Wasser

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Den gesamten Juni über verbrachte ich viel Zeit mit Harry, Hermine und Ron. Während Harrys Nerven aufs Äußerste strapaziert waren, weil die dritte Aufgabe immer näher rückte, war auch für mich die Zeit nicht besonders angenehm. Immer stärker spürte ich die Auswirkungen des Trankes, hatte mich aber trotzdem so stark an ihn gewöhnt, dass ich ihn nicht mehr absetzen konnte.

Von Tag zu Tag wurde ich dünner - selbst Ron und Harry fiel das immer mehr auf - ich litt unter Schlafproblemen und musste manchmal mit Übelkeit kämpfen. Aber die zwei Stunden nachdem ich den Trank getrunken hatte, waren frei von schlechten Gedanken, gefüllt mit Mut und Gelassenheit, weswegen ich alle Nebenwirkungen in Kauf nahm. Im Moment ging es mir schließlich noch ziemlich gut.

Tatsächlich entschied sich Draco dazu, mich nun manchmal auch in der Öffentlichkeit anzusprechen. Schnell musste ich aber feststellen, dass Draco dabei scheinbar nicht unsere Freundschaft, sondern die Feindschaft mit Harry im Sinn hatte. Dieser wurde nämlich von Mal zu Mal wütender und ging Draco meist an, wenn dieser mich ansprach.

Zu Anfangs war ich in der Versuchung, Draco einfach die Freundschaft zu kündigen, aber als Hermine mir eines Abends anvertraute, dass Harry eifersüchtig auf Draco war, entschied ich mich dafür, die jetzige Situation einfach einmal so zu belassen. Vielleicht machte ich mich so ja wirklich interessanter für Harry.

Eines Nachts - ich konnte wieder einmal nicht schlafen und wälzte mich schlaflos im Bett - stieß ich aus Zufall auf den Brief meiner Mutter. Ich hatte ihn bis dahin noch nicht gewagt, zu öffnen und in der Zwischenzeit schon fast vergessen gehabt.

Spontan entschied ich mich dazu, den Brief nun endlich zu öffnen. Ich nahm zur Vorbereitung einen Schluck meines Lebenselixiers und setzte mich im Gemeinschaftsraum vor den lodernden Kamin. Auch Kälte war manchmal eine Nebenwirkung des Trankes, weswegen ich nun sehr froh über das Feuer und die Decke, in welche ich mich wickelte, war.

Bevor ich es mir anders überlegte, öffnete ich den Briefumschlag und zog das Pergament heraus. Meine Finger zitterten, als ich das Blatt auseinander faltete.

"Meine kleine Alecto" begann meine Mutter. Ich musste hart schlucken. "Ich schreibe dir diesen Brief in einer sehr heiklen Situation. Du liegst schlafend neben mir und mein Hauself packt gerade meine wichtigsten Sachen zusammen. In wenigen Sekunden werde ich von hier aufbrechen und ein neues Leben beginnen müssen.

Bitte verzeihe mir, dass ich dich zurücklassen werde. Dein Vater ist heute entmachtet worden und ich spüre, dass etwas Schreckliches passieren wird. Vermutlich weiß bald die ganze Zaubergemeinschaft von den heutigen Vorfällen, und bald werden sie auch dieses Haus finden und alles uns Geliebte zerstören. Doch dich mein liebes Kind, werden sie mitnehmen und von einer guten Familie aufziehen lassen.

Ich möchte nicht, dass du ein Leben in Flucht führen musst. Außerdem wäre dies auch gar nicht möglich, da du die Spur auf dir hast. Nein, die einzige Möglichkeit die ich habe ist, dich zurück zu lassen. 

Du musst wissen, dass ich immer an dich denken werde. Ich bin so stolz auf dich und bin mir sicher, dass du eine mächtige Hexe wirst. Du wirst eines Tages das Erbe deines Vaters antreten und wieder Ordnung in die Zaubergemeinschaft bringen."

Einige Sekunden starrte ich reglos auf den Text. Dann faltete ich ihn sorgfältig zusammen und steckte ihn samt des Umschlags in meine Tasche. Mit einer inneren Ruhe legte ich mich zurück in mein Bett.

Am nächsten Morgen dachte ich das erste Mal über den Inhalt des Briefes nach. Doch auch nachdem ich ihn ein zweites Mal, ohne den Trank zuvor getrunken zu haben, las, regte sich kein Gefühl bei mir. Dieser Brieftext war so unpersönlich, so emotionslos geschrieben, dass es mir schwer fiel, überhaupt zu glauben, dass meine eigene Mutter ihn geschrieben hatte.

Die Tochter des dunklen Lords (Harry Potter Fanfiction)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt