𝕂𝕒𝕡𝕚𝕥𝕖𝕝 𝟛𝟜

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Dag war mit Carla auf der Couch. Während er saß und seine Füße auf einem Sofa-Hocker vor sich platziert hatte, lag seine Freundin so, das ihre Beine auf seinen Oberschenkeln ruhten. Mit seiner linken Hand kraulte er dabei ihren unteren Rücken.

Sie schauten irgendeinen Horrorfilm, dessen Namen sich Dag nicht mal gemerkt hatte, wobei alle Lichter aus waren.

Carla hatte ihn ausgesucht und zuckte gelegentlich bei irgendwelchen Jump-Scares, worüber er immer wieder ein wenig schnaufend auflachte.

Wie auch jetzt.

»Hör auf.« , jammerte sie. »Ich hab' voll Angst.«

»Dann such' doch nicht so einen Film aus.« , lachte er weiter.

»Ich liebe Horrorfilme.«

»Jaja. Ich merk's.«

»Is' so.« Sie drehte sich von ihrer seitlichen Lage nun auf den Rücken. »Ich find' das blöd, das du jetzt demnächst so lange weg bist.«

»Hast du Angst, irgend'n Monster krabbelt aus dem Fernseher und frisst dich in meiner Abwesenheit?«

Sie sah ihn erschrocken an. »Jetzt mach' mir doch nicht so eine Angst.«

Er lachte wieder. »Du hast die ganze Zeit alleine gewohnt.«

»Und jetzt hab ich mich in kurzer Zeit daran gewöhnt, dass du neben mir schläfst. Ohne dich geht nichts mehr.«

»Ich komm' doch wieder.«

Sie hob' ihre Arme in die Höhe und winkte ihn zu sich. Dag lächelte und kletterte auf sie drauf. Carla küsste ihn. »Aber erst bist du in Südafrika, kurz danach beginnt die Tour. Dann bist du auf Festivals. Du lässt mich voll lange alleine.«

»Wir telefonieren jeden Tag, okay?!« Dag küsste sie nun ebenfalls. »Und damit musst du leben. Du wolltest mich. Jetzt hast du mich. Das gehört dazu, Baby.«

Sie lächelte, weil er sie wieder mal mit diesem Kosenamen ansprach. »Ich liebe dich.« , sagte sie wie von selbst.

Dag zog die Lippen ein. »Carla ...«

»Ich weiß.« , sprach sie mit bedrückter Stimme. »Du mich nicht.«

Er küsste sie erneut. »Du weißt, das du mir nicht unwichtig bist.«

»Aber ich wäre gerne mehr für dich.«

»Du bist doch mehr. Du bist mehr als am Anfang. Ich bin doch hier. Bei dir.«

»Trotzdem.« Sie legte ihre Arme um seinen Nacken.

»Carla, weißt du, wie viele Leute ich liebe dich sagen, aber es nicht so meinen?«

»Ich liebe dich wirklich.« , beteuerte sie.

Er lächelte. »Das war nicht auf dich bezogen. Ich meinte nur ... wenn ich es sage, dann will ich auch, dass du weißt, dass ich wirklich so empfinde.«

»Trotzdem wäre es schön, wenn wir schon diesen einen Schritt weiter wären.«

Dag gab ihr abermals einen Kuss. »Du willst einen Schritt weitergehen?« Er wusste, das es ihr eigentlich nur um Sicherheit ging und nicht um die Wörter allgemein. »Was hältst du davon, bevor ich auf Tour gehe, wenn wir anfangen, uns eine größere Wohnung zu suchen?!«

»Wirklich?«

»Klar. Die Wohnung von dir ist zu klein. Ich mag deine Nachbarn nicht. Die mögen mich nicht. Ich hab' noch einige Instrumente, die ich bei meiner ...« Er stockte ab, weil er Isabelle meine Frau nennen wollte. »... die ich noch abholen muss. Und ... wir bekommen ein Kind. Soll alles hier in diesem Raum stattfinden?«

»Machst du das nur ... ich meine, wenn ich nicht schwanger wäre, würdest du dann trotzdem hier sein ... bei mir?«

»Was ist das für eine Frage?«

»Eine für mich sehr wichtige.«

»Ich bin ... glücklich mit dir.« , gab er von sich, ohne richtig auf ihre Frage einzugehen. Denn er erinnerte sich, dass er den Kontakt zu ihr aufrecht erhalten hatte aufgrund des Kindes.

Ob dies auch der Fall gewesen wäre, wenn es sich nicht so ergeben hätte, darauf fand er gerade keine Antwort. Weil er gar nicht wusste, ob Isabelle eventuell ein wenig anders reagiert hätte, wenn nur der Betrug aufgetreten wäre.

Carla sah ihn eindringlich an. »Aber was wäre, wenn ...«

»Nein. Nein.« Er kletterte von ihr runter und nahm seinen Platz von vorhin ein. »So will ich nicht denken, okay. Es wäre vieles anders, wenn nur irgendwas in der Vergangenheit anders gelaufen wäre.« Er nahm seine Finger dazu und zählte auf. »Wenn ich nicht ins Eiscafé gegangen wäre. Wenn du mir nicht deine Nummer hinterlassen hättest. Wenn ich dich nicht angerufen hätte. Wenn meine Frau mir alles verziehen hätte. Wenn mein Sohn nicht gestorben wäre. Es wäre alles anders Carla. Aber wir leben im Hier und Jetzt. Das hier ist unsere Gegenwart, also lass uns nicht über, was wäre wenn, reden.« Es war hart für ihn darüber nachzudenken, dass im Grunde alles angefangen hatte, als Rio nicht lebend zur Welt gekommen war. »Du sagtest bei unserem ersten Treffen, das du an das Schicksal glaubst. Das du nicht weißt, was die Zukunft bringt. Und genauso ist es doch auch. Egal, was passiert ist, es hat uns hier zu diesem Moment geführt. Auf diese Couch. In deiner Wohnung. Wir sind zusammen. Wir bekommen ein Kind und wir werden, wie ich es eben erwähnt habe, nach einer größeren Wohnung suchen ... alles andere steht in den Sternen.«

Carla nickte und legte sich wieder zur Seite. Es war nicht das, was sie hören wollte, denn jeder Punkt zeigte ihr, dass Dag noch bei Isabelle wäre, falls all das nicht gewesen wäre. In ihr wuchs ein Angstgefühl, als sie darüber nachdachte, was geschehen würde, sobald er die Wahrheit erfuhr. Carla wollte ihn nicht verlieren.

Sein Handy klingelte und er sah drauf, ehe er dranging. »Ja? ... Okay?! Ich verspreche es dir ... ja, habe ich doch gesagt ... jaaaa ... komm, hau raus ... was? ... wo ist sie? ... Mit wem? ... nein, natürlich bleibt sie nicht da ... ja, hol mich hier ab ... nein, ich verrate nichts ... ja. Tschau.« Er legte auf.

»Du gehst noch weg?« , fragte Carla.

»Meine Tochter ist in irgend'nem Club.« Dag stand auf. »Mich hat sie eben angerufen, sie würde bei einer Freundin schlafen. Was vielleicht auch stimmt, aber sie hat das Feiern weggelassen.«

»In welchem Club?«

»Cheetah. Cheeto. Keine Ahnung. Irgendwie so etwas.«

»Cheedo? Da arbeitet Lenis Bruder.« Sie stand auf und ging an ihren Kleiderschrank.

»Was machst du?«

»Ich komme mit. Erstens bleibe ich nicht hier alleine, nachdem dieser Mörder eben die Frau zerstückelt hat, und zweitens kenne ich eventuell auch die Türsteher, weil ich glaub' nich', dass die dich reinlassen.«

»Okay.« , sagte er und zog sich die Schuhe an, eh er zu ihr rüberging und sie von hinten umarmte. »Mach' dir nicht andauernd solche Gedanken, okay?!« Er küsste ihre Wange. »Es hat mich niemand gezwungen, hier bei dir zu sein.«

Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt