3. Arie

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Ich hatte recht! Selbst durch das Wasser prasseln unter der Dusche kann ich das Poltern auf der Treppe hören. Ich kann nicht anders, als zu schmunzeln. Fix drehe ich das Wasser ab, wuschen mir mit dem Handtuch durch die Haare und wickle es mir um die Hüfte.

„Knirps? Sag mir das du mich verarscht und nicht unter der Dusche stehst! Was an angezogen verstehst du nicht? Ich hab keine Lust, dich nackt zu umarmen!", plärrt Arie noch auf dem Weg die Stufen herauf, aber ich kann hören, dass sie dabei lächelt.

Sie reißt die Tür zum Badezimmer auf und bleibt wie angewurzelt stehen. Halbnackt stehe ich da, Handtuch um die Taille, meine Arme ausgestreckt, um sie zu umarmen und einem breiten Grinsen im Gesicht. Sie mustert mich von oben nach unten und irgendwie finde ich, sie sieht verwundert aus? Was ist los? Ist mir über Nacht ein zweiter Kopf gewachsen? Ich unterdrücke den Drang, mich umzudrehen und in den Spiegel zu schauen.

„Alter Falter! Was haben sie dir denn zu Essen gegeben? Muss ich jetzt Angst haben das du mich zermatscht, wenn du mich knuddelst?", grinst sie, bevor sie sich in meine Arme wirft. Ihr Kopf reicht gerade mal an meine Brust. Das ist er der Moment, auf den ich ein ganzes langes Jahr gewartet habe. Meinen Kopf neige ich nach unten, um meine Nase in ihre Wuschelhaare zu graben.

„Ich freu mich auch, dich zu sehen, mein kleiner frecher Troll!", murmle ich in ihre roten Locken und drückt sie fest an mich. Sie riecht noch genauso wie in meiner Erinnerung. Nach Sommer, nach Sonne, nach Vertrauen und Geborgenheit. Ich atme tief ein und schließe meine Augen.

Ihre Locken sind ein ordentliches Stück gewachsen, reichen ihr jetzt bis zur Brust. Sie hat sie nicht zusammen gebunden und ich wühle meine Hand hinein, bis sie an ihrem Hinterkopf ruht. Arie wieder im Arm zu halten, fühlt sich wie der Himmel auf Erden an und zum zweiten Mal an diesem Tag walzt ein Gefühl von unendlicher Dankbarkeit durch mich hindurch. Ich hab sie so vermisst und grinse wie ein Vollidiot. Überglücklich drücke ich sie noch ein bisschen fester an mich, bevor ich die Umarmung löse.

Ein bisschen schiebe ich sie von mir weg, um sie mir anzusehen, Arie schaut neugierig zurück und legt fragend den Kopf schief. Auf ihrer Nase und den Wangen haben sich viele Sommersprossen breitgemacht, die ihr einen noch frecheren Look verpassen und ihre grünen Augen zum Funkeln bringen. Ihre sonst viel zu blasse Haut hat einen leichten Braunton angenommen, lässt ihren kleinen, runden, roten Puppenmund, leuchten. Meinen Händen, die jetzt auf ihren Hüften liegen, bleibt nicht verborgen, dass sie sich dort jetzt weicher anfühlt. Ich lasse meinen Blick bewundernd an ihr herabwandern und bemerke, dass sie an den richtigen Stellen runder geworden ist. Sie sieht toll aus, in ihrem grünen kurzen Sommerkleid und den weißen Sneakers. Es verleiht ihr diesen Anschein von Unschuld, auf den die meisten Leute reinfallen, weil er nicht existiert, in ihrem Fall. Entweder ist aus ihr in diesem Jahr körperlich eine Frau geworden, eine verdammt hübsche, um genau zu sein, oder ich habe es vorher nie so wahrgenommen, weil sie immer um mich war.

Genau so muss eine Frau meiner Meinung nach aussehen. Nicht wie diese dürren Gespenster, die man überall sieht. Zugegeben, ich mag vielleicht kein Fan davon sein mir sexuelle Handlungen mit weiblichen Brüsten vorzustellen aber optisch können sie durchaus ein Highlight sein.

„Du siehst umwerfend aus!" Rutscht es mir raus. Ich weiß es klingt lahm, aber ich meine es ernst.

„Ja ich weiß, ich bin die Versuchung in Person, ist schon klar.", bringt sie lachend hervor und kuschelt sich zurück an seine Brust. „Eigentlich habe ich keine Lust, dich loszulassen, aber ich sterbe vor Hunger. Du solltest dir was anziehen und dann düsen wir los und ich lade dich zum Essen ein.", ihre grünen Augen schauen zu mir rauf.

Mein Magen knurrt zur Bestätigung und lachend schiebe ich sie mit mir aus dem Bad. Ich bleibe, an einem der Wandschränke stehen, während sie weiter geht. Wühle darin nach meinen Klamotten und ohne jegliche Scham lasse ich mein Handtuch fallen, um mir eine Short und eine Jeans anzuziehen.

Leseprobe Saiten-Umbruch ab 19.09.24 im Handel Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt