Jake lehnte schluchzend an meiner Schulter und ich nahm ihn tröstend in den Arm. Er hatte viel geweint, als er mir von dem Tag erzählte, an dem er seine Mutter verlor und auf Arthur traf. Seine Mutter hatte er so unerwartet verloren und nun war auch der einzige Mensch, der ihn damals eine Obhut anbot nicht mehr da. Auch er verschwand plötzlich für immer aus seinem Leben.
"Du hast mir das mit deiner Mum bisher nie erzählt.", ich hauchte ihm einen sanften Kuss aufs Haar. "Es tut mir Leid, was damals geschehen ist."
"Ich versuche immer noch zu verdrängen was damals passiert ist.", murmelte er in die Decke über meiner Brust.
"Wusste Arthur was damals passiert ist?"
"Nein. Er wusste zwar, dass meine Mutter tot ist, doch ich habe ihm erst heute erzählt, dass es genau an dem Tag geschah, als er mich bei sich aufnahm. Johnny war der einzige dem ich jemals davon erzählt hatte."
"Weißt du woran deine Mum damals starb?"
"Ich hatte mir damals Zugriff auf die Datenbank der Gerichtsmedizin verschafft. Laut Obduktionsergebnis sollte es eine Überdosis ihrer Blutdrucktabletten gewesen sein."
"Denkst du wirklich, dass deine Mum sich das angetan hat?"
"Natürlich nicht.", er schüttelte den Kopf. "Ich weiß, dass es nicht so war. Ich hatte ihre Tabletten aus dem Bad mitgenommen, als ich abgehauen bin und in der Packung fehlte gerade mal eine einzige, also ging ich dem ganzen nach. Nach langer Recherche fand ich heraus, dass es zu mehreren plötzlichen Todesfällen in Zusammenhang mit dem Medikament kam. Auf jeden Fall stellte sich raus, dass es sich damals um eine falsche Dosierung bei der Herstellung handelte."
"Das ist ja schrecklich, wie kann sowas denn passieren?", ich sah ihn erschrocken an.
"Wahrscheinlich wurde bei den Kontrollen geschlammt?! Und als sie endlich einen Rückruf starteten, waren bereits mehrere Hundert Patienten gestorben. Ich habe einem Journalisten damals, anonym alles zukommen lassen, was meine Recherchen ergaben. Unter anderem sogar ein paar der Tabletten meiner Mum, zum analysieren. Dadurch wurde ein Riesen Pharma-Skandal aufgedeckt.", er schnaufte aus, ehe er weitersprach. "Du wirst nicht glauben, was in dieser Welt alles versucht wird unter den Teppich zu kehren und bei wie vielen Sachen die Regierung auch noch ihre Hände drüber hält."
"Bist du so damals in den Fokus der Regierung geraten?"
"Unter anderem, aber nach dem Skandal in der Pharmaindustrie habe ich noch ganz andere Dinge aufgedeckt, die nicht an die Öffentlichkeit geraten sollten. Ich habe immer nur für das Gute gekämpft."
"Deine Mum wäre sicherlich stolz auf dich."
"Mag sein. Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass ich damals ein besserer Sohn hätte sein sollen. Sie hat alles für mich getan und sich jahrelang alleine für uns durchgekämpft. Es war zwar nicht immer einfach, aber sie hätte sich niemals etwas angetan."
"Sie hat dich geliebt Jake.", sagte ich, während ich ihm liebevoll über seinen Rücken kraulte.
"Ich habe sie auch geliebt und trotzdem habe ich mich nicht mal um ihre Beerdigung gekümmert. Das hat Scarlet glaub ich alles gemacht und ich stand bei der Beisetzung abseits, versteckt, damit mich niemand sah. Und seitdem war ich kein einziges Mal an ihrem Grab. Ich habe nach ihrem Tod allem den Rücken gekehrt."
"Sie hätte das sicher verstanden, es war dein größter Verlust und sich daran zu klammern hätte dir sicherlich nicht geholfen. Aber es ist nicht zu spät um sie zu besuchen, wenn du möchtest kann ich dich mal an ihr Grab begleiten."
"Das würde mir wirklich viel bedeuten Lea.", ein zaghaftes Lächeln legte sich auf seine Lippen. "Doch zuerst muss ich mich um die Beisetzung von Arthur kümmern. Ich darf den Fehler nicht ein zweites Mal machen."
"Ich helfe dir dabei.", ich gab ihm einen versprechenden Kuss auf die Stirn.
"Danke, dass ich dir das erzählen durfte."
"Schatz du kannst über alles mit mir reden, ganz egal worum es geht."
"Vor ein paar Monaten hätte ich dir noch gar nichts über mich verraten und jetzt liege ich heulend in deinen Armen und erzähle dir meine Lebensgeschichte.", schüttelte er ungläubig den Kopf. "Du hast es tatsächlich geschafft mich zu brechen, Lea.", schmunzelte er zaghaft und küsste mir auf die Nasenspitze.
"Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber Johnny hatte Recht, ich habe dich tatsächlich weich gekocht.", kicherte ich beklommen. "Danke, dass du mir das anvertraut hast Jake.", ich gab ihm einen behutsamen Kuss auf die Lippen und fuhr mit meinen Fingern sanft über seinen Rücken, bis er an meiner Brust einschlief.
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Duskwood - breaking walls
FanfictionDiese Geschichte ist die Fortsetzung zu meiner Fanfiction "Duswood - the truth". Ich empfehle also zuerst mit dem ersten Teil zu beginnen. Lasst euch von der Anzahl der Teile nicht abschrecken, meine Kapitel sind wie in der ersten fanfiction relati...