Ich wurde davon geweckt, dass jemand meinen Namen rief. Verschlafen streckte ich mich und wollte mich umdrehen, um weiterzuschlafen. „Wenn du jetzt nicht aufstehst, besiegen wir halt ohne dich die biestigen Biester.“, drang die Stimme wieder an mein Ohr, von der ich jetzt erkannte, dass sie Leon gehörte. Schlagartig riss ich meine Augen auf, als ich begriff, dass ich nicht in meinem gemütlichen Bett, sondern in meinem kalten Schlafsack mitten in der Wildnis lag. Schnell gesellte ich mich zu den anderen, die bereits in einem Kreis saßen und frühstückten. Nerv hielt gerade eine Rede darüber, wie wir die biestigen Biester besiegen würden, während der Rest ihm mit schlaftrunkenen Gesichtern schweigend zuhörte. Nachdem wir gefrühstückt hatten, rollten wir unsere nassen Schlafsäcke ein und langsam kehrte Leben in uns. So schnell wie möglich packten wir den Rest unseres Gepäcks ein und luden es auf unsere Fahrräder. Gemeinsam bauten wir die Zeltplane ab, bevor wir uns bereit machten, loszufahren. Im Gegensatz zu gestern befand sich heute keine einzige Wolke am Himmel und nachdem wir an der Spitze des großen Hügels, den wir gestern nicht mir überwinden konnten, ankamen, mussten wir fast ausschließlich bergab radeln. Es war ziemlich warm, doch der dichte Wald spendete uns Schatten und der Fahrtwind kühlte uns angenehm ab. Entspannt beobachtete ich die idyllische Umgebung und hörte dem melodischen Zwitschern der Vögel, dem Rascheln der Blätter und dem Knacken der Zweige unter uns zu.
Im Zwielicht kamen wir am Waldrand an und Juli bog vom Weg ab. Wir vertrauten und folgten ihm, da er von Hadschi die Karte mit den Geheimverstecken anvertraut bekommen hatte und somit den Weg kannte. Vor einer heruntergekommenen Holzhütte kam er zum Stehen und wir taten es ihm gleich. Enttäuscht betrachtete ich den zusammengenagelten Bretterhaufen vor uns. Ich hatte mir unser heutiges Ziel um einiges spektakulärer vorgestellt und auch Joschka sah seinen Bruder jetzt fragend an: „Juli, wo ist das Geheimversteck?“ Doch als Antwort bekam er nur ein Schulterzucken: „Ich weiß nicht.“ Augenblicklich stieg der Junge von seinem Fahrrad ab und betrat die Hütte. Unentschlossen drehte er sich im Kreis herum, bis er grinsend stehen blieb. „Ja, das muss es sein!“, lächelte er und legte einen Hebel an der Wand unseres Unterschlupfes um. In Sekundenschnelle erhoben sich Zelte, die mit Kissen und Decken gefüllt waren, aus dem Boden und ein Grillrost segelte auf einen kleinen Holzberg hinab. Als ich dachte, es könnte nicht mehr besser werden, erhob sich auch noch ein hölzerner Tisch und sogar Teller klappten aus der Wand. Sprachlos und mit offenen Mündern standen wir da. Wir konnten nicht glauben, was wir gerade gesehen hatten und fragten uns, ob das die Realität war oder ob wir bloß träumten. Joschka fand zuerst seine Sprache wieder und staunte: „Terrortouristischer Bärenbauchspeck!“, woraufhin Raban mit einem Satz antwortete, den ich so bestimmt niemals von ihm erwartet hätte, „Komm Joschka, wir kochen!“ Ohne zu zögern richteten wir uns nun in unseren Zelten ein, während Raban und Joschka mit Hadschis Erfindungen ein ganzes Festmahl zauberten. Leon warf uns die Teller zu und sprach überzeugt: „Der Sommer gehört dem, der am Wildesten ist. Oder findest du nicht?“ Dabei schaute er Vanessa tief in die Augen, weshalb sie schnell und kalt antwortete: „Du weißt, was ich denke.“ Ich konnte förmlich spüren, wie unsere Stimmung eine ganze Klippe herunterstürzte. Deswegen eilten Joschka und Raban schnell mit dem Essen an den Tisch und versuchten die Stimmung wenigstens auf Plusgraden zu halten. Für eine Sekunde war es totenstill und ich befürchtete schon, die Zeit sei plötzlich angehalten, doch dann rannten alle an den Tisch und begannen hungrig das Astronautenfestmahl, wie Raban es liebevoll nannte, in sich hineinzustopfen. Glücklich und satt gingen wir in unsere Zelte und Nerv, Raban und Joschka begannen über den gestrigen Tag zu reden. Dabei kam auch Vanessas Schimpfwort wieder auf. Als die drei Jungen sie fragten, woher sie dieses Wort kenne, blockte sofort ab und setzte wieder ihren feindseligen Blick auf, der uns allen verbot, auch nur ein Wort zu sagen. Doch dieses Mal ignorierten die anderen ihn und ließen nicht locker. Nerv beschuldigte Vanessa sogar damit, dass sie kneifen würde, wenn sie die Geschichte nicht erzählte. Und das konnte das Mädchen schließlich nicht auf sich sitzen lassen. Sie erzählte uns von einer Karnevalsfeier, an dem sie aufgrund ihres Hasenkostüms ausgegrenzt wurde. Geduldig und aufmerksam hörten wir ihr zu. Schließlich wandte sie sich wortlos ab und kuschelte sich in ihre Decke. Wir taten es ihr gleich, da wir ziemlich erschöpft waren und die Reise schließlich morgen weiterging. Der Schlaf überkam mich schnell und sanft.
Nervs Stimme weckte mich und ich sah mich benommen um. Mittlerweile war es stockdunkel, aber ich hörte den Jungen immernoch reden. Maxi, der im Zelt neben mir geschlafen hatte, stand lautlos auf und verließ unseren Unterschlupf. Langsam nahm ich einen unserer Fußbälle und folgte ihm. Auch Leon kam zu uns und wir blieben in der dunkelsten Ecke stehen, die wir finden konnten. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte ich erkennen, dass Nerv vier bösartigen Männern gegenüberstand und sie böse anfunkelte, obwohl er eine ziemliche Angst hatte. Mich selbst beschlich auch ein unbehagliches Gefühl, doch ich unterdrückte es mit aller Kraft. Mit zitternder Stimme flüsterte Nerv: „Verflixt, Leon, wo seid ihr denn alle?“ „Wir sind doch schon da.“, antwortete unser Anführer und trat in das Licht des Mondes. Maxi und ich folgten ihm wortlos und stellten uns gegenüber von unseren Angreifern auf. Einer der Männer stellte eine letzte Frage an Herrn Maximilian und Nervs Mutter, die Hexe von Bogenhausen, die uns von ein paar Metern Entfernung beobachteten und abhörten. Dann begannen wir zu zählen. Langsam und bedrohlich begannen wir. „Eins.“, grinsten wir und nahmen unsere Position ein. „Zwei.“, flüsterten wir und legten unsere Fußbälle zurecht. Und bei „Drei.“ nahmen wir alle Anlauf und schossen den Angreifern dahin, wo es Männern am meisten wehtut. Jaulend und humpelnd ergriffen sie die Flucht und wir lächelten uns stolz an. Nerv rief ihnen hinterher, dass sie Weicheier seien und zeigte seiner Mutter, dass er kein kleines Kind mehr war. Diese stand abrupt auf und befahl Maxis Vater fuchsteufelswild, sich mit ihr auf den Rückweg zu machen. „Maxi“, grinste ich, „Wir haben deinen Vater besiegt.“ „Und die Hexe von Bogenhausen!“, ergänzte Vanessa, die hinter mir aufgetaucht war.
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Dafür leg ich meine Beine ins Feuer~
FanfictionEine Geschichte über Freundschaft, Liebe und die Hürden des Erwachsenwerdens. Yara geht in die 5. Klasse eines Gymnasiums. Sie rechnet nicht damit, dass eine Fußballmannschaft ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen kann. Immer wieder müssen Freundsch...