XXII. Unsere größte Schwäche

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Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als gäbe es tausend Stäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf - dann geht ein Bild hinein,
geht durch die Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

- Rainer Maria Rilke

Ich frage mich, wie mein Ende sein wird.
Ich denke dabei nicht unbedingt an den Tod, eher an das Ende eines Weges.
Was ich im Leben machen werde und was nicht.
Was mich dabei am meisten stört, ist, dass das Leben zu kurz ist, viel zu kurz.
Manchmal frage ich mich, ob es sogar zu kurz ist, um einen Sinn darin zu finden.

Wir Menschen haben die Gabe des Denkens entwickelt, unsere größte Stärke.
Ich glaube jedoch, dass es unsere größte Schwäche ist.
Eine Schwäche verstanden als die Fähigkeit, an die Zukunft zu denken, uns somit nur selbst Angst zu machen.
Eine Schwäche, denn wir finden immer etwas Unwichtige, das uns doch zu stören scheint.
Somit hat uns das Denken doch nichts gebracht, außer, dass wir uns selbst im Klaren sein können, eigentlich nur daran glauben können, warum wir leben.

Mein Fazit ist, dass wir zu viel nachdenken, in der Welt unseres Kopfes leben.
Somit vergessen, das Leben zu genießen.
Aber erst, wenn wir das Leben anfangen zu genießen, erst dann hat es überhaupt einen Sinn, zu leben.
Vorher eben nicht.

21. Dezember 2021

***

Oben ist mein Lieblingsgedicht. Unten frage ich mich, ob Denken nicht unsere größte Schwäche ist, wir glücklicher wären, wenn wir Vögel oder so wären. Mäuse sind auch süß.

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