𝕂𝕒𝕡𝕚𝕥𝕖𝕝 𝟜𝟡

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»Soooo.« Vincent blickte in die Kamera seines Handys. »Da kommen se doch.«

»Hallöchen.« Dag kam näher heran. »Es geht jetzt los.«

»Ja genau. Das machen wir ja wirklich ... ehm ... das machen wir ja nie. Von daher verzeiht uns ma', falls wir irgendwie so ganz blöde irgendwie Aktionen bring'n die man eigentlich nich' bringt, wenn man hier live is'.« Vincent atmete tief ein.

Der Anfang war geschafft.

Sie plapperten fröhlich drauf los, mit einigen Grimassen von Dag mittendrin, die sein bester Freund jedoch höflich ignorierte.

Beide gaben bekannt, das sie übermorgen nach Südafrika reisen würden, um mit den Dreharbeiten von Sing meinen Song zu beginnen.

Nach und nach gingen sie die Fragen durch und beantworteten alles mal spaßig, mal ernst.

Dag machte gerade aufmerksam auf einen Sexbot, als er die nächste Frage laut, statt gedanklich, vorlas. »Jungs, seid ihr vergeben?« Er dachte kurz an Carla und Isy, ehe er antwortete. »Ehm. Ja. Verfallen. Vergeben. Verfalle'.« Im Grunde gab das seinen derzeitigen Status wieder.

Vincent enthielt sich bei der Frage und war froh, dass sein Freund locker weiter die Erkundigungen vorlas, die nach und nach erschienen.

Die Zeit verging wie im Fluge und der Blick auf die Uhr verriet, dass sie nur noch drei Minuten von der Premiere entfernt waren.

»Ich brauch noch ... eh ... ich brauch noch ehm 'ne Brause.« Dag stand eilig auf und schmiss dabei seine Flasche um.

Vincent war abermals froh, dass es nur das war und hoffte, als Dag hinausging, dass es jetzt keinen weiteren Knall geben würde, weil sein Freund eventuell eine Stufe verpassen könnte.

Wäre authentisch, aber nicht gerade das Beste, wenn man mehrere Zuschauer hatte.

»Ah. Ich dachte, ihr schaut den Live-Stream.« , meinte Dag leise, als er Robin und Nia knutschend auf der Couch vorfand.

»Was war das für'n Knall?« , erkundigte sich Nia, während Robin die Lippen einzog.

»Vincent hat 'ne Flasche umgestoßen.« , behauptete er und nahm das gewünschte Getränk aus dem Kühlfach, bevor er sich den Finger auf den Mund legte und wieder hinauf ging.

Mit Schwung platzierte er sich auf den Stuhl und fummelte an der Öffnung herum, ohne dabei Vincent zu unterbrechen.

Als er den Schampus geöffnet hatte, setzte er die Flasche bereits sofort an und hustete erst einmal, ehe er den nächsten Schluck nahm.

Vincent, der merkte, dass Dag ja längst einiges intus hatte, griff nach dem Getränk, um es ihm abzunehmen.

Er tat so, als würde er selbst trinken wollen, als schon das Zeichen erklang, das die Premiere bereits eingeläutet wurde.

Die Flasche stellte er wieder weg und positionierte sein Handy ein wenig anders. »... und jetzt geht die Video-Premiere los.«

Dag kreischte wie ein kleiner Fan-Boy in sein Ohr.

Vincent stellte den Vollbild-Modus ein, als Dag beim nächsten Blick aufs Display erkannte, das Carla gerade mit ihrem Insta-Namen dort zu sehen war, als sie einen Emoji in den laufenden Chat sendete.

Er versuchte, sich daraufhin nur auf sie zu konzentrieren, als er danach auf den Bildschirm sah.

Sie beide waren wichtig. Sonst niemand.

Egal für wen er die Zeilen geschrieben hatte. Die Frau an seiner Seite war Carla ... und keine andere.

Dann begann der Song.

Wie viele Lieder muss ich noch schreiben, um dich zu vergessen?

Ich kann nicht mehr schlafen, ich kann nichts mehr essen

Ich hab schon tausendmal gegoogelt: „Wie hört man auf zu wein'n?"

Doch ich sitz immer noch hier und schreib' dir diese Zeil'n.

Dag sah bei jedem weiteren Blick, dass Carla Herzchen schickte. Vincent blickte ebenfalls drauf und dachte sich seinen Teil, denn er konnte sich denken, bei dem Namen, den sie verwendete, wer es war.

Während Vincents Part sang Dag mit und war gedanklich nur bei Carla und ihm. Er blendete alles andere aus. Es war nur ein Song. Nichts Persönliches.

Sie hatten Unmengen Lieder und viele handelten von Isabelle. Er musste es als Kunst und Produkt ansehen. Nichts mehr.

Nach dem Refrain setzte Montez's Part an.

Wegen des Anfangs, bezogen auf den Song Eigentlich wollt' er nie ein Liebeslied schreiben, der für seinen besten Freund schon immer ein großer Faktor war, weil er den eigens für Isabelle geschrieben hatte, performte Vincent sofort mit, um ihn im Folge dessen abzulenken.

Es war nur ein Satz. Aber dieser sollte ihn nicht von seiner derzeitigen Laune abschweifen lassen.

Dag machte sofort fröhlich mit.

... wie vergisst man einen Menschen ... ich muss immer an dich denken. Hmm-ja.

Kurz war da wieder Isabelle, was ihn beim Singen des Refrains aus dem Konzept brachte.

Er sah auf Vincents Handy und las eine weitere Nachricht von Carla, die Emojis mit Herzchen in den Augen schickte.

Aufs Neue verdrängte er die eigentliche Person in seinem Kopf, durch die sein Part überhaupt zustande gekommen war ... der nun einsetzte.

»Du bist alles, was ich brauch und jetzt gibst du mich auf. Du hast mein Herz geraubt. Ohne dich geh' ich drauf. Und ich weiß, es gibt keine zweite Chance. Doch wer weiß, kann doch sein, vielleicht hörst du diesen Song, ja. Ich hab schon tausend Frau'n gedatet, nein, ich will das nicht mehr. Ich stell' mir immer vor, dass du das wärst.« , sang er in die Kamera.

Vincent merkte, was in Dags Kopf mit Sicherheit vor sich ging, weshalb er locker flockig mitperformte und am Ende seiner Strophe nochmal einen drauflegte und ihn ein wenig anschubste.

Es half. Zumindest vor der Kamera.

Gedanklich fragte sich Dag nämlich, ob Isabelle eventuell doch den Live-Stream verfolgte, denn Katjas Insta-Name war schon die komplette Zeit über zu sehen.

Ahnte sie dann, wie persönlich diese Zeilen waren?

Sie wusste es schließlich bisher immer, wenn ein Lied ein wenig von ihr handelte.

Er konnte sich nicht vorstellen, dass Isabelle es kein bisschen interessierte ... aber vielleicht war sie ja gerade mit ihrem Neuen zugange.

Er nahm einen weiteren Schluck, als der Song endete.

Vincent verabschiedete sich bei den Zuschauern, was Dag auch kurz danach tat, ehe sie den Stream beendeten.

Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt