𝕂𝕒𝕡𝕚𝕥𝕖𝕝 𝟝𝟘

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Katja ging aus Instagram raus und blickte zu Isabelle rüber, die bei ihr auf der Couch saß.

Gemeinsam hatten sie den Stream über den Fernseher verfolgt.

»Alles okay?« , erkundigte sie sich bei ihr, nachdem diese weiterhin stumm war ... wie bereits während der kompletten Zeit als beide Männer dort zu sehen waren.

Isabelle nickte. Dass es ausgerechnet so ein Song sein musste, erhellte ihre Stimmung kein bisschen. Natürlich konnte sie sich denken, dass dies so ein Stück sein würde, schließlich gab es ja genug Ausschnitte, die Vincent hochgeladen hatte. Trotzdem traf sie dieses Lied, als sie ihn nun komplett gehört hatte. »Meinst du, es gab tausend Frauen?«

»Nein.« Katja schüttelte mehrmals den Kopf, doch damit half sie Isabelle nicht, denn der Druck in ihrem Magen verschlimmerte sich. Irgendwie hätte sie es besser gefunden. Nicht leichter, aber besser ... wenn es mehrere gegeben hätte.

... somit zeigte sich nur, dass diese Carla ihm wichtig zu sein schien.

Was sie sich bereits dachte, nachdem er sie mit in die Bar gebracht hatte.

Der Ort, wo sich beide verliebt hatten.

Es zeigte ihr irgendwie, dass er wahrlich mit ihr abgeschlossen haben musste. Auch wenn in dem Lied Persönliches auftauchte. Selbst wenn Montez es besang, aber die Zeile stammte aus dem Song, den Dag damals für sie geschrieben hatte.

Vielleicht dachte er damals noch, dass dieses neue Lied sie erreichen könnte?!

Vielleicht hatte er zu der Zeit noch Hoffnung gehabt?!

... doch zu diesem Zeitpunkt gab es bereits diese Carla in seinem Leben. Isabelle wusste schließlich, wie lange beide schon etwas miteinander hatten.

Die Worte, die sie geäußert hatte, mit dieser Provokation in ihrer Stimme, wollten nicht aus ihrem Kopf heraus.

Sie hätte Dag zu nichts gezwungen ... und das sie ihren nackten Körper mit seinem vereinen würde.

Die Frage, ob er das auch wirklich danach getan hatte, nachdem sie seiner Neuen eine Ohrfeige verpasst hatte, quälte sie.

Jetzt wo sie Carla gesehen und mit ihr geredet hatte, projizierte ihr Hirn umso mehr ein Bild, wo Dag mit ihr zugange war.

Die Übelkeit stieg in ihr an.

Isabelle konnte nicht mal die Nacht über schlafen, weil sie nur daran denken musste.

Wieso konnte das alles nicht nur ein böser Traum sein?

Wieso konnte sie nicht einfach aufwachen und alles war so wie früher?

Dag würde sie in der Nacht von hinten umarmen und leicht ihr Schulterblatt küssen ... er würde ...

... nichts tun.

Denn all das tat er mittlerweile mit einer anderen.

»Vielleicht war es doch nicht gut, dass wir es uns angeschaut haben.« , sagte Katja und goss ihrer Freundin ein wenig Wein in ihr Glas. »Ich habe dir gesagt, das ich dir zuliebe darauf verzichte. Vincents Visage sehe ich eh täglich.«

»Ich wollte es sehen. Ich dachte ...« Ja, was hatte sie gedacht. Sie hatte gehofft, Dag würde eine versteckte Botschaft an sie senden. Doch irgendwie kam die Message nicht an. Sein Part fühlte sich zwar ein wenig so an, als wäre er an sie gerichtet, aber seine fröhliche Performance während des Live-Streams zeigte etwas anderes.

Er hatte getrunken und mit Sicherheit vorher einen geraucht, wie seine Augen belegten ... er feierte den Release.

Das sie gestern auf seine Freundin traf und sie dieser eine Backpfeife verpasst hatte, nachdem diese sie schmerzlich an ihren Verlust erinnerte, schien ihn nicht zu interessieren.

Dag machte fröhlich weiter. Sein Leben ging weiter.

»Er hat mich abgeschrieben.« , sagte sie leise.

»Hast du das Lied gehört?! Ich glaube nicht, dass dem so ist.«

»Den haben die nicht erst gestern aufgenommen.«

»Trotzdem. Du hörst das Gefühl in seiner Stimme klar und deutlich.«

Isabelle schüttelte den Kopf. »Das ist aber vorbei.« Der Gedanke das es in Zukunft Songs geben würde, die er für diese Carla singen würde, verstärkte die Übelkeit in ihr. »Ich schaffe das alles nicht.« Sie exte ihr Glas leer.

»Doch. Das wirst du.«

»Nein. Weißt du eigentlich, wie schlimm dieses Gefühl ist?! Das ist mein Mann, den sie anfasst.«

»Ich kann es mir vorstellen.«

»Ich kann nichts essen. Ich schlafe kaum.« Sie schluchzte ein wenig.

»Ich weiß.«

»Ich habe in letzter Zeit so viel verloren in meinem Leben. Wieso? Warum ich? Was habe ich getan, das mich eine Katastrophe nach der anderen trifft?«

»Vielleicht wart ihr zu glücklich?!«

»Was?« Derangiert und mit nassen Augen sah Isabelle ihre Freundin an.

»Keine Ahnung. Ich weiß selber nicht, was ich da von mir gebe.« Katja rutschte näher. »Mir fällt doch auch nichts mehr ein, was ich sagen könnte.«

»Weißt du noch das Gespräch damals mit Marc?! Ich hatte zu dieser Zeit so ein komisches Gefühl und Dag gesagt, das dies meine schlimmste Angst wäre ... wenn ich ihn irgendwann gehen lassen müsste.«

»Ja ich erinnere mich. Aber du weißt doch, dass der immer nur Schwachsinn labert.«

»Aber ist das nicht alles genauso eingetroffen. Dag und ich haben verschiedene Wege eingeschlagen ... und uns dadurch verloren.« Sie wurde leiser. »Er wollte unbedingt noch ein Kind. Nach Rio ...« Sie atmete tief ein. »Ich konnte es nicht. Das Gefühl, ihn zu ersetzen ... aber ... ich hätte gerne noch ein Kind mit ihm gehabt. Ich habe es ihm nie erzählt. Und jetzt ... sie bekommt ... ein Kind mit ihm. Sie gibt ihm das, was ich ihm nicht geben konnte.«

»Du glaubst, das war geplant?«

»Er hat sie ungeschützt gef- ... ich denke schon.«

»Ich weiß nicht.«

Isabelle rieb sich die Schläfen. »Dag sagte damals, er würde mich nie gehen lassen. Genauso wie er nie gehen würde. Er meinte, nichts könnte uns jemals trennen ... er würde niemals eine andere lieben. Und jetzt?« Sie schüttete sich selber noch etwas Wein ein. »Alles traf auf einmal in unser Leben. Wie eine Bombe, die alles zerstört hat. Alles, was wir wollten und uns aufgebaut haben, liegt nun in Trümmern. Begraben unter einem Haufen Schutt und Asche. Und ich liege mitten drin. Verschüttet. Und niemand kommt und hilft mir daraus.«

»Isabelle, du bist nicht alleine. Du hast Nia. Du hast uns. Wir helfen dir daraus.«

Sie schüttelte den Kopf. »Er hat mich immer beschützt. Egal vor was. Er war ... mein Anker. Ohne ihn kann ich nicht sein.«

»Bitte fass' das nicht böse auf, okay.« Katja legte ihren Arm um ihre Schulter. »Schon tausende, abertausende Frauen vor dir haben so ein Leid erfahren. Ja, einige sind daran zerbrochen, aber du bist stark. Du wirst das schaffen. Weil du nicht alleine bist.«

Isabelle begann zu weinen. »Ich liebe ihn immer noch, Katja. Aber ich will ihn nicht mehr lieben. Ich will nicht mehr so leiden. Ich will ihn vergessen. Nicht mehr an ihn denken.«

»Ich weiß.« Sie streichelte über Isabelles Kopf und tröstete sie. Doch sie wusste, dass sie ihr im Grunde gar nicht helfen konnte. Schließlich war sie nicht in der Lage all diese Gefühle verschwinden zu lassen. Sie konnte nur für sie da sein. Versuchen sie abzulenken ... aber mit ihren Emotionen musste sie letztendlich selber klar kommen.

Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt