𝕂𝕒𝕡𝕚𝕥𝕖𝕝 𝟟𝟞

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»Und was willst du jetzt machen?« , fragte Elias Robin, der bei ihm mit im Keller auf der Couch saß.

»Nichts. Was soll ich denn machen?« Er lehnte sich mehr zurück. »Ich bin soooo sauer auf sie. Wie konnte sie mich nur anlügen? Und das nur, weil sie dachte, ich hätte etwas mit Selina. Sie ist doch sonst nicht so und muss immer ihre idiotische Klappe aufreißen. Wieso ist sie nicht zu mir gekommen und hat mich direkt drauf angesprochen?«

»Ich weiß es nicht.«

»Sie kann mich gar nicht lieben. Wenn man einen Menschen liebt, dann tut man ihm doch nicht mit Absicht weh.«

»Eigentlich nicht.«

»Gott. Sie ist so kompliziert. Ich versteh' ihre Denkweise manchmal kein bisschen. Anstatt dass sie einfach mal den geraden Weg geht, läuft sie wie in einem Irrgarten nach rechts und links und wieder zurück. Nicht zu vergessen, wie oft sie gegen eine Wand läuft.«

»Na ja ... du kennst Nia ja nicht erst seit gestern. Dir hätte doch klar sein müssen, wie sie drauf ist.« , sagte Elias. »Denk ma' daran, wie lange sie gebraucht hat, um zu verstehen, dass du sie liebst.«

»Vielleicht liebe ich sie deswegen? Weil sie anders ist ... so kompliziert.«

»Also ... willst du ihr ... verzeihen?!«

Robin schüttelte den Kopf. »Wie kann ich ihr das verzeihen? Sie hat von mir das Schlimmste gedacht.«

»Aber du liebst sie.«

»Natürlich liebe ich sie. Trotzdem. In ihren Augen war ich ein Arschloch. Das habe ich nicht verdient.«

»Na ja ...« , begann er wieder mal. »Du wolltest ja ein wenig mehr wie Jenaro sein, weil du dachtest, sie würde mehr darauf stehen.«

»Das ist doch etwas anderes.«

»Sicher? Du hast ja im Grunde auch nur deine Schlüsse gezogen.«

»Weil sie mir auch immer wieder solche Signale geschickt hat Elias. Ich habe nie irgendwas getan, das sie denken müsste, ich würde mit 'ner anderen in die Kiste steigen.« Robin wurde ungewollt lauter.

»Ja aber ... Mädchen ticken doch eh anders.«

»Ich ertrage das einfach nicht. Wie kann sie so von mir denken?« , wiederholte er abermals, weil er es einfach nicht verstehen konnte, da er immer alles für sie getan hatte.

»Dann ... triff dich mit ihr. Frag sie. Danach wird bestimmt alles wieder gut sein.«

Robin sah konfus zu ihm rüber. »Spinnst du. Wie soll das wieder gut werden, wenn sie so ein schlechtes Bild von mir hat?«

»Wenn ihr redet, dann ...«

»Nein. Das kann nicht mehr werden, wenn ich in ihren Augen ein Arsch bin. Ich war immer loyal. Ich hab sie ... ich hab sie wie eine gottverdammte Prinzessin behandelt.« Robins Voice-Cracker war wieder mal zu hören, doch er überging es einfach, und sprach, ohne sich zu räuspern weiter. »Langsam glaube ich, sie hat als Hauptfach Wie-kann-ich-Robin-in-den-Wahnsinn-Treiben.«

Elias lachte. »Aber sieh' mal das Positive. Sie hat nichts mit Jenaro. Nia ist dir nicht fremdgegangen.«

»Das überdeckt aber nicht komplett das Negative.« , sagte Robin. »Zu einer Beziehung gehört Vertrauen. Wenn sie das nicht aufbringen kann, was nützt es dann, wenn ich ihr das verzeihe?!«

»Vielleicht musste erst so etwas geschehen, damit sie aufwacht.«

»Aus was? Aus dem Albtraum mit mir zusammen zu sein?«

Elias sah ihn desorientiert an. »Nein, du Idiot. Vielleicht hat Nia gar nicht so viel Selbstbewusstsein, wie sie immer vorgibt zu haben.«

»Das weiß ich auch so, das sie voller Selbstzweifel steckt. Ich kenn' sie mein ganzes Leben schon. Sie sucht dringend nach Aufmerksamkeit. Fragt mehrmals, ob sie hübsch wäre. Aber das gibt ihr nicht das Recht an meiner Liebe zu ihr zu zweifeln. Ich habe nie etwas getan, das sie so denken müsste.« Robin sprach viel zu schnell.

»Jetzt beruhige dich erst ma'. Lass ein paar Tage Gras drüber wachsen und gut is'.«

Er atmete mehrmals tief ein. Er hatte selber keine Lust mehr, darüber zu reden, geschweige denn nachzudenken. Da fiel ihm etwas ein, was er schon länger versprochen hatte. »Was hältst du von Selina?«

Geschockt blinzelte Elias ihn an. »Du willst wieder mit Selina anbandeln?«

»Was? Nein. Ich wollte wissen, was, du, von ihr hältst.« Das Wort Du betonte er extralaut.

Sein bester Freund zuckte verdattert mit den Schultern. »Keine Ahnung. Wieso?«

»Ich meine, findest du sie hübsch, oder so?«

Elias Blick blieb. »Hübscher als Nia?«

»Was?«

»Ja, ich weiß nicht, worauf du hinaus willst.«

Robin fuchtelte mit seiner Hand hin und her. »Keine Nia. Das Thema haben wir an eine Pinnwand befestigt. Ich rede von dir und Selina.«

»Mir und Selina?«

»Ja.«

»Wie ich Selina finde?«

»Gott, Elias, muss man dir alles aus der Nase ziehen. Beantworte doch einfach die Frage.«

»Ja aber ich weiß doch gar nicht, worauf du hinauswillst.« , sagte er abermals.

Robin rieb sich die Schläfen. »Das ist doch jetzt schnuppe. Ich will doch nur 'ne Antwort, ob sie dir gefällt.«

»Mir gefällt?«

»Elias, wenn du jetzt noch eine Frage von mir wiederholst, schlage ich dich.«

»Sie ist deine Ex.« , antwortete er, nachdem er ein wenig herumdruckste.

»Du sollst sie nicht beschreiben.«

»Doch. Muss ich aber.«

»Wie meinst du das?«

»Ja sie ist deine Ex. Egal, wie ich sie finde ... du warst mit ihr zusammen.«

»Und?«

»Das heißt, sie ist für mich tabu.«

»Wo steht das geschrieben?«

»Weil es ... unschön ist. Wie ein Verrat dir gegenüber.«

»Aber doch nicht, wenn man sich freundschaftlich getrennt hat.« Robin sah unbewusst kurz auf sein Handy, worauf nichts zu sehen war.

»Sie ist ... hübsch.«

»Ja dann mach dich ran.«

Elias Augenbrauen rutschten näher aneinander. »Was? Ich weiß doch gar nicht, was sie ...«

»Was meinst du denn, warum ich frage?!«

»Sie ... sie mag mich?«

Robin nickte. »Oh ja.«

»Ich ... ich dachte ... ich dachte ... ich hab' gar nich' gedacht.«

»Ja jetzt weißt du es. Wenn meine Beziehung schon kaputt ist, sollte wenigstens einer von uns beiden glücklich sein. Also hopp. Verabrede dich mit ihr. Sie wird nicht nein sagen.«

Elias griff nach seinem Handy und tippte, sprach dabei jedoch weiterhin mit Robin. »Das mit dir und Nia wird wieder. Manchmal muss man auch verzeihen können.«

Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt