Sechsundvierzig♡

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Ich rupfte drei Blütenblätter ab und führte sie langsam zu Miras Mund, ich wollte sie zwischen ihren Lippen hindurchschieben, doch sie presste ihre Lippen aufeinander.
Ich versuchte ihren Mund aufzuschieben, doch es klappte nicht. Sie drückte ihn nur noch fester zu.
Kathleen kam mir zur Hilfe.
Sie schaffte es Miras Mund gerade so weit zu öffnen, dass die drei Blätter auf einmal hindurchpassten. Ich klappte ihren Mund wieder zu und sah sie an. Sie musste sie irgendwie runter schlucken. Ich öffnete ihren Mund erneut und kippte etwas von dem Wasser auf ihrem Nachtisch hinzu. Ich setzte sie auf und legte ihren Kopf in den Nacken, jetzt musste ich nur noch warten, bis sie endlich schluckte.
In ihrem halb geöffneten Mund schwamm eine Mischung aus Blauen Blütenblättern und Wasser.
Dann schlucke sie endlich und ihr Mund war leer. Toll, und jetzt? Ich sah in Kathleens Augen, sie spiegelten Schmerz und Trauer wieder. Warum?
"Und jetzt?", fragte ich leise. "Ich glaube, wir müssen einfach warten. Wollen wir gehen oder hier bleiben?" Jetzt sah man nichts mehr in ihren Augen, sie waren leer.
"Hier warten", beschloss ich.
Kathleen nickte, dann kam die Schwester wieder und sah erst zu Mira, dann zu mir und dann zu Kathleen. Kathleen nickte ihr freundlich zu. Die verheimlichen mir dich irgendwas. Misstrauisch sah ich zwischen ihnen hin und her.
"Die Besuchszeit ist um", sagte sie unwirsch zu mir und funkelt mich an. Was hatte sie denn nur gegen mich?
"Wir bleiben noch ein bisschen hier, sagen sie uns Bescheid, falls was passiert?", fragte Kathleen. "Ja, mach ich", antwortete die Schwester trocken. Kathleen nimmt meine zu Eis erstarrte Hand und nimmt mich mit.
In der Eingangshalle setzten wir uns auf zwei Sofa. Kathleen holt uns einen Kaffee und kaum habe ich ihn ausgetrunken und mich gemütlich hingesetzt falle ich auch schon in einen unruhigen Schlaf.

"Evelyn!", ruft mir jemand ins Ohr. Ich schrecke verschlafen auf. "Was?", frage ich verwirrt. "Alles gut", lacht jemand. Meine Augen sind von Tränen verschleiert, ich kann es nicht fassen; Mira sitzt im Rollstuhl vor mir. Sie grinst mich mit frisch rosigen Wangen an. Ich kann nicht mehr. Ich breche in Tränen aus. Sie lebt! Freudig halte ich mir die Hände vor den Mund und lasse meine Tränen einfach laufen. Da sitzt sie. Direkt vor mir. Freudig berühre ich ihre kleine Hand. Sie ist echt, es ist kein Traum. Mira lebt und ist so gesund wie vorher nie. Ich heule hier schon Bäche vor Freude. Mira lacht und nimmt mich in den Arm. Immer noch total ungläubig lege ich meinen Kopf auf ihre dünne Schulter und ich muss nur noch mehr weinen. Mein Kopf dreht sich und mein Herz spring auf und ab.
"Ich hoffe mal, dass du dich auch so freust mich zu sehen", lacht Ryan und kommt zur Tür herein.
Wow. Jetzt ist alles perfekt. Meine kleine Schwester lebt und mein Freund ist hier. Kathleen ist eine so tolle, nett Mutter (naja, für mich eher so eine Freundin aber trotzdem...)
Ich kann meine Freude kaum fassen. Ich hatte in einem Moment alles verloren und in jetzt hatte ich alles wieder. Mein Leben war perfekt.
Ich sah von Mira auf, meine Augen waren gefüllt mit Tränen, als ich aufsprang und Ryan um den Hals falle. "Ryan!", rufe ich freudig und gebe ihm einen flüchtigen Kuss auf den Mund.
Wir stehen uns einfach nur gegenüber und sehen uns überglücklich in die Augen.
Er grinst und dreht mich dann so, dass ich auf die Tür gucke.
Meine Freude ist auf einmal wie verpufft, da stehen Mom und Dad. In der Tür.
Sie sehen mich böse an und gehen an mir vorbei. Mom krallt sich an Dads Hand. Ich lasse Ryan los und drehe mich zu Mom und Dad um, die auf einmal wie zu Salzsäure erstarrt sind. Sie sehen die grinsende Mira an. Mom schluchzt laut auf, bevor sie zu ihrer Tochter lief.
"Das ist alles bloß Evelyns Schuld", sagt Mira und grinst mich über Moms Schulter an.
Dad drehte sich langsam zu mir um. "Da hast...sie geheilt?", fragte er vorsichtig. Ich nickte unsicher zurück. "Ja, ich denke schon." Kathleen kommt zu meiner Erleichterung zu mir, legt einen Arm um meine Schulter und grinst fröhlich. "Ja, sie hat sich ganz schön in Gefahr begeben. Sie hätte taub werden können, oder nie wieder aus ihrer eigenen Welt befreit werden können...", Kathleen stockt als sie merkt, dass alle still sind.
"Achso", sagte sie schließlich. "Sie kennen mich noch gar nicht! Ich bin Evelyns Mutter." Sie gab Dad, der total steif da stand, die Hand und reichte sie dannach Mom. Ich musste schmunzeln, so hatte ich meine Eltern noch nie gesehen. "Ach Evelyn!", rief Mom plötzlich und tat dann etwas, was ich nie erwartet hatte. "Ich habe dich so vermisst!" Sie fing an zu weinen und nahm mich in den Arm. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Dad lächelte nur. "Danke", rief sie und lachte mich an. "Mira hätte es so oder so nicht überlebt, wahrscheinlich hätte sie...", Mom sieht erstaunt zu Mira. "Du kannst sprechen!", ruft sie und lacht total komisch. Mira nickt. "Evelyn ist schuld", sagte sie erneut.
Ich sah aus den großen Glasfenstern, die Sonne ging bereits auf. Wie spät war es wohl?
"Du weißt gar nicht, was los war, als du nicht a warst!", sagt Dad auf einmal und hebt mich hoch. "Dad lass mich los! Ich bin doch nicht mehr drei!", rufe ich gespielt verärgert. Dad lächelt und lässt mich wieder runter. "Deine Oma hat uns die ganze Zeit Vorwürfe gemacht, weil wir...so gemein zu dir waren. Deine Mom ist total durchgedreht, wegen Mira und auch weil du nicht da warst."
"Und dein Dad hat nichts mehr gegessen, wenn er überhaupt mal da war, meistens hat er gearbeitet." Ich nickte nur überglücklich darüber Mom und Dad wieder zu haben. "Willst du nicht wieder zu uns ziehen?", fragte Mira hoffnungsvoll.
Ich sehe kurz zu Ryan, der mit den Schultern zuckt. Ich lächelte kurz und wandte mich wieder an Mom und Dad. "Ich kann nicht, tut mir Leid Mira. Ich wohne bei Ryan aber ich besuche euch oft, versprochen." Mira nickte ein wenig niedergeschlagen. "Okay."

Eine halbe Stunde später hatten wir Mira nach Hause gebracht. Ich fuhr mit Ryan und Kathleen hinterher. Auf einmal war ich ganz wach, obwohl ich so wenig geschlafen hatte.
Zu Hause aßen wir alle etwas. Oma und ihre Freundin entschieden sich wieder ab zu fahren. Das essen verlief soweit ganz gut außer, dass es ein wenig zu still war.
Kathleen wollte nicht mit essen und fuhr in den Wald zurück.
Ich hatte ihr versprochen, dass wir oft etwas miteinander machten und die letzten sechzehn Jahre nachholten.

"Müsst ihr schon gehen?", fragte Mira unglücklich. "Ja, leider schon." Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und verabschiedete mich von Mom und Dad.
Als wir im Auto saßen sah standen Mom, Dad und Mira noch in der Tür. Sie sahen aus wie eine richtige Familie. Mira saß zwar noch im Rollstuhl, dort musste sie auch noch ein paar Wochen bleiben, damit man ganz sicher sein konnte, dass auch wieder besser war.
Ryan fuhr los. Plötzlich klingelte mein Handy. Ich zog es aus meiner Hosentasche. 'Kathleen'. Ich nahm ab und hielt es mir ans Ohr.
"Ja?", fragte ich.
"Evelyn?"
"Ja. Was ist los?"
Sie hörte sich gestresst und schrecklich beunruhigt an.
"Dein...echter Dad! Komm her! Beeil dich! Ich bin am Rand von Wald, bei dem kleinen Bach."
"Bin gleich da!", rief ich nervös.
Dann legte sie auf.
"Ryan, ich muss hier raus." "Ich dachte-", fing er an. "Später, lass mich raus." Er nickte und fuhr an den Straßenrand. Ich machte die Tür auf, stand auf und rannte so schnell ich konnte in den Wald. Ich lief durch das nasse Laub, kahle Stöcke kratzten an meinem Bein entlang. Schnell rannte ich quer durch den Wald. Und dann sah ich sie. Kathleen dir nervös nach unten sah und sich immer wieder umsah. "Kathleen!", rief ich schon von weit weg. "Evelyn!", rief sie zurück und sah erleichtert aus.
Ich kam neben ihr zum stehen. "Ich weiß nicht wer das war." Mein richtiger Dad, lag als Wolf in einer drei Meter tiefen Grube. Er bewegte sich nicht. Sein Atem ging nur flach und unregelmäßig. An seiner Seite prangte eine riesengroße Wunde. Ich setzte mich auf meine Knie. "Ich kletterte runter, hebe ihn hoch und du nimmst ihn an?", fragte ich Kathleen und sah immer noch auf den verletzten Wolf. "Das Loch ist drei Meter tief!" "Das geht schon!" Bevor sie noch etwas erwidern konnte ließ ich mich an der Wand herunter. Sie hielt sich die Hand vor die Augen, als wollte sie nicht hinsehen. Ich kniete mich neben den Wolf, er röchelte. Ich bekam eine Gänsehaut, der Wolf zwinkerte einmal und ließ seine Augen Ann erschöpft geschlossen.
Meine Hände zitterten, als ich seinen Körper umfasste. Er machte anstallt zu heulen, wahrscheinlich tat es ihn weh, aber er war zu schwach.
Vorsichtig stieg ich mit den Wolf auf den Armen auf einen Stein. Dad war erstaunlich leicht.
Ich streckte mich und hatte Mühe das Gleichgewicht zu halten.
Etwas stürzte auf uns herab, riss um ein Haar Dad mit. Als ich erkannte was es war steiß ich einen schrillen Schrei aus. Ich wagte es nicht mich zu bewegen. Jemand nahm mir Dad von oben ab. Mein Herz klopfte unaufhörlich. Ich war gefangen. Ich saß in der Falle.

Na, was glaubt ihr ist das? :)
Schreibt eure Vermutungen doch in die Komis ♡ Das ist wahrscheinlich das vorletzte Kapitel, eins kommt noch und dann die Dankesaussagung und so ;)

Hel, euer Gummibärchen ♡ ♥ ♡

Und alles ist andersWo Geschichten leben. Entdecke jetzt