Kapitel 8
Lina's POV
Was war das? Ich konnte schwören ich hätte etwas gehört. Was machte ich nur hier? Mitten in der Nacht spielte ich Klavier. Wenn jetzt Jemand einbrechen würde, wäre ich als Erste tot. Hatte ich über all die Jahre wirklich kein Stückchen verlernt? Das hielt ich für unmöglich, andrerseits, ob ich wollte oder nicht, ich hatte es irgendwie im Blut. Schließlich war meine Mutter Louise Brooks, Pianolegende des Jahrhunderts, zu mindestens hatte sie sich früher so aufgespielt. Ich hoffte bloß, dass ich so wenig wie möglich von meinen Eltern geerbt hatte. Nein, ich war nicht wie sie. Ich würde meine Tochter niemals verstoßen. Ich widmete mich wieder der Melodie, die ich langsam ausklingen ließ.
"Das war echt wunderschön." hörte ich dann plötzlich jemanden sagen. Mein Herz blieb eine kurze Sekunde stehen, bis ich mich umdrehte und Louis erblickte.
„Louis? Was machst du denn hier?" fragte ich verwundert. Hatte er versucht mir einen Schrecken ein zu jagen? Oder hatte ich ihn aufgeweckt? Ich hatte gar nicht darauf geachtet, wie laut das Piano war. Uh, wie unhöflich, dass hinterlässt keinen guten Eindruck. Vor allem nicht in der Kennen-Lern-Phase. Doch anstatt meine Frage zu beantworten, stellte er mir eine Gegenfrage,
„Du kannst Piano spielen? Wieso erzählst du das nicht? Das war richtig gut." Er guckte mich mit großen Augen ungläubig an, als ob er sich nicht sicher war, ob er noch träumte. Ich guckte bedrückt auf den Boden. Ausgezeichnete Frage, Louis. Warum? Ich dachte nach, was ich antworten sollte. Die Wahrheit, die hatte ich noch Niemanden erzählt, und ich wollte sie auch nicht Louis erzählen. „Sorry, ich sollte deine Frage zu erst beantworten. Nun ja, du warst nicht in deinem Zimmer, dann habe ich mir Sorgen gemacht. Ich bin der Musik gefolgt. Es tut mir Leid, dass ich dich erschreckt habe, das war nicht meine Absicht. Ich wollte dich nicht unterbrechen. Wieso bist du überhaupt noch wach? Ich dachte du wärst schon lange im Bett."
„Ich bin auf gewacht, ich hatte einen Traum, einen Albtraum. Ich konnte nicht mehr schlafen. Ich musste mich irgendwie ablenken, deswegen bin ich ein wenig im Haus herum gegangen. Doch dann konnte ich meine Tür nicht mehr finden, und ich bin hier rein gekommen. Ich konnte nicht anders als Piano zu spielen." Erklärte ich langsam im Flüsterton. Warum ich flüsterte wusste ich nicht, vielleicht wollte ich nicht dass er es hörte. Ich bekam Schuldgefühle, dass ich ihn quasi anlog, denn den weiteren Fluchtversuch hatte ich ausgelassen. Louis warf mir einen prüfenden Blick zu, der sich in einen mitleidigen und sympathischen umwandelte. Bevor ich es merkte, nahm er mich in den Arm und drückte mich.
„Schon wieder einen Albtraum? Wieder denselben oder einen anderen?" fragte er und streichelte über meinen Rücken.
„Einen anderen, aber genauso schlimm." Flüsterte ich ihm zu. Eine Träne floss über meine Wange, doch ich wusste nicht weshalb ich weinte. Wegen dem Traum, oder wegen der Umarmung. Louis ließ mich los und schlug vor,
„Morgen gucken wir mal im Internet was gegen Albträume hilft, okay? Wenn du willst kannst du bei mir schlafen. Bei meinen Schwestern hat das immer geholfen." Er lächelte mich liebevoll an und ich nickte. Wie hatte ich nur so eine nette Familie verdient? Wir gingen in sein Schlafzimmer. Es war ziemlich groß und unerwartet ordentlich, ich hatte Louis für einen ziemlichen Chaoten gehalten, doch vermutlich räumte eine Putzfrau hier regelmäßig auf. Ich setzte mich auf das große Bett und betrachtete den Raum genauer, er war hell eingerichtet und die Ostseite, die zum Garten guckte, war komplett verglast. Zum Glück waren über Nacht, die Rollladen herunter gelassen, sonst hätte mir der dunkle Garten wirklich Angst eingejagt. Louis verschwand kurz, doch kam kurz darauf mit meiner Bettwäsche wieder.
„Hier, mach's dir gemütlich." Er warf mir die Bettwäsche zu und legte sich dann neben mich ins Bett. Ich ordnete meine Bettwäsche und guckte mir den Raum noch einmal genau an. Louis war an seinem Handy, es war ein iPhone 5. Ich hatte noch nie ein Handy gehabt, nicht einmal ein altes Nokia. Louis bemerkte, dass ich sein Handy anguckte und fragte,
„Möchtest du auch was twittern?" Ich guckte ihn irritiert an. Ich wusste zwar was Twitter war, aber was sollte ich den ‚twittern'? Ich hatte doch noch nicht einmal Twitter.
„Ich habe aber kein Twitter. Wir hatten im Heim nur einen Computer, der ständig besetzt war." Sagte ich leise, irgendwie war es mir peinlich. Ich war noch nie im Internet gewesen. Louis musterte mich, dann grinste er wieder.
„Wie würdest du es finden," er sprang aus dem Bett und ging zu seinem Schreibtisch. Er legte sich mit einem Macbook in der Hand wieder neben mich ins Bett, „wenn wir dir einen Twitter-Account machen würden?"
„Wirklich? Das wäre echt super cool." Sagte ich begeistert. Er zeigte mir Twitter und erklärte mir was man wie machen konnte. Ich nannte mich @ItsSimplyLina, da alle anderen Namen, die in Betracht kamen entweder vergeben oder zu lang waren. Als Profilbild nahm ich ein Bild dass Eleanor bei unserer Shoppingtour gemacht hatte. Es zeigte mich und Eleanor, wie wir Grimassen schnitten, lustige Sonnenbrillen trugen. Ich fand es sehr schön und außerdem war es das beste Bild dass ich von mir hatte. Als dieses Kopfstück, das Louis ‚Header' nannte nahm ich einfach ein Bild von Google, auf dem in sehr schöner Schrift ‚Smile, there will be better days.' und man im Hintergrund ein verregnetes London sah. Ich war so fasziniert von der neuen Welt, die ich soeben entdeckt hatte, dass ich gar nicht mehr bemerkte, dass Louis wieder an seinem Handy war.
„Klick mal hier drauf," sagte er nun und zeigte auf einen Tab in dem ‚Follower' stand. Darunter war eine große Eins. Ich hatte schon einen Follower, wer war das - @Louis_Tomlinson folgt ihnen nun. Ich grinste zu Louis und er grinste zurück. Dann zeigte er mir wie ich ihm zurück folgen konnte. Dann folgte ich noch Liam, Harry, Niall, Zayn und Eleanor. Außerdem noch ein paar anderen Blogs, die mir gefielen. Bis Louis dann irgendwann verkündete, dass ich schlafen sollte. Ich wollte protestieren, aber ich wollte auch nicht undankbar wirken.
„Danke, Louis, dass du mir gezeigt hast wie Twitter funktioniert." Sagte ich während er den Laptop auf seinen Nachttisch legte. Er schaltete das Licht aus und erwiderte,
„Das ist doch selbstverständlich, wofür ist Familie denn sonst da? Ich freue mich, dass ich dabei war als Paulina Caroline Tomlinson zum ersten Mal im Internet war."
„Gute Nacht, Louis." Sagte ich und kuschelte mich unter meine Decke.
„Schlaf schön, Lina." War das letzte was ich hörte bevor ich in einen friedlichen, traumlosen Schlaf fiel.
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Adopted by One Direction?!? *Wird Überarbeitet*
FanfictionFreiheit. Freiheit ist alles was Lina möchte. Ihre Eltern haben sie zur Adoption freigestellt als sie 5 war. Das war vor 9 Jahren, Lina ist jetzt 14 und lebt immer noch im Waisenhaus. Sie wurde schon 4-mal adoptiert aber immer wieder zurückgegeben...