Kapitel 16

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Von da an verlief der Abend wieder ein wenig lockerer. Biggi und Thomas aßen auf und bestellten sich dann noch einen Drink. Er musste noch fahren, deshalb war seiner alkoholfrei. Jedoch wunderte es Thomas doch sehr, dass auch Biggi einen Cocktail ohne Alkohol wählte.

Allerdings fiel ihm dann ein, dass sie schon früher darauf verzichtet hatte. Bis auf einmal und als er daran zurück dachte, was an diesem gewissen Abend passiert war, schlug sein Herz augenblicklich schneller. "Wie ich sehe, bist du deinen Prinzipien treu geblieben.", stellte Thomas fest. "Inwiefern?", fragte Biggi. "Du trinkst nach wie vor keinen Alkohol. Oder ist das heute nur ausnahmsweise?" Die Schauspielerin schüttelte den Kopf. "Nein, ich trinke nicht. Hab ich nie, werd ich nie.", stellte sie klar. "Naja, nie ist da jetzt nicht ganz richtig.", antwortete Thomas und bereute diese Aussage sofort. Jedoch beschloss Biggi, ihm die nicht übel zu nehmen. Es würde zu nichts führen.

"Das damals war ein einmaliger Ausrutscher.", meinte sie. "Mir ging es nicht gut und ich wollte eben mal ausprobieren, ob sich besaufen tatsächlich den Schmerz lindert. Es hat nicht funktioniert und ich verstehe auch nicht, was viele an Alkohol so toll finden. Ich brauch's jedenfalls nicht und seit dem einen Mal damals habe ich auch wirklich keinen Tropfen mehr getrunken. Das scheiß Zeug macht einen willenlos und richtet so viel schlechtes im Körper an, da verzichte ich gerne drauf."

Thomas nickte. "Klingt vernünftig.", meinte er und verstand die Botschaft, die sie gekonnt in andere Worte übersetzt hatte, ganz deutlich. Denn auch sie musste sich gerade an den Abend erinnert haben, der damals eine ganz entscheidende Wendung für sie beide bedeutet hatte. Und gleichzeitig hatte Biggi ihm auch zu verstehen gegeben, dass diesmal so etwas nicht passieren würde. Zumindest nicht in Verbindung mit Alkohol, obwohl er das damals ja auch nicht ausgenutzt hatte. Jedenfalls nicht bewusst.

Es verging noch einige Zeit und irgendwann beschlossen die Beiden, dass langsam mal der Moment des Aufbruchs gekommen war. Thomas zahlte wie abgemacht das Essen und die Getränke und schließlich verließen sie ihren Platz und liefen durch das inzwischen leerer gewordene Lokal.

Der Kellner, der sie vorhin an den Platz begleitet hatte, lächelte ihnen zum Abschied zu. "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, Herr und Frau Wächter.", sagte er und grinste vielsagend. "Danke, ebenfalls.", antwortete Thomas und legte demonstrativ einen Arm um Biggi, die sich das gefallen ließ. "Warum hat der so doof gegrinst?", erkundigte sich die Schauspielerin, nachdem sie hinaus gegangen waren. "Vielleicht weil ich ihm erzählt habe, dass ich vor habe, dir heute einen zweiten Heiratsantrag zu machen, damit wir hier in Italien unser Eheversprechen erneuern können.", antwortete Thomas kleinlaut und Biggi blieb augenblicklich stehen.

"Das.. Das ist doch jetzt nicht dein Ernst, oder?", fragte sie. "Doch.", erwiderte Thomas und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. "Die waren ausgebucht, was hätte ich denn tun sollen? Der hätte uns ohne triftigen Grund keinen Tisch mehr gegeben. Ich hab behauptet, dass wir uns damals im Urlaub hier kennengelernt und in dem Restaurant unser erstes Date gehabt hätten. Das fand der so süß, dass er sofort jemanden von der Gästeliste gekickt hat und den Tisch auf 'Wächter' reserviert hat.", erklärte Thomas und rechnete schon mit einer Standpauke von Biggi, die jedoch in Gelächter ausbrach.

"Also darauf muss erstmal einer kommen!", meinte sie lachend. "Und ich finde doch, sie waren sehr überzeugend, Herr Wächter!", fügte die Schauspielerin anerkennend hinzu. "Danke ebenfalls, Frau Wächter!", entgegnete Thomas erleichtert. Sie liefen schließlich zum Motorrad und setzten ihre Helme auf, ehe sie nur wenige Augenblicke später vom Parkplatz fuhren.

Thomas fuhr Biggi wieder sicher zurück zu ihrem Ferienhaus. Er stellte das Motorrad ab und Biggi kletterte zuerst hinunter, danach tat Thomas es ihr gleich. Es war inzwischen dunkel geworden, sie waren also doch länger weg gewesen als Biggi eigentlich eingeplant hatte. Sie bereute jedoch nicht, dass sie mitgekommen war.

Fürs echte Leben gibt's nun mal kein Drehbuch - 15 Jahre später Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt