Dag kam mit Nia im Restaurant Jolly an, nachdem sie erst noch eine Zeitlang spazieren gegangen waren. Er wusste, dass sie gerne ein eleganteres Ambiente bevorzugte, weshalb er auch dieses gewählt hatte.
Carla wollte mit, aber er sagte ihr, wie wichtig es ihm sei, auch mal Zeit mit seiner Tochter alleine zu verbringen.
Nachdem seine Freundin dadurch etwas schmollte, versprach er ihr, den nächsten Abend mit ihr schick essen zu gehen.
Nun, als Nia und er einen Tisch bekamen, lenkte er das Gespräch direkt mal auf Robin, weil es ihn schon interessierte, was genau vorgefallen war.
»Ich hab scheiße gebaut.« , sagte sie schließlich als Antwort.
»Scheiße? Inwiefern?«
»Ich hab ihn belogen und ihn als etwas hingestellt, was er nicht ist.«
»Dann entschuldige dich doch einfach.«
Die Bedienung kam an den Tisch und unterbrach das Gespräch. Beide wählten gebratene Nudeln mit Ei und Gemüse. Dag nahm dabei knusprige Ente, während Nia die Garnelen vorzog.
Nostalgisch wurde ihm bewusst, dass wenn er in der Vergangenheit dieses Gericht aussuchte, Isabelle stets und ständig dieselben Nudeln mit Ente sowie den Garnelen genommen hatte. Die Ente hatte sie ihm dann immer zusätzlich noch zugeschoben, damit er ein wenig mehr hatte.
»Essen wir auch noch Nachtisch?« , fragte Nia.
»Klar. Wir haben doch Zeit.«
»Nice. Dann nehme ich nachher ...« Sie überflog weiter die Speisekarte. »... die frittierte Banane mit Honig.«
»Was immer du willst.« Er lächelte ihr zu, als die Getränke bereits auf den Tisch gestellt wurden.
»Ich kann mich nicht entschuldigen.« , meinte sie schließlich, als sie die Karte weglegte. »Also ich hab mich entschuldigt, aber ... Robin nimmt sie nicht an. Was ich auch verstehen kann. Ich bin halt ... scheiße.« Eigentlich hatte Nia gar nicht vorgehabt einen der Elternteile einzuweihen, aber ... bei ihrem Vater fühlte sie sich schon immer anders ... ein wenig verbundener. Weshalb sie nun, wo er vor ihr saß, auch nicht komplett stillschweigen konnte.
»Er hat gesagt, du bist scheiße?«
»Nein. Ich bin halt ... ich bin ... ich mache mir immer selber alles kaputt. Ich hab' nicht nachgedacht und voreilige Schlüsse gezogen.«
»Ja aber wir reden von Robin. Er hat die Geduld von ... ich könnt nicht mal sagen, vom er die hat, aber ... so schlimm kann es schon nicht sein.«
»Doch, glaub mir.« Sie wischte sich ein paar Tränen weg, die herauskullerten. »Meine Rose ist auch kaputtgegangen.«
»Deine Rose?«
»Er hat mir zum Valentinstag eine Rose geschenkt, die ist eben kaputt gegangen.«
»Ach Nia, das wird schon wieder.« Er kam sich selber blöd vor, diesen Satz zu sagen. Denn wie oft hatte er diese Worte bezüglich ihm und Isabelle gehört.
... und nichts war wieder geworden.
»Weiß deine Mutter, dass du bei mir bist?«
»Nein. Katja war noch bei uns, als du kamst. Deswegen habe ich ja gesagt, dass wir uns draußen treffen. Keine Ahnung was die gemacht haben? Die hingen immer abwechselnd im Schlafzimmer und dann im Badezimmer.«
»Hmm okay.«
Er wollte Nia nicht traurig machen, weshalb er auch fürs Erste das Thema Robin wegließ. Er erzählte ihr von Südafrika und kleine Details von Sing meinen Song. Die Lieder verriet er ihr aber nicht. Selbst als sie bettelte.
Er merkte erst jetzt, wie sehr er so etwas vermisst hatte. Zeit, mit Nia zu verbringen ... und wenn es nur auf der Couch bei Popcorn und einem Film gewesen wäre.
Abermals erschien Isabelle in seinen Gedanken. Wie sie zu dritt die Abende verbracht hatten ... und wie sorglos das Leben damals noch ausschaute.
Ihre Beköstigung wurde an den Tisch gebracht und Nia begann auch sofort wie ausgehungert zu essen. »Wir sollten das öfters machen. Oder nicht?« , meinte er.
Nia nickte. »Oh ja. Ich hab das voll vermisst mit dir und ... mit dir.« , beendete sie den Satz beklommen.
Er wusste, wen sie noch nennen wollte. Dag atmete tief ein und begann ebenso zu essen, als er sich umsah und hinter Nia sah.
Erschrocken ließ er fast sein Besteck fallen, denn ganz hinten an einem weit entfernten Tisch bemerkte er Isabelle ... doch sie war nicht alleine. Ein Mann war bei ihr. Er schien älter als sie zu sein, aber das könnte auch täuschen, da manche Männer früher ergrauen als andere.
Sie waren in ein Gespräch vertieft und ... sie lachte. Nicht laut, aber es war kein gekünsteltes Lachen, was sie da von sich gab.
Dag betrachtete sie. Sie sah fantastisch aus. Er war immer noch kein Fan von ihrem blonden kürzeren Haaren, aber zusammen mit ihrem Outfit, das eine feine Hose mit einer hübschen Bluse war, sah es einfach toll aus.
Natürlich hatte er immer die nonchalante Isabelle bevorzugt, aber ... sie wusste auch mehr aus sich herauszuholen, wenn sie wollte. Was sie hier mal wieder bewies.
Sein Blick fiel nun auf den Mann und er merkte dieses Ziehen im Magen. Dieses Druckgefühl in der Brust. Sein Herz schlug schneller als vorhin und er registrierte dieses lautstark in seinen Ohren.
Das musste er sein.
Isabelles Auserwählter.
Derjenige, der seinen Platz eingenommen hatte.
Auch wenn er Carla hatte, fühlte er sich momentan wie ... betrogen.
Er hatte nun ein Gesicht vor sich. Dieser Mann war es, der Isabelle berührte, sie fortan küssen würde und dies natürlich schon getan hatte, wenn er an die Nachrichten von ihr zurückdachte, die ihn an diesem Abend, wo er bei Carla geschlafen hatte, eingetroffen waren.
Er verspürte Wut, Traurigkeit ... er konnte es gar nicht richtig beschreiben, welche Empfindungen plötzlich gleichzeitig auf ihn eintrafen.
»Magst du nicht?« , fragte Nia mit vollem Mund.
»Doch. Doch.« Sein Blick fiel auf seine Tochter, die er anlächelte. Mit diesem ekligen Druck im Magen, um sich nichts anmerken zu lassen, nahm er das Essen in sich auf.

DU LIEST GERADE
Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)
FanficBAND 3 »Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...« »Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich geb...