Dag öffnete die Türe und hatte schon die Befürchtung, das Carla ihm entgegenlaufen und heulen würde, aber ... nichts.
Er zog die Schuhe aus und schlurfte in den teilweise dunklen Raum hinein.
Carla lag im Bett. Mit dem Handy in der Hand sah sie ihn an.
Er sagte nichts und blieb auch weiterhin stumm, als er sich dem Bett näherte, sich seiner Hose und dem Pulli entledigte, die Socken auszog und sich neben sie legte.
Carla packte ihr Handy weg, machte die Lampe aus und verharrte dann jedoch in ihrer Rückenlage, während Dag das Licht auf seiner Seite ebenso löschte.
Die Unsicherheit, die von ihr ausstrahlte, bemerkte er mit sofortiger Wirkung. Auch das sie kurz davor war, erneut in Tränen auszubrechen.
Vorsichtig hob er seinen Arm an. »Komm' her zu mir.«
Ohne Verzögerung legte sie sich direkt in seine Arme, mit dem Kopf auf seine Brust und begann sofort zu weinen, als er seinen Arm um sie schlang. »Es tut mir leid.« , schluchzte sie.
»Is' okay.« Seine Hand fuhr über ihren Rücken. »Lass uns das Thema vergessen.«
»Nein ... ich ... willst du ein Kind?«
»Was?« Seine Bewegung stoppte ab.
»Du willst ... eine Familie, oder? Ich hab mich erkundigt und ... mit der Hilfe eines Arztes, würde ich es schaffen, schwanger zu werden.«
»Was?« , wiederholte er und sie sah mit leicht verheulten Augen zu ihm rauf.
»Ich müsste eine Hormon-Therapie unter anderem machen. Und ... das dauert natürlich einige Monate bis es anschlagen würde und es kann sein, dass dadurch eine Mehrlingsschwangerschaft entsteht, aber ... wenn du das willst, dann ... willst du?«
Er sah sie einige Sekunden still an. War das eine ehrliche Aussage von ihr, oder nur wieder ein Versuch, damit er bei ihr bleiben würde?
»Babe ... lass uns das ein andermal besprechen! Wir haben Zeit. Wir ... lass uns erstmal die Zeit alleine genießen, okay?!«
»Aber ... ich will nur, dass du weißt ... ich wäre bereit, wenn du das möchtest. Ich tu' alles was du willst.«
Er zog sie näher an sich und küsste sanft ihre Lippen. »Ich weiß.« , sagte er. Natürlich war er sich dessen bewusst.
Carla hatte ihm bereits bewiesen, was sie alles tun würde, um ihn zu behalten.
Dass er ihre Denkweise nicht gut fand, wollte er ihr im jetzigen Moment nicht sagen. Eine Beziehung besteht schließlich nicht daraus, es dem anderen immer wieder Recht zu machen.
Sie handelte einfach aus den falschen Beweggründen heraus.
Carla legte sich wieder zurück und Dag streichelte über ihren Rücken.
»Du verlässt mich nicht?« , fragte sie ihn fast flüsternd.
»Ich bin doch hier.« , antwortete er.
Sie kuschelte sich noch mehr an seinen Körper. Dass er sie Babe genannt hatte, beruhigte sie schonmal. Genauso der Punkt, dass er meinte, sie würden Zeit haben.
Dag wollte eine Zukunft mit ihr, sonst hätte er sich nicht so geäußert. Für Carla gab es schon länger nur noch eine Zukunftsperspektive mit ihm.
So frei und unbeschwert trafen sie damals zusammen und nie hätte sie damit gerechnet, mal solche Gefühle für den Mann, in dessen Armen sie lag, zu empfinden.
Ob sie zu jener Zeit schon an Sex mit ihm gedacht hat? Ja. Vom ersten Moment an hatte sie die Hoffnung, dass sich wenigstens das daraus entwickeln würde.
Ist sie deswegen mit Absicht gegen ihn gerannt, als sie ihn im Eiscafé erblickte? Ja, auch dies war der Fall. Carla wollte, das er aufmerksam auf sie wurde und das hatte sie schließlich auch geschafft. Und dafür hat nur ein Blick gereicht. Ein Blick und ihr war klar, dass er ebenso mehr wollte.
Nachdem er ihr jedoch von seiner Frau erzählte wusste sie, dass sie die Sache langsamer angehen musste. Sie merkte, dass bei ihm zu Hause etwas nicht stimmen konnte, als er immer mehr Zeit mit ihr verbringen wollte.
Jede freie Minute verbrachte er mit ihr und sie bemerkte von Mal zu Mal, wie anziehend er auf sie wirkte.
Der Tag, wo sie mit ihm zum ersten Mal geschlafen hatte, war geplant. Sie hielt es einfach nicht mehr aus. Es war im Grunde eine idiotische, sowie vorhersehbare Aktion, sich mit der Soße vollzuschmieren und sich das Shirt auszuziehen, doch sie wollte, das er endlich reagierte.
Aus einer Ich-will-nur-Sex-Sache wurde bei ihr schnell eine Liebe, die sie nicht erwartet hätte.
Das sie mal so süchtig nach ihm werden würde ...
Sie legte ihr linkes Bein auf seinen Körper ab und ließ sich von ihm kraulen.
Sie hatten schon so oft miteinander geschlafen, dass sie es gar nicht mehr zählen konnte. Mal wild, mal zärtlich, mal so, dass sie gar nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Doch egal wie, es war für sie immer gewissermaßen wie ein Rausch.
Sie spürte diese Verbundenheit, die sie noch nie für jemanden empfunden hatte.
Für einen Moment dachte sie darüber nach, ob seine Ex dasselbe durchgemacht hatte, als sie sich in ihn verliebte. Lag es einfach an Dag? Seiner Art? Seiner Persönlichkeit? Oder war es doch einzigartig, was sie fühlte?
Wenn das, was sie verspürte, noch die Anfangsverliebtheit war, wovon sie ausging, freute Carla sich jetzt schon, dieses Gefühl umso intensiver zu empfinden.
Sie verwarf den Gedanken, dass es dieser Isabelle genauso erging. Nie im Leben hatte sie dasselbe empfunden und es zugelassen, diesen Mann zu verlieren. Carla wusste nicht, was genau vorgefallen war, und das war ihr auch egal. Wichtig erschien ihr nur, dass dieser Mann sich für sie entschieden hatte. Und das nicht nur einmal.
Er kam zu dem Entschluss, sich bei ihr zu melden, nachdem er ihre Nummer bekam.
Danach wollte er sie unbedingt wiedersehen.
Nach ihrem ersten Mal war er es, der wie ausgehungert vor der Türe stand und die Sache mit ihr wild entschlossen weiterführen wollte.
Auch wenn sie da noch die zweite Wahl war, aber er war mit ihr im Urlaub, den beide genossen hatten.
Und selbst wenn er sich danach für seine Frau entschieden hatte, was nur von kurzer Dauer war, wollte er weiterhin den Kontakt mit ihr haben und verbrachte nach seiner Trennung von Isabelle so gut wie jeden Tag mit ihr.
Dag war es, der darauffolgend zu ihr ins Bett kam und ihr sagte, das er sie wollte ... und zwar für mehr.
Er hatte die Beziehung ins Rollen gebracht und nun lag sie hier in seinen Armen.
Carla war happy, dass dieses, Es, was sie begonnen hatten, mittlerweile einen Namen hatte. Sie hatte nicht vor seine Zuneigung zu verlieren. Seine Witze. Sein Lachen. Seine Hand in ihrer. Seine Küsse. Seine Zärtlichkeiten und den Sex.
Dag war hier. Er war wiedergekommen, nachdem ihre Lüge keine mehr war. Er wusste die Wahrheit und doch war er zurückgekehrt und sprach über eine Zukunft.
Sie griff nach seiner anderen Hand und verhakte sich mit dieser.
Irgendwie hat sich alles langsam und natürlich in eine andere Richtung entwickelt, die sie, ohne es zu wissen, immer gewollt hatte.
Ein etwas holpriger Start bedeutete nicht unbedingt, dass alle Hoffnung verloren war.
Aus einer verbotenen Affäre wurde der Mann, ohne den sie nicht mehr leben wollte.
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Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)
FanficBAND 3 »Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...« »Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich geb...