Wie betäubt starrte Hermine minutenlang aus ihrem Fenster. Fragen über Fragen schwirrten ihr im Kopf herum und für keine einzige fand sie eine Antwort. Was wollte ausgerechnet Draco Malfoy von ihr? Die junge Hexe könnte zwar einfach das Pergament entrollen und würde den Grund für sein Schreiben erfahren, aber irgendetwas hielt sie davon ab. Was es genau war, wusste sie jedoch auch hier nicht, es machten sich neben all den Gedanken und Fragen nun auch unangenehme Gefühle in ihr breit - von ekel bis Wut bis hin zur Angst und ein hauch von Verzweiflung war alles dabei. Am Ende siegte dann aber doch die Neugier. Hermine entrollte das Pergament und fing an zu lesen:
Hallo Hermine,
ich weiß, dass es merkwürdig für dich sein muss, dass ausgerechnet ich dir schreibe. Wenn du von mir und all dem nichts wissen möchtest, dann brauchst du das hier nicht lesen und kannst diesen Brief gerne entsorgen, allerdings liegt mir das hier sehr am Herzen und ich habe trotz dessen die kleine Hoffnung, dass du diese Zeilen liest.
Es gibt viele Dinge, die ich momentan aufarbeite, angefangen bei meiner Vergangenheit, meinen familiären Verhältnissen und meinem Verhalten. Die Erlebnisse der letzten Jahre, der Krieg und die Gerichtsverhandlungen haben mir vor Augen geführt, wie falsch mein Verhalten, meine Denkweise und meine Handlungen all die Jahre waren. Die Erziehung meines Vaters und die Geschichte meiner Familie sind laut vielen Gutachtern und Psychologen der Grund für all das. Als ich vor einigen Jahren schon anfing gewisse Sachen zu hinterfragen wurde mir bewusst, dass nichts Richtig war an der Einstellung, dass nur reinblütige Zauberer und Hexen das Privileg der Zauberei haben sollten. Du warst ein bestes Beispiel, die meine Meinungsänderung noch mehr bestärkt hatten. Ich begann dich zu beobachten. Deine Ambition, deine Leidenschaft und dein Können waren bewundernswert. Ich weiß, dass du viel lernst und liest jedes Buch was dir in die Finger kommt, aber bei dir sah es immer so... einfach aus. Theoretische und Praktische Aufgaben hast du mit Links gemeistert, du hattest immer die Richtigen Antworten parat und wusstest schon im ersten Schuljahr Zaubersprüche aller Arten, komplizierte Zaubertränke und Dinge, die andere erst in späteren Schuljahren lernten und konnten. Auch zu sehen wie Glücklich du geworden bist, sobald du deinem Haus Punkte dank deiner Wissbegierde einbringen konntest, war auf eigenartige Art kleine Glücksmomente meinerseits.
Ich merke gerade, dass das hier noch ewig weiter schreiben könnte, wenn ich nicht so ein kleines Stück Pergament für diesen Brief verwendet hätte. Aufgrund dessen habe ich einen Vorschlag, ob du diesen annimmst oder nicht liegt ganz allein an dir. Gerne würde ich dich persönlich treffen, damit ich dir mehr über mich und meine Vergangenheit erzählen und dich besser kennenlernen kann.
Falls du Interesse hast, dann lass mir doch bitte eine Eule zukommen, alles Weitere, wie die Planung des Treffens zum Beispiel, können wir zu einem späteren Zeitpunkt klären. Ansonsten danke ich dir, dass du deine Zeit genommen und meinen Brief gelesen hast.
Pass auf dich auf, Draco.
Mit gerunzelter Stirn ließ Hermine ihre Hände sinken. Sie hätte mit allem gerechnet, aber nicht mit einem Brief dieser Art. Sie war verwirrt und hatte nun noch so viel mehr Fragen. Gerne würde sie mehr über Dracos Vergangenheit und seine starke Wesensänderung erfahren. Vor allem auch seine Familiengeschichte und das Verhältnis zu seinem Vater Lucius reizten den Lockenkopf. Aber was würden Harry und ihre anderen Freunde denken, wenn sie sich einfach aus dem nichts mit einem ehemaligen Todesser und Feind treffen würde? Andererseits könnte sie dafür sorgen, dass das letzte Schuljahr in Hogwarts für sie und ihre Freunde Entspannter laufen würde, wenn man Frieden schließen könnte, denn so wie sie Draco einschätzte würde auch er das Angebot zum Wiederholen des Schuljahres annehmen.
Mit einem lauten Seufzer ließ Hermine sich in ihr Bett zurückfallen und starrte einige Zeit die Decke an, während sie über diesen Brief nachdachte. Nach ungefähr einer Viertelstunde stand sie auf und ging in das Wohnzimmer, um einen Zettel und einen Stift zu holen. Sie setzte sich an die Kücheninsel und fing an zu schreiben.
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"Ich bin nicht's ohne dich"
Fiksi PenggemarDie Schlacht lag Wochen zurück und trotzdem erinnerte noch vieles daran. Es war jedem bewusst, dass es viele Veränderungen geben würde, aber welches Ausmaß diese annahmen erahnte wohl niemand.