Isabelle ließ sich von Ben am Studio absetzen.
Nach dem Essen waren sie noch in einer Bar, wo sie eine Kleinigkeit getrunken hatten.
Als sie einen kleinen Abstecher auf die Toilette machte, antwortete sie Katja, die alles von der Verabredung wissen wollte. Weil Isabelle dafür keine Zeit hatte, schlug ihre Freundin vor, dass sie sich im Studio treffen würden, da sie eh vorhatte, dort noch kurz hinzufahren.
Ben stieg mit aus und begleitete sie bis fast zur Türe. »Und? Kann ich auf ein weiteres Treffen hoffen?« , fragte er sie.
Isabelle lächelte. »Mal schauen.« Er kam einen Schritt näher, sie ging einen Schritt zurück und hielt ihre Hand ausgestreckt hin. »Schönen Abend noch.«
Er grinste. »Ich mag Herausforderungen.« Er nahm ihre Hand und verabreichte ihr einen Handkuss, statt diese zu schütteln.
Isabelle verharrte, bis Ben in sein Auto stieg und wegfuhr. Erst dann ging sie zur Türe und klingelte. Sie wartete ein wenig und betätigte die Klingel erneut, als Vincent den Eingang aufriss. »Wa-?« , stoppte er ab. »Isabelle? Was machst du denn hier?« Er sah direkt auf die Uhr. Es war bereits kurz vor Mitternacht.
»Ist Katja nicht da?«
»Nein.« Er schüttelte den Kopf und sah dann doch zurück aus Panik, er hätte es vor lauter Arbeit nicht mal mitbekommen, das seine Frau gekommen war.
Isabelle lachte, veränderte dann jedoch ihre Miene, als sie eintrat. »Ist ... er hier?«
»Nein. Er ist ...« Vincent stoppte ab. »Er ist nicht hier.«
Sie sah sich um. Sie war schon länger nicht mehr hier gewesen, aber irgendwie schnupperte sie direkt Dag in diesen Räumen.
»Katja wollte herkommen?« , fragte Vincent sie, als sie sich auf die Couch setzte.
»Ja.«
»Weil?« Er überlegte angestrengt nach, ob er irgendwas vergessen hatte.
Isabelle zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Den Hauptgrund kenne ich nicht. Ich weiß nur, dass ich sie eigentlich hier antreffen sollte.«
»Hmm.« Er setzte sich zu ihr. »Wo warst du denn so spät noch?«
»Ich ... ich war ... essen.«
Vincent betrachtete sie von Kopf bis Fuß und zog anschließend die Augenbrauen zusammen, ehe diese kurz aufhüpften, als ihm die Erkenntnis einschoss. »Du hattest'n Date?«
Isabelle schüttelte sofort mehrmals den Kopf. »Nein ... nur ein Essen.«
»Mit 'nem Kerl?«
»Ja, aber ...«
»Dann wars'n Date.«
»Ich ... Katja meinte, ich sollte mich mit ihm treffen, aber ... ich hatte keine Hintergedanken, oder so.«
»Du musst dich doch nicht rechtfertigen Isabelle.« , sagte er unverzüglich. »Du musst ... es ist dein Leben.« Wie aus dem Nichts begann sie zu weinen. Vincent nahm sie, ein wenig überfordert mit der Situation, sofort in den Arm. »Hey. Was is' los?« , fragte er und streichelte über ihr blondes Haar.
»Ich will das nicht.«
»Was willst du nicht?« Er konnte sich denken, was sie meinte.
»Ich will kein'n ander'n.«
»Ich weiß.« Vincent tat es leid, was sie durchmachen musste. »Aber ...«
»Liebt er sie?« Sie zog die Nase hoch und löste sich aus seiner Umarmung, um ihn anzusehen.
»Ich ... keine Ahnung.« Selbst wenn er die genau Antwort gehabt hätte, wollte er ihr nichts darüber sagen. Ändern konnte er dadurch eh kein Stück. Es würde nichts bringen, wenn er ihr mitteilen würde, das Dag ebenso noch sehr an ihr hängt, da er doch eh vorhatte, sie zu vergessen. »Wie war denn dein Treffen?« , kam stattdessen zusätzlich aus ihm raus. Er wollte einfach, dass sie irgendwie das Positive resultierend daraus sah. Denn sie war schließlich endlich einen Schritt weitergegangen ... selbst wenn sie Dag noch liebte.
»Gut.« Ihre Mundwinkel hingen immer mehr herab und ihm war klar, dass sie erneut kurz davor war zunehmender zu weinen.
»War es gut oder nich'?«
»Es war gut. Er war ... er war nett ... zuvorkommend ... hat mir Komplimente gemacht ...«
»Aber?« Auch hier wusste er die Antwort bereits und fragte sich deshalb selbst, warum er trotzdem nachfragte und weiter in der Wunde herumstocherte.
»Weil er nicht ... er ist.« Da startete die Heulerei erneut und zeitgleich kam Katja mit ihrem Schlüssel ins Studio herein.
Ihr Blick fiel erst auf ihre Freundin und dann auf ihren Mann. »Was hast du getan?«
»Nichts.« Vincent hob entschuldigend die Hände hoch, stand auf und machte seiner Frau platz, die sich neben Isabelle setzte.
»Was is' los?«
»Es fühlt sich so falsch an.« , jammerte diese.
»Das Treffen?«
»Ja. Er hat versucht, meine Hand zu halten. Also habe ich meine Arme so vor meiner Brust verschränkt.« Sie demonstrierte, was sie meinte. »Und dann bin ich wie so ein Zinnsoldat neben ihm gelaufen.«
»Das war ja auch dein erstes Treffen mit jemanden, nach ...« Vincent schüttelte mehrmals seinen Kopf, als Katja sprach, die daraufhin, direkt aufhörte.
»Nein ihr versteht das einfach nicht. Ja, ich war mal mit David zusammen, aber ... das zähle ich irgendwie nicht. In meinem Leben gab es immer nur Dag. Nur ihn. Und jetzt? Wie soll ich das, was wir hatten einfach vergessen?«
»Du sollst es ja nicht vergessen ... nur ...« Katja sah erneut zu ihrem Mann, der die Schultern anhob, weil er einfach keinen Plan hatte, was sie hätte sagen können. »Nein stopp.« , sagte sie plötzlich zu Isabelle. »Es reicht jetzt mit den Samthandschuhen.«
Verdutzt sah ihre Freundin sie an. »Was?«
»Du hast schon verstanden. Hör auf damit. Das hilft dir nicht.« Katja wurde ein wenig lauter. »Es ist, wie es ist. Du kannst daran nichts ändern. Ja, du kannst dich einschließen und dich selbst bemitleiden, oder aber ... du machst es wie Dag und lebst dein Leben einfach weiter.«
Isabelles Unterlippe zitterte. »Ich kann ...«
»Nein. Komm mir nicht wieder damit. Du hast dich mit diesem Mann getroffen. Und? War es so scheiße?« Sie schüttelte den Kopf aus Katjas Frage hin. »Also. Dann versteh' ich dein Problem nicht. Fühlst du dich, als würdest du Dag hintergehen? Weil, wenn ja ... das tust du nicht Süße. Er denkt wahrscheinlich gar nicht mehr an dich, weil er diese Kleine hat ...«
»Katja.« Vincent unterbrach sie, fing sich aber nur einen bösen Blick von seiner Frau ein, ehe diese weitersprach.
»Dag hat eine neue Frau an seiner Seite. Du kannst dich bemitleiden und ewig trauern oder aber du nimmst dein Leben in die Hand und wirst wieder glücklich.«
»Aber ...«
Katja legte ihre Hand auf Isabelles Mund. »Kein aber. Ich weiß, dass es sich für dich falsch anfühlen muss, aber ... Dag ist nicht mehr da. Und er wird auch nicht zurückkommen.«
»Aber ich liebe ...«
»Nein. Er wusste, wie sehr er dich verletzen würde, und dennoch hat er es getan. Du warst ihm in diesen Momenten immer egal. Oder denkst du, seine Gedanken kreisen momentan um dich? Nein. Er lebt weiter ... ohne dich.«
Ihre Lippe zitterte weiter, unabhängig davon nickte sie, weil ihr klar war, dass die Chance auf ein Happy End mit Dag nicht mehr greifbar war.
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Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)
Fiksi PenggemarBAND 3 »Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...« »Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich geb...