hinter uns und Maxi stand immer noch überglücklich vor mir. „Wollen wir in den Wald gehen?“, lächelte er und ich willigte ein. „Ich hab dich echt vermisst. Es war so langweilig ohne dich.“, lachte er und machte eine ausschweifende Bewegung mit seinen Armen. Ich lächelte: „Ich habe dich auch vermisst. Ist meine Postkarte schon angekommen?“ „Ja, vorgestern lag sie im Briefkasten und jetzt hängt sie über meinem Schreibtisch.“, grinste der braunhaarige Junge, „Komm mit!“ Er zeigte mitten in den Wald und verließ den Weg. Ich schaute ihm misstrauisch nach, was er bemerkte und sich zu mir umdrehte: „Ich kenne mich hier aus, keine Angst.“ Ich seufzte lächelnd und folgte ihm. Maxi ging so schnell zwischen den Bäumen umher, dass ich Schwierigkeiten hatte, mit ihm mitzuhalten. Als er plötzlich stehen blieb, stieß ich fast gegen ihn. „Tippkick“ schaute nach oben und als ich seinem Blick folgte, sah ich die riesige Baumkrone des Baumes vor uns. Maxi ging auf den Stamm des Baumes zu und hielt sich an zwei tieferliegenden Ästen fest. Dann zog er sich an ihnen hoch und griff nach einem Ast, der weiter oben lag. Nach einer Weile hielt er inne und sah zu mir herunter. Mit einer Handbewegung bedeutete er mit, ihm zu folgen. Ich tippte mir an den Kopf und schaute ihn an, als hätte er mir gerade vorgeschlagen, zum Mond zu fliegen, woraufhin er lachte: „Es ist nicht so schwer, wie es aussieht, glaub mir. Und von hier oben hat man eine wunderschöne Aussicht.“ Ich gab nach und streckte meine Arme nach den zwei Ästen aus, an denen sich Maxi hochgezogen hatte, doch ich war zu klein. Ich sprang und baumelte an ihnen. Ich wollte mich wie „Tippkick“ an den Ästen hochziehen, doch mir fehlte die Kraft. Der braunhaarige Junge streckte seine Hand aus und ich griff nach ihr. Er zog mich nach oben und ich hielt mich an einem Ast neben ihm fest. Jetzt lagen die Äste näher beieinander und wir kletterten immer weiter und schneller nach oben. Irgendwann hielt Maxi inne und steckte seinen Kopf durch das Blätterdach. Erst musste ich lachen, weil sein ganzer Kopf verschwunden war, doch als ich es ihm gleichtat, staunte ich. Vor hier aus konnte man fast den ganzen Wald überblicken. Später setzten wir uns auf zwei besonders dicke Äste und unterhielten uns. Maxi fiel direkt mein Armband auf, welches ich im Urlaub gekauft hatte. Ich hatte es bis jetzt jeden Tag getragen und würde es auch weiterhin tun, denn es verband mich mit meiner Familie, die ich über alles liebte.
„Lass uns lieber zurückgehen.“, schlug Maxi vor, als es bereits dunkel wurde. Vorsichtig kletterten wir den Baum hinunter und gingen den gleichen Weg, wie heute Nachmittag. Als wir aus dem Wald traten, hatte sich der Himmel schon rot eingefärbt und die Sonne sank immer tiefer. Wie immer brachte der braunhaarige Junge mich nach Hause, wo mich meine Eltern bereits empfingen. „Wie sieht du denn aus?“, fragte mein Vater entgeistert, als ich mich an den Esszimmertisch setzte, um zu Abend zu essen. Zuerst wunderte ich mich über seine Bemerkung, doch als ich später in den Spiegel sah, fiel mir auf, dass meine Haare mit Blättern, kleinen Stöcken und Rinde übersteht waren. Auf meinen Armen und Beinen prangten einige Kratzer, die ich bis jetzt garnicht bemerkt hatte. Doch sie störten mich nicht. Im Gegenteil, ich fand, dass sie unglaublich wild aussahen. Ich kämmte meine Haare und machte mich bettfertig. Anschließend kuschelte ich mich unter meine Decke und meine Eltern kamen an mein Bett, um mir „Gute Nacht" zu sagen. Erschöpft lag ich nun in meinem Zimmer und starrte die Decke an. Meine Augenlider wurden immer schwerer und fielen immer schneller zu, weshalb ich mich dem Schlaf nun langsam hingab.
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Dafür leg ich meine Beine ins Feuer~
Hayran KurguEine Geschichte über Freundschaft, Liebe und die Hürden des Erwachsenwerdens. Yara geht in die 5. Klasse eines Gymnasiums. Sie rechnet nicht damit, dass eine Fußballmannschaft ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen kann. Immer wieder müssen Freundsch...