Kapitel 2

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Die Sonne war bereits untergegangen, als Master Kenway und ich aus der verlassenen Schenke auf die Gefrorene Straße traten. Der Raureif knirschte unter unseren Schuhen und auch unser Atem stieg in kleinen Dunstwolken Richtung Himmel empor. Die Laternen warfen nur wenig Licht auf die Dunklen Straßen. Bei Nacht schien Boston beinahe verlassen.

Ich lehnte mich einen Moment mit verschlossenen Augen an die kühle Mauerwand des Restless Ghost und ließ die reine Luft durch meine Lungen strömen. In der schenke war die Luft abgestanden und rauchig. Ich war froh endlich wieder hinausgehen zu können. Die Besprechung hatte mehrere Stunden angehalten und das unwohle Gefühl von Hunger machte sich schleichend bemerkbar.

Master Kenway tat es mir gleich und lehnte sich ebenfalls an die Hauswand. So standen wir eine ganze Weile in der bitteren Kälte, bis ich von einem räuspern aus den Gedanken gerissen wurde.

,,Wir werden heute nicht zurück nach New York Reisen. Nächtigen werden wir in einem Gasthaus ganz in der Nähe. Dort könnt ihr auch etwas essen, wenn ihr das Bedürfnis danach verspürt.''

Ich nickte. Und so machten wir uns auf den Weg über die Dächer.
Nach einiger Zeit erreichten wir den Green Dragon, ein belebtes Lokal am Hafen im Osten der Stadt, mit rustikalen Holztischen und Stühlen, einer Bar, allerlei betrunkener Gäste mit Ale Krügen in der Hand, Musikern und Tischen an denen man sich an Glücksspielen versuchen konnte.

Master Kenway ging zielstrebig auf einen abgesonderten Tisch zu und lies sich auf einem der Stühle nieder. Ich zog mir einen zweiten Stuhl an den Tisch heran und setzte mich dazu.

,,habt ihr Hunger?", fragte er mich während er seinen Blick durch die Schenke schweifen lies.

,,ein wenig", antwortete ich.

Daraufhin gab er der alten und beleibten Gastwirtin mit einer Handbewegung zu verstehen, dass wir zahlende und hungrige Kundschaft seien. Diese kam nach nicht allzu langer Zeit mit einem Laib Brot und zwei Krügen Ale, einem dunklen Bier, zu uns an den Tisch und stellte dies vor uns ab. Sofort erhellte sich ihre Ausdruckslose Miene, als sie Master Kenway erblickte. Dann verschwand sie wieder hinter dem Tresen der Bar.

,,Ihr scheint euch zu kennen", stellte ich fest.

,,Wie kommt ihr darauf?", fragte Master Kenway, nachdem er einen großen Schluck aus seinem Krug genommen hatte.

,,Sie hat gelächelt als sie euch gesehen hat, als wenn sie einen Bekannten nach langer Abwesenheit wieder sehen würde" erwartungsvoll blickte ich ihn an.

,,Ihr habt wirklich ein großartiges Beobachtungsvermögen, Avery. Ihr scheint einen guten Lehrer gehabt zu haben."

,,Ihr wisst dass ihr mir ein guter Lehrmeister seid aber ihr schweift vom Thema ab, Master Kenway." Jetzt nahm auch ich einen Schluck aus meinem Krug.

,,Ihr liegt nicht ganz falsch. Ich kenne die Wirtin durchaus, schließlich habe ich hier 5 lange Jahre gehaust."

Ich wusste dass er nach Amerika gekommenen war um den Tempel der Vorläufer zu finden, doch dass er hier in Boston gelebt hatte, war mir nicht bewusst. Ich wurde neugierig.

,,zusammen mit Lee und den anderen?", hakte ich nach.

,,In der Tat. Wir hatten uns hier eine Art Stützpunkt eingerichtet." Er riss ein Stück von dem Brot ab.

,,Habt ihr es je in Erwägung gezogen, zurück nach London zu gehen? Ich meine ihr seid ja schließlich Engländer"

,,Natürlich habe ich das.....aber gewisse umstände ließen es mich noch einmal überdenken."

,,Eure Mohawk Frau"
Ich biss mir sofort auf die Lippe. Ich erwartete keine Antwort, schließlich hatte er gerade erst von ihrem Tot erfahren, doch der Alkohol schien seine Zunge zu lockern.

Assassin's Creed III (fanfiction)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt