Du wurdest Entführt

42 4 0
                                    

Jared

Mit flauem Bauchgefühl verließ ich das Zimmer und machte die Tür hinter mir zu. Ich lief die paar Meter den Flur herunter und betrat dann den offenen Wohn -und Essbereich. Der Duft von Shakshuka stieg mir sofort in die Nase. Sharon bereite bereits das Essen zu. 
Der eine Arm war in die Hüfte gestemmt und in der anderen hielt sie den Kochlöffel, mit welchen sie buchstäblich nur in dem Essen in der Pfanne herumstocherte, als es wirklich zu wenden. Mit einem kurzen Räuspern machte ich auf mich Aufmerksam, da ich mir sicher war, dass sie meine Anwesenheit noch nicht bemerkt hatte.
Sie zuckte zusammen und ließ beinahe den Kochlöffel fallen. Dann strich sie sich durch die Haare.
„Oh tut mir leid, ich wollte Sie nicht erschrecken." Entschuldigte ich mich.
„Schon in Ordnung. Ich war gerade nicht ganz da. Was ist da vorhin passiert? Ihr habt euch ziemlich in den Haaren gehabt."
Ich bin mir unsicher was ich ihr alles erzählen soll. Ich möchte ihr nicht die Sache von Colson erzählen. Das würde mir falsch vorkommen, wenn sie das von dem Freund ihrer Tochter erfährt und nicht von ihr persönlich und ich weiß ja, dass sie die Sache noch erzählen möchte.
„Es ist nur ein kleiner Konflikt mit ihrem Ex-Id-..., Ex-Freund." Beinahe hätte ich ihren Ex vor ihrer Mutter als Idioten bezeichnet. Ich meine, dass ist er auch, aber den Begriff "Idioten" muss ich vor ihrer Mutter ja nicht im den Mund nehmen.
„Oh... Colson...", Entgegnete sie Genervt und Verleierte die Augen, ehe sie fortsetzte: „Der Typ ist ein Idiot. Wie er Cassy behandelt hat... Ich hatte bei dem seit der ersten Begegnung kein Gutes Gefühl, ich wusste das es schief gehen wird und das er nicht der Richtige für sie ist. Ich warnte sie, sich auf ihn einzulassen. Aber du kennst ja Cassy. Ihr kann man sagen was man möchte, ob man schlussendlich Recht hat oder nicht, sie macht das was sie will." Jepp damit hat sie total Recht, da kann ich ihr nicht Widersprechen. Sie ist und bleibt ein riesiger Sturkopf.
„Aber bei dir Jared", erzählte sie weiter,  ,,Hatte ich sofort ein Gutes Gefühl. Da wusste ich gleich, dass du nicht so bist wie Colson."
Da hat sie recht und es gibt ja wohl auch genug Beispiele die das Beweisen, immerhin nehme ich keine Drogen und beauftrage Leute die sie beobachten. Oder mal ganz davon abgesehen, betrüge ich sie auch nicht. Sowas machen nur Leute die nicht ganz klar im Kopf sind und diesen Menschen nicht schätzen... eben wie er.
„Ja, also von den Sachen die ich gehört habe, bin ich das ganze Gegenteil von ihm." merkte ich an.
„Aufjedenfall. Mir fällt gerade auf, dass ich zuwenige Eier da habe. Ich werde schnell los machen und welche holen gehen. Könntest du so lieb sein und auf das Essen aufpassen? Ich brauche nur wenige Minuten."
„Ja natürlich, Sharon. Das ist kein Problem." Sie überreichte mir den Kochlöffel und wir tauschten die Plätze. Mit schnellen Schritten lief sie zur Eingangstür, schnappte sich ihren Mantel von dem Kleiderhaken und warf ihn sich schnell über die Schulter. Sie schlüpfte in ihre Stiefel und krallte sich die Handtasche.
„Dann bis gleich." Verabschiedete sie sich, ehe sie die Tür öffnete, hinter sich wieder schloss und davonverschwand.

°°°

Es waren ungefähr 15 Minuten vergangen. Das Essen brutzelte in der Pfanne und ich habe es tatsächlich geschafft, dass nichts anbrennt. Ich könnte mir doch glatt selbst auf die Schulter klopfen und mich selbst loben.
Ich drehte den Herd zwei Stufen niedriger, sodass nur noch alles warm bleibt und nichts mehr anbrennen könnte.
Ich vernahm Stimmen aus dem Hausflur, direkt vor der Eingangstür und konnte eindeutig heraushören, dass die Weibliche Stimme die von Sharon ist. Die Männliche Stimme ist mir glaube unbekannt oder ich kann mich nicht entsinnen, zu wessen Person sie gehört.
„Ach du meine Güte!" Hörte ich Sharon deutlich sagen, gefolgt von einem Klatschendem Schlag von etwas auf den Boden. 
Sie klang ziemlich erschrocken. Wer weiß um welches Thema es sich handelt.
„Bist du dir sicher das er es war? Und...Und...Und wann war das?" fragte sie ganz aufgeregt den Mann.
„Ja. Ja, ich bin mir sicher. Es handelte sich zu 100% um ihn, ja. Ja, dass war vor ungefähr 20 - 25 Minuten."
Meiner Meinung nach, viel zu viele "Ja's" in einer Antwort.
Vielleicht sollte ich mal schauen gehen, ob alles in Ordnung ist. Es klingt sehr ernst und ich bin sehr neugierig.
Ich legte den Kochlöffel beiseite, drehte den Herd sicherheitshalber noch eine Stufe niedriger und ging dann zur Eingangstür.
In der Hoffnung mich jetzt nicht in ein Gespräch einzumischen, welches mich nichts angeht, öffnete ich die Tür.
Sharon stand da, hatte den Mund einen Spalt geöffnet und hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund. Irgendetwas scheint passiert zu sein, den Eiern zumindest ist etwas passiert, die Packung lag am Boden und hatte sich anscheinend bei dem Aufprall geöffnet. Jedes einzelne Ei war zerbrochen. Die Packung war durchnässt durch die zerplatzen Eier und ringsherum Verteilten und Vermischten sich das Eiweiß und das Eigelb mit der Schale. Da muss definitiv jemand wischen. Und nocheinmal los, eine neue Packung holen.
„Was ist denn passiert?" fragte ich neugierig, obwohl es mich eventuell nichts angänge.
„Willst du es nochmal für Jared erzählen, was du gesehen hast?" fragte Sharon den Mann, den ich jetzt doch noch eindeutig erkenne konnte. Peter von Gegenüber.
Er Schwängte seinen Kopf hin und her, als wäre er sich unsicher ob er diese Frage bejahen oder verneinen soll. Er krampelte den Ärmel seines Hemdes einige Zentimeter nach oben und legte somit seine Armbanduhr frei. Er blickte darauf und machte erneut die selbe Geste mit dem Kopf und sagte dann, als stände er unter Zeitdruck: „Ja, Okay. Ja, aber dann muss ich los. Ich habe noch einen Termin. Den darf ich nicht verpassen."
„Okay Peter, in Ordnung. Lasst uns kurz in die Wohnung gehen. So etwas muss nicht jeder mithören." sagte Sharon, bevor sie die rangezogene Tür hinter mir ganz öffnete und eine bittende Geste mit ihrer Hand machte, die bedeutete, wir sollen eintreten. Dann schloss sie die Tür und Peter fing an mit erzählen.
„Ja, also, ich kam von der Uni, war gerade auf dem Weg nachhause, lief dann über den Parkplatz und habe dort Cassy gesehen. Sie war dort mit einem Mann, den ich ganz klar als ihren Ex-Freund Colson identifizierte und der sie ziemlich gegen das Auto drücken tat. Am Ende hat er sie an der Schulter in das Auto gedrückt und sie sind losgefahren. Vielleicht standen sie unter Zeitdruck, wie ich gerade."
Das klingt mir ziemlich danach, als hätte er sie gezwungen mit ihm in ein Auto zu steigen. Er hat sie entführt! Wenn ich diesen Mistkerl in die Finger kriege!
„Hast du sonst noch etwas gesehen Peter? Oder hast du vielleicht etwas aufgeschnappt über was die sich unterhalten haben könnten?" fragte ich ihn.
„Nein, das habe ich nicht. Ich konnte nur sehen, das der Arm von Colson gegen Cassy's Hals drückte. Ich weiß nicht was da vor sich ging. Ich war zu weit entfernt um ein Gespräch mitbekommen zu können. Außerdem schaute sie zu mir rüber und formte mit ihren Lippen irgendein Wort. Ich weiß nicht welches, ich kann ja schließlich keine Lippen lesen."
Ich bin mir sicher, dass das nicht freiwillig abgelaufen ist. Ihr Ex-Idiot hat sie gezwungen mit ihr in ein Auto zu steigen. Ich schwöre dem Typen, wenn er ihr auch nur ein Haar krümmt, dann wird meine Faust das letzte sein, was er zu Gesicht bekommt!
Ich wünschte Peter wäre hingegangen und dazwischen gegangen, dann hätte das vielleicht verhindert werden können. Aber dafür kann ich ihm nicht die Schuld geben, ich denke aufgrund seines Autismus nimmt er Situationen anderser war als wir. Der Einzige, der daran schuld ist, bin ich. Hätte ich sie nicht so wütend davontrampeln lassen, wäre das alles nicht passiert.
„Jared, du sagst mir jetzt sofort was Colson hier will!" Schrie mich aufgebracht vor Sorge Sharon an.
Ich muss ihr jetzt von den Dingen erzählen, die passiert sind.
„Alles fing damit an, dass vor gewisser Zeit, Colson auf dem Parkplatz vor ihrem Hotel aufgetaucht ist. Dort hatte er sie schon bedrängt, unerlaubt geküsst und war morgens schon alkoholisiert. Es folgten sogar Briefe von ihm. Er erzählte ihr immer was, wie leid ihm alles täte und das er sie braucht zum Leben, er einen Fehler gemacht hat und sie zusammen gehören. Das Highlight war ja, dass er einen Mann beauftragt hatte, Cassy zu beschatten. Der Typ folgte ihr sogar bis hier her. Aber den habe ich mir vorgeknöpft, er macht keine Probleme mehr. Und soweit ich weiß, nimmt Colson Drogen... oder wieder Drogen. Cassy meinte, er hatte in der Vergangenheit schonmal ein Problem damit.”
„Das kann doch alles garnicht wahr sein. Wenn der Typ meiner Tochter etwas antut... Der ist doch nicht bei klarem Verstand! Wir müssen etwas unternehmen und am besten die Polizei benachrichtigen! Er hat sie doch entführt! Meine Geliebte Tochter!"
„Ich mache mir genauso viele Sorgen, wie Sie Sharon. Aber Sie haben Recht, wir müssen die Polizei benachrichtigen, vielleicht geben die eine Fahndung raus oder sowas. Wichtig ist, dass wir einen Klaren Kopf bewahren. Wenn wir jetzt durchdrehen ist keinem Geholfen. Wir müssen uns jetzt etwas überlegen, wie wir sie finden. Danke Peter."
Peter nickte mir zu und verließ dann die Wohnung.
Ich könnte gerade in der Tat durchdrehen. Durch mich strömen alle Möglichen Gefühle, die mich schwer einen Klaren Gedanken fassen lassen. Noch nie habe ich so gefühlt, wie ich gerade fühle. Ich bin gefüllt von Angst, Wut, Sorge... alles prasselte nur so auf mich ein. Aber ich muss das alles so gut wie es geht, beiseite schieben. Wir müssen Cassy finden, bevor der Typ ihr noch etwas antut.
Sharon brach in Tränen aus und ich ging näher um sie in die Arme zu nehmen. Das ist für keinen einfach.
Die Tür öffnete sich und Thomas, Cassy's Vater trat herein. Das erste was er sah war, wie ich Sharon umarmte und wie sie weinte.
Er wusste gleich, dass etwas passiert sein muss. Er ließ seine Aktentasche fallen und nahm eine Geschockte Miene an.
„Was ist passiert?" fragte er mit einem Tonfall, den ich bei ihm noch nicht gehört hatte.
Sharon ließ von mir ab und sagte zu ihrem Mann: „Liebling, du solltest dich setzen. Colson ist passiert."

Bad boy in love: Jared Padalecki Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt