Kapitel 9

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29. Juni 1777

Ich schlief tief und fest, als ein klopfen versuchte mich aus meinem Schlaf zu reißen. Jemand rüttelte an meiner Schulter und ich öffnete langsam meine Augen. Es dauerte eine Weile bis ich die Müdigkeit weggeblinzelzt hatte und sich das Bild vor meinen Augen scharf stellte, doch als ich wieder genügend sehen konnte stellte ich etwas fest. Alles stand auf dem Kopf.

Ein paar Stiefel standen direkt vor meinem Gesicht, ich ließ meinen Blick langsam immer weiter nach oben wandern. Ein mir bekanntes Gesicht grinste mich an und es dauerte eine Weile bis ich schalten konnte.

,,Ganz wie ich es befürchtet hatte. Kein Ale mehr für euch Avery."

Ich befand mich noch immer in meinem Bett, mein Oberkörper war jedoch über die Bettkante hinüber gekippt und mein Kopf hing einige Zentimeter über dem Boden. Master Kenway reichte mir seine Hand und zog mich wieder in die Senkrechte. Sofort machte sich das Ale vom vorigen Abend in Form von Kopfschmerzen bemerkbar und ich hielt mir die Zeigefinger an die Schläfen gepresst.

,, Tut mir leid", sprach ich mit heiserer Stimme und rieb mir die Augen.

,, Nicht doch, ihr habt auch das Recht euch zu amüsieren. In Zukunft solltet ihr es jedoch vermeiden bis in die Mittagsstunden zu schlafen."

Ich nickte mit zusammengekniffenen Augen.

,, Ich wollte euch nur darüber in Kenntnis setzten, dass heute Abend ein Treffen mit einem Geldgeber stattfindet. Er hat einen öffentlichen Ort für die Übergabe gewählt und da ihr uns begleiten werdet, war ich so frei, euch etwas Passendes zu besorgen."

Jetzt viel mir auch auf, dass er in seinen Händen ein Paket hielt. Er stellte es auf dem kleinen Nachttisch ab und verließ den Raum. Etwas Passendes?

Ich stand auf und schaute mir das Paket genauer an. Es war schwer und mit einem Braunen Papier eingewickelt. Es fühlte sich an, als wenn sich unter dem Papier eine Art Holzkiste befand und das Papier wurde von außen von einem weißen Band mit einer Schleife an seinem Platz gehalten.

Ich öffnete die Schleife und wickelte vorsichtig das Papier ab, welches eine große, wunderschöne und verzierte Schatulle zum Vorschein brachte. Sie war vorne leicht zu öffnen und mir stockte der Atem als der Inhalt zum Vorschein kam. Ein Kleid.

Vorsichtig nahm ich es an den Schultern heraus und staunte. Es war wunderschön und schwarz doch wenn man es in das sanfte Mittagslicht hielt, schien es Smaragdgrün zu schimmern. An den Ärmeln waren weiße Spitze und zarte Rüschen angebracht worden. Am Dekoltee war ein bräunlicher Stoff eingearbeitet und an den Hüften war ebenfalls weiße Spitze zu finden. Es sah verdammt teuer aus. Der Rücken des Kleides wurde durch eine Korsage mit rotem Band zusammengehalten. Auch ein paar hohe Tanzschuhe waren beigelegt.

Ich zog mir rasch meine gewöhnliche Kleidung an und verließ mein Zimmer. Ich musste mich bei Master Kenway bedanken. Noch nie in meinem Leben hatte ich ein schöneres Kleid als dieses besessen und ich war überglücklich.

Wenn man aus einfachen Verhältnissen kam, so wie die in denen ich aufgewachsen war, lernte man sich mit einfachsten Dingen zufriedenzustellen. Ich mochte es nicht Geschenke zu bekommen, erst recht nicht wenn sie teuer waren und das wusste Master Kenway auch.

Ich erreichte die untere Etage und hielt Ausschau. Lee und Master Kenway standen an der Bar und unterhielten sich, während ich zielstrebig auf ihn zuging. Er schien ein wenig irritiert und überfordert als ich ihm um den Hals viel, doch das war mir egal.

,, Ihr wisst doch das ich Geschenke hasse", flüsterte ich dann. Noch immer etwas irritiert räusperte er sich.

,, Dann gefällt es euch nicht?", hakte er vorsichtig nach.

Assassin's Creed III (fanfiction)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt