Isabelle saß im Schneidersitz auf der Couch. Vor ihr einige zerknüllte Taschentücher, während Katja ihr irgendwas alkoholisches in ein Glas schüttete.
»Wie konnte er mir das nur antun?« , schniefte sie.
Katja setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. Ihr fielen keine Worte ein, die sie hätte sagen können.
Nia hatte sie selbst mit Robin gemeinsam ins Zimmer geschickt, nachdem diese immer aufs Neue zu ihrer Mutter sagte, das alles wieder gut werden würde. Das ihr Vater diese andere nicht lieben würde und das er bald wiederkäme.
So etwas sollte ihre Freundin nicht hören. Dag war nicht freiwillig gegangen. Es war Isabelles Entscheidung und auch wenn es Nia nicht gefallen würde, aber manche Dinge konnte man nicht verzeihen.
»Er war mit ihr in unserem Urlaub. Dieses beschissene Foto, wo er breitbeinig im Bademantel sitzt, das hat sie gemacht. Ich will mir gar nicht ausmalen, was er davor oder danach mit ihr ...«
»Tu's nicht.« Sie wusste, dass dies leichter gesagt war als getan.
»Ich weiß nicht mal, wie sie aussieht. Ist sie blond, brünett, rothaarig ... keine Ahnung?! Und doch projiziert mein Kopf andauernd irgendeine Frau, deren Gesicht ich nicht erkenne.« Sie löste sich aus ihrer Umarmung und trank einen Schluck. »Weißt du, was sie als Profilbild hat? Seine rechte Hand auf ihrem Oberschenkel.«
»Ich glaube, sie ist dunkelhaarig.« , meinte Katja, weil sie merkte, dass ihre Freundin, auch wenn es wehtat, Antworten nötig hatte. Man kann Dinge leichter verarbeiten, insofern man nicht komplett im Dunklen sitzt. Es wird Licht benötigt, um den Ausgang zu finden.
Isabelles Kopf drehte sich in ihre Richtung. »Wie kommst du darauf?«
»Ich habe ihn gesehen. Mit einer Dunkelhaarigen und ... ich bin hin, nachdem er an ihrem ... Eis geleckt hat. Vorher hat sie jedoch ein Selfie mit ihm gemacht und ist auch direkt verschwunden. Er meinte, sie wäre nur ein Fan gewesen und ...«
»Du hast ihn mit einer anderen gesehen und sagst mir nichts?«
»Ich war mir nicht sicher ... und bin's auch jetzt nicht. Ich wollt' dich nicht unnötig ...«
»Mich unnötig aufregen?« Isabelle starrte sie derangiert an. »Du hättest es mir sagen müssen. Du bist meine Freundin. Ich hätte mir einiges sparen können, wenn ich gewusst hätte, wie lange unsere beschissene Beziehung gelogen war.«
»Ich habe direkt Vincent alles erzählt und er sollte etwas rausbekommen. Ich war wirklich der Meinung, dass er ihn in der Hinsicht nicht belügen würde.«
»Wie hat sie ausgesehen?«
»Dunkle lange Haare ... ehm ...«
»Alter? Figur?«
»Was hast du von dieser Info? Ich weiß ja nicht einmal, ob sie es wirklich war.«
»Du hast gesagt, er hat an ihrem Eis geleckt. Er würde niemals bei einer fremden Person am Eis le...« Sie stoppte selber ab. Denn bis vor kurzem hätte sie ihm auch nicht das mit dieser C zugetraut. Sie fragte sich unbewusst, welchen Namen die Frau hatte, die ihr Leben zerstört hatte.
Christine?
Claudia?
Cora?
Charlotte?
Wusste sie überhaupt, dass er verheiratet war? Oder war sie genauso ein Opfer wie sie selbst?
»Wie sah sie aus Katja?« , wiederholte sie ihre Frage. »War sie hübsch?«
Die Blondine wusste nicht, was sie genau sagen sollte. »Isabelle?! Ich glaube, die Informationen reichen jetzt.« Auch wenn sie Dag momentan verabscheute, sprach sie ihr Gedachtes aus, um ihre Freundin doch ein wenig beruhigen zu wollen. »Es war nichts Ernstes. Er hat es schließlich beendet.«
Isabelle nahm einen weiteren Schluck und startete dann erneut mit der Heulerei. »Das war nicht nur einmal. Das war kein einmaliger Ausrutscher. Sie treffen sich schon Monate. Und so wie es aussieht, hat er sie angebufft.«
»Das weißt du auch nicht hundertprozentig.«
»Auch wenn nicht, hat er sie nicht nur einmal gebumst.« Ihre Stimme wurde leiser. »Aber wenn doch ... wenn sie schwanger ist ... Katja, ich ertrage das nicht.«
»Ich weiß.« Sie nahm ihre Freundin abermals in den Arm. »Du weißt gar nicht, wie gerne ich ihn schlagen würde. Ich wäre jetzt besser zu ihm gefahren, statt Vincent.«
»Vincent ist bei ihm?«
»Ja. Er ist in 'nem Hotel.«
Irgendwie fiel Isabelle damit ein Stück Last ab. »Ich dachte, er wäre bei ihr.«
»Nein. Nein. Vincent ist bei ihm.« , wiederholte Katja.
»Er hat mit mir ... ich hab' mir so viel Mühe gegeben mein altes Zimmer wiederherzustellen und er ... wie konnte er ...« Sie putzte sich erneut die Nase. »Ich dachte, wir bekommen es wieder hin.«
»Das habe ich auch gedacht, Süße. Das hab ich wirklich.«
»Als ich die Mails gelesen habe, dachte ich sofort an Nicole. Ich hab ihn direkt bildlich vor mir gesehen, wie er da lag und sie auf ihm drauf ... doch dann ... er hat sich diese Frau ausgesucht. Er ist willentlich mit ihr in die Kiste gesprungen. Das ist etwas komplett anderes. Es schmerzt umso mehr, weil er sie wollte ... will ... ich weiß es nicht. Die Mails die er ihr auch geschrieben hat, wie gerne er jetzt bei ihr wäre und so ... das ...« Die Übelkeit in ihr stieg an und sie sprang auf. Mit der Hand auf den Mund rannte sie zur Toilette und übergab sich.
Katja kam ihr hinterher und streichelte über ihren Rücken. »Du bist nicht alleine Isabelle, okay?! Wir werden dir dadurch helfen.«
Tief im Innern war sie dankbar, aber sie war sich auch darüber im Klaren, das sie im Grunde völlig alleine mit dieser Sache zurechtkommen musste.
Es waren ihre Gefühle. Ihre Gedanken. Ihr gebrochenes Herz. Ihr Dag.
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Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)
FanficBAND 3 »Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...« »Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich geb...