Dag stand eine Woche später vor Carlas Türe.
Er wollte Gewissheit haben.
Viermal hatte er bereits geklingelt, aber sie schien nicht zu Hause zu sein.
Es war auch eine spontane Aktion hier aufzutauchen, denn eigentlich wollte er erstmal nur für sich sein.
Vorhin war er noch bei Isabelle gewesen, doch sie hatte sofort die Türe geschlossen und von innen gesagt, er solle wiederkommen für seine restlichen Sachen, wenn sie nicht zu Hause wäre.
Mit ihr wollte er im eigentlichen Sinne nochmal reden. Dag wollte es wieder hinbekommen. Er wollte nicht alleine sein. Auch wenn er sich zu 99 Prozent sicher war, das sie ihm nicht verzeihen konnte, krallte er sich nun doch an das eine kleine Prozent fest.
Die vollständige Woche hatte er kaum gepennt, denn er wollte einfach nur zurück zu seiner Frau.
Wenn Carla jedoch wirklich schwanger war, wusste er, dass sich das eine Prozent dann komplett auflösen würde. Deswegen stand er nun vor ihrer Türe.
Er klingelte abermals mit der Hoffnung, sie würde nur unter der Dusche stehen und ihm jetzt endlich aufmachen, aber Fehlanzeige. Drinnen rührte sich nichts.
Dafür jedoch hinter ihm.
»Dag?!«
Er drehte sich um und sah in Carlas freudiges Gesicht. Sie kam sofort auf ihn zu und umarmte ihn. Etwas, was er sich eigentlich trotz allem von Isabelle gewünscht hatte. Beide Frauen waren sozusagen sauer auf ihn. Demzufolge dürfte sich eigentlich keine freuen.
Die eine, weil er sie betrogen hatte und die andere, weil er nicht ihr zusammen sein wollte.
Während die eine bezweckte, ihn nicht zu sehen, war die andere jedoch froh, dass er nun vor ihr stand.
Automatisch und weil er nicht wusste, was er tun sollte, umarmte er Carla weitestgehend ebenso.
»Komm doch rein.« , sagte sie danach und schloss ihre Türe auf.
Dag trat ins Innere und stand erst einmal verloren rum, bis Carla meinte, er solle sich auf die Couch setzen. Sie lächelte ihn an, als sie ebenfalls platz nahm.
»Wie geht es dir?« , fragte er leicht unbeholfen.
»Besser.« Sie lächelte weiter. Dag wusste genau, was sie damit meinte. Es ging ihr darum, dass er hier bei ihr war.
»Ehm ... Carla, ich bin eigentlich hier, um ... warst du beim Arzt?«
Sie blickte ihn mit gerunzelter Stirn eine Zeitlang an. Dann nickte sie. »Du bist nur deswegen hier?!«
Er befeuchtete seine Lippen. »Ich muss halt wissen ...«
Sie stand auf und er sah ihr nach, wie sie an ihre Handtasche ging und ein Bild herausholte, das sie ihm schließlich zeigte.
Dag sah sich, ohne es an sich zu nehmen, das Ultraschallbild an. Ihm wurde übel, weil er nun wusste, dass er seine Frau für immer verloren hatte. Das eine Prozent hatte sich in dieser Sekunde aufgelöst.
»Du freust dich nicht?!« War ihre Reaktion auf sein langes Einatmen. Sie steckte das Bild zurück.
»Carla, das mit uns war nie so geplant.«
»Manche Dinge lassen sich nicht planen.«
»Ich weiß aber ... ich war auf einem guten Weg, das mit meiner Frau wieder hinzubekommen und nun?!«
»Das ist unser Kind.«
»Ich weiß. Und du kannst auch auf mich zählen. Ich lasse dich damit nicht alleine, aber ... du musst mich auch verstehen, wenn ich hier nicht vor Freude herumspringe.«
Fragend sah sie ihn an. »Was heißt, du lässt mich nicht alleine?«
Ihm war klar, was sie wollte. »Carla, ich kann nicht mit dir zusammensein, okay?! Ich werde mich kümmern, dich unterstützen ... mehr aber nicht.«
»Wieso nicht?«
»Weil es nicht geht. Du bist ... du bist der Grund, weshalb meine Frau mich rausgeschmissen hat.«
»Und?« Ihre Stirn runzelte sich mehr und mehr. »Warum gibst du nicht zu, dass du die ganze Zeit über glücklich mit mir warst? Du bist freiwillig zu mir gekommen. Du hast freiwillig lieber deine Zeit mit mir verbracht als mit ihr. Hör auf, es abzustreiten.«
»Ich streite es nicht ab. Du hast Recht. Es gab eine Zeit, wo ich gerne hier war. Aber meiner Frau ging es nicht gut. Es hätte erst gar nicht passieren dürfen mit uns.«
»Belüg' dich ruhig weiter. Ich hab Zeit.« , sagte sie. »Dir wird bald klar werden, das du gerade Schwachsinn von dir gegeben hast. Sie hat dich nicht verdient. Sie ist ...«
»... meine Familie.« , unterbrach er sie.
»Ob du es willst oder nicht, aber wir zwei werden auch eine Familie sein. Früher oder später wirst du es dir eingestehen müssen.«
»Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...«
»Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich gebe dir die Zeit, das du es ebenso realisiert. Du wusstest es schon und hast es nur verdrängt, weil sie irgendwas getan haben muss. Aber soll ich dir etwas sagen Dag ... sie wird sich auch jetzt nicht geändert haben. So sehr du es dir vielleicht wünschst, weil du an alten Zeiten festhältst, aber dem wird nicht so sein.«
»Ich weiß, das die Sache mit meiner Frau vorbei ist.« , meinte er leise.
Carla stand auf. »Bei mir musst du keine Mauern überwinden. Ich bin da, wenn du mich brauchst. Ich würde dir nie den Rücken kehren. Und das weißt du ganz genau.«
Er blickte sie lange an. Ihm war klar, dass sie einerseits Recht hatte, aber er hatte ihr auch nicht auf die Art wehgetan, wie es bei Isabelle der Fall war.

DU LIEST GERADE
Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)
FanfictionBAND 3 »Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...« »Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich geb...