Bis dahin versuchte Biggi, sich abzulenken.
Einkaufen musste warten, da Sabine ihn nicht verpassen wollte, auch wenn sie das niemals zugegeben hätte. Sie machte einen Strandspaziergang mit Sunny und und anschließend richtete sie sich weiter häuslich ein. Es vergingen so einige Stunden. Es wurde zehn Uhr, danach irgendwann zwölf Uhr und letztendlich saß Biggi um 15 Uhr draußen auf der Terrasse in der Hollywood-Schaukel und hatte es aufgegeben, auf Thomas zu warten. Natürlich hatte er keine genaue Urzeit genannt, aber sie glaubte dennoch nicht mehr daran, dass er tatsächlich kam.
Und gerade als sie aufstehen und ins Haus gehen wollte, vernahm sie plötzlich Motorengeräusche, die immer lauter wurden. Biggi blieb wie versteinert sitzen. Und während sie sich fragte, ob es tatsächlich möglich sein konnte, tauchte auch schon Thomas' Motorrad vor ihren Augen auf. Er blieb direkt vor dem Haus stehen und stieg ab. Er nahm seinen Helm ab und sah dann zu Biggi nach oben.
"Entschuldige die Verspätung, hat alles ein bisschen länger gedauert.", meinte Thomas und holte noch je eine Tüte aus den zwei Satteltaschen an seiner Maschine. Damit lief er schließlich die Treppe hoch und blieb vor Biggi stehen.
"Was ist das?", fragte sie verwundert. "Deine Einkäufe.", antwortete Thomas. "Im Rucksack hab ich den Rest. Ich hab deine Einkaufsliste gefunden und war so frei, sie für dich abzuarbeiten. Außerdem hab ich nach längerer Suche ein Zimmer in einem kleinen Hotel hier in der Nähe gefunden, das ich mir ganz gut leisten kann. Und jetzt gehen wir beide, wie ich dir bereits auf dem Zettel auf dem Küchentisch verraten habe, zusammen essen und ein 'Nein' werde ich nicht akzeptieren.", stellte Thomas klar.
"Da war kein Zettel neben dem Honig.", meinte Biggi selbstsicher, bemerkte ihren Fehler allerdings sofort. Thomas hatte nämlich nur erwähnt, dass ein Zettel auf dem Küchentisch gelegen hatte, allerdings nicht wo genau und Biggi hätte sich selbst dafür ohrfeigen können. "Ach.. bist du dir da sicher? Ich habe schließlich nicht gesagt wo genau er war, aber du weißt es trotzdem. Das ist ein bisschen widersprüchlich, findest du nicht?", erkundigte sich Thomas grinsend.
Biggi biss sich verlegen auf die Unterlippe. Er hatte sie durchschaut, natürlich hatte er das. Es wäre ein Wunder gewesen, wäre ihm das nicht aufgefallen. Das einzige, was ihr jetzt also noch übrig, war so zu tun als wäre ihr seine Meinung gleichgültig. Allerdings war es ihr nicht egal und das wurmte sie extrem. "Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig!", stellte Biggi klar, woraufhin Thomas nur noch breiter grinste. "Nein, das bist du mir nicht. Allerdings würde ich mich trotzdem freuen, wenn du meine Einladung annehmen und mit mir Essen gehen würdest.", meinte Thomas.
"Nenn mir einen Grund, warum ich das tun sollte.", erwiderte Biggi resigniert. "Weil du ein netter Mensch bist und sich das nicht so einfach abstellen lässt.", zitierte Thomas darauf Biggis Erklärung, die sie ihm in der vergangenen Nacht auf die Frage hin gegeben hatte, warum sie ihn ins Haus geholt hatte. "Du kennst mich nicht. Und es ist unhöflich, die Worte von anderen Menschen für seine eigenen Zwecke zu gebrauchen. Fällt dir denn wirklich nichts eigenes ein? Gibt es keinen Grund, warum du diesen ganzen Aufwand betrieben hast oder immer noch betreibst? Wenn das so ist, dann ist das richtig armselig." Biggis Worte trafen Thomas sehr, jedoch versuchte er, sich das nicht anmerken zu lassen.
"Ich würde behaupten, dich zu kennen.", erwiderte er. "Und ich habe meine Gründe, das kannst du mir glauben. Und falls du glauben solltest, ich habe irgendwelche bösen Absichten oder ich würde das Ganze hier nur veranstalten, um dich vorzuführen.. das würde ich nie tun.", stellte Thomas klar.
"Dass du das nie tun würdest, ist gelogen!", entgegnete Biggi schroff. "Oder hast du mich vor 15 Jahren nicht vorgeführt, hm?! Das, was du abgezogen hast, ist unverzeihlich!"
Thomas senkte den Blick. "Ich weiß.", antwortete er bedrückt. "Aber ich möchte wenigstens versuchen, wenigstens ein wenig davon wieder gut zu machen und.. naja, so wie es aussieht hast du dich ja fertig gemacht. Oder warum sitzt du geschminkt und so schick angezogen vor mir, obwohl du im Urlaub bist und hier außer uns kein Mensch ist? Du hast meinen Zettel doch gefunden und ich würde mich freuen, wenn du mit mir kommst. Sehr sogar."
Es folgten ein paar Augenblicke des Schweigens. Biggi blickte Thomas an und obwohl sie vorhin wirklich überlegt hatte, mit ihm zu gehen, war sie nun wieder kurz davor dies zu verweigern. Es war ein Hin und Her der Gefühle und die Schauspielerin wusste einfach nicht mehr, was richtig oder falsch war. "Weiß deine Frau, wo du bist?", wollte Biggi wissen. "Also, was das betrifft..", begann Thomas zu stammeln und Biggi fiel ihm ins Wort.
"Ja oder Nein? Antworte einfach nur auf diese absurd simple Frage und hör auf so herum zu drucksen!", ging sie ihn an. "Mehr oder weniger.", antwortete Thomas ehrlich. "Sie weiß, dass ich auf Reisen bin. Allerdings weiß sie nicht genau, wohin ich gefahren bin und wie lange ich weg bleibe und unsere Ehe gilt sozusagen als beendet, wenn dich das beruhigt."
Biggi wurde hellhörig, beschloss jedoch erstmal nicht weiter nach zu fragen. Sie würde es niemals zugeben, aber Thomas' Antwort hatte sie wenigstens ein wenig beruhigt und deshalb traf sie nun eine Entscheidung bezüglich des gemeinsamen Essens.
"Wenn das so ist, komme ich mit dir und höre mir an, was du mir zu sagen hast. Allerdings ist das nur ein ganz normales Essen und ich will nicht, dass du dir auch nur das Geringste darauf einbildest. Kapiert?!" Thomas nickte daraufhin. "Gut. Und du zahlst.", stellte Biggi weiter klar. "Sehr gerne.", erwiderte Thomas. "Dann würde ich vorschlagen, wir räumen die Einkäufe weg und.."
Biggi ließ ihn erneut nicht aussprechen. "Das mache ich schon selbst. Warte einfach hier draußen, das wird nicht lange dauern."
Und daraufhin nahm Biggi die Einkäufe und trug sie ins Haus. Sunny folgte ihrem Frauchen direkt hinterher.
Während Thomas also vor der Tür wartete, räumte Biggi die Einkäufe ein und begab sich dann nochmal ins Bad. Sie fuhr sich nochmal mit der Haarbürste durch die Haare und zog auch nochmal ihren Lippenstift nach. Sie hatte irgendwie das Bedürfnis hübsch auszusehen und ihrer Meinung nach hatte sie das ganz gut hin bekommen.
Ihr Spiegelbild lächelte sie an und dieses Lächeln wollte ihr auch nicht mehr so schnell aus dem Gesicht weichen. Insgeheim freute sie sich nämlich doch ein wenig auf den gemeinsamen Nachmittag mit Thomas.
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Fürs echte Leben gibt's nun mal kein Drehbuch - 15 Jahre später
FanfictionHinweis: Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine Fortsetzung der Geschichte "Fürs echte Leben gibt's nun mal kein Drehbuch". Ich empfehle also, zunächst diese Story zu lesen, um den Geschehnissen leichter folgen zu können :) Beschreibung: Wie...