Vertrautes Gefühl

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---Jake---

In Middleton angekommen, stellte ich den Wagen auf einem dunklen Parkplatz zwei Blocks vom Skatepark entfernt ab. Auch wenn dies noch immer zu nah schien, schließlich hatte Dee schon damals überall seine Leute gehabt, musste ich das Risiko eingehen, ich durfte einfach keine Zeit verlieren. Und wenn Sie es schon geschafft hatten Lea zu finden. Würden sie womöglich auch das Auto kennen.

Wie konnten sie Lea bloß finden?

Und was zum Teufel wollten sie überhaupt von ihr oder von mir?

Ich ging an den Kofferraum und wechselte meinen Longsleeve gegen einen schwarzen Hoodie. Als ich ihn mir über den Kopf zog, vernahm ich Leas süßen Geruch und sog ihn tief in mir ein.

Sie trug ständig meine alten Hoodies zu Hause und ich liebte es sie darin zu sehen.

Was hätte ich jetzt nur dafür gegeben, mit ihr auf dem Sofa zu sitzen und fernzusehen, während sie in meinem Hoodie eingekuschelt, in meinem Arm läge.

Ich musste mich fokussieren, durfte jetzt nicht mit meinen Gedanken abschweifen, musste versuchen meine Fassung zu bewahren.

Ich zog mir meine Kapuze tief ins Gesicht und machte mich auf den Weg zum Skatepark.

Permanent wanderten meine Augen umher, scannten die Umgebung, auf der Suche nach etwas bekanntem, vielleicht ein bekanntes Gesicht von damals, in den nächtlichen Straßen Middletons. Irgendein Gesicht, dass mich zu Em oder Dee führen könnte.

In der Nähe des Skateparks vernahm ich bereits Hiphop Musik und den eindeutigen Geruch von Cannabis. Mich durchkam ein vertrautes Gefühl. Es schien noch genau wie früher der nächtliche Treffpunkt für die Jugendlichen zu sein.

Ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie viele Stunden ich hier damals stoned mit Em verbracht hatte, während er mir seine Dateien rüber spielte und ich ihm zeigte, wie er seine Downloads so sicher wie möglich verschlüsselte.

Wir beide, abseits von den anderen bekifften oder besoffenen Teens.

Und jetzt sollte ER tatsächlich Lea bei sich haben.

Was sollte er bloß von ihr wollen?

Am Skatepark versammelten sich eine Menge kleine Grüppchen von Jugendlichen, genau wie auch schon zu meinen Zeiten. Von dreizehn bis sechsundzwanzig schienen hier alle Altersgruppen vertreten, genauso wie früher.

Ein Treffpunkt an dem verschiedene Altersklassen zusammen kamen, jede Gruppe für sich und doch irgendwie gemeinsam.

Jeder differenzierte sich selbst irgendwie von den anderen, doch letztendlich führten sie alle ähnliche Gründe hier her.

Die Rebellion gegen das eigene Elternhaus oder die Tatsache, dass ihre zum Teil alleinerziehenden Eltern aufgrund ihrer Arbeit gar nicht wussten was ihre Kinder gerade trieben, manche von ihnen hatten vermutlich nicht mal mehr Eltern.

Das Gefühl von Freiheit, durch Spaß und Gelassenheit mit Freunden und die Sehnsucht nach dem Rausch durch Alkohol, Drogen und Musik.

Jeder empfand hier in irgendeiner Art und Weise ne gewisse Zugehörigkeit.

Nach außen schienen sie alle glücklich und zufrieden, doch das waren nur Momente des Scheins, ich konnte genau nachvollziehen was in den meisten von ihnen wirklich vorging.

Während ich mich unbemerkt durch den Park bewegte, fiel mein Blick auf eine Reflektion, neben einer einsam stehenden Bank, unter einer Laterne.

Da hatte wohl jemand im Suff sein Handy verloren. Ich ging darauf zu um es aufzuheben. Der Bildschirm wies einen langen Riss auf. Als ich es herumdrehte verkrampfte sich mein Körper.

Duskwood - breaking wallsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt