Kapitel 37

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Don Johnson - heartbeat

Joe saß bereits im Raum zum Nachsitzen, als Billy herein schlenderte. Sie waren zum Glück nicht die einzigen, die am heutigen Tag nachsitzen mussten. Er warf seinen Rucksack auf den Tisch neben Joe und setzte sich. Mr. Waters tippte ungeduldig mit dem Fuß auf dem Boden herum.

"Sie sind 5 Minuten zu spät, Mr. Hargrove." taldete er Billy.

"Tut mir Leid, Mr. Waters. Ich musste noch auf die Toilette." antwortete er unschuldig. Joe roch allerdings, dass er noch gemütlich eine Zigarette geraucht haben musste.

"Nun ja, sie alle wissen, wie das läuft. Ich will nichts hören. Beschäftigen sie sich ruhig." sagte Mr. Waters und setzte sich an das Lehrerpult.

"Schön diese Ruhe, oder?" sagte Billy und grinste sie an. Joe kramte in ihrem Rucksack nach ihrem Walkman und setzte sich die Kopfhörer auf. Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Wenn die Batterien noch durchhielten, ließ sich die Zeit so auch totschlagen. Joe hörte einen bunten Mix, bis sich ihr Magen bei den ersten Takten zu Heartbeat von Don Johnson zusammenzog. Sie wollte das Lied überspulen, aber es formte sich bereits ein Bild in ihrem Kopf. Eine Erinnerung, die sie bisher gut verschlossen wusste. Vor ihrem inneren Auge sah sie sich und Billy in seinem Auto. Die Fenster heruntergekurbelt und der Wind in ihren Haaren. Sie sangen gemeinsam schief und voller Inbrunst dieses Lied. Dieses Lied war ihres. Es gehörte nur ihnen beiden. Heartbeat, I'm looking for a heartbeat, beating like mine. Auf dem Weg nach Las Vegas hatten sie es zu ihrer Hymne werden lassen. Da war noch alles in Ordnung gewesen. Joe betätigte die Stop-Taste und atmete tief durch, bevor sie die Augen öffnete. Sie spürte, dass Billy sie musterte und zog ihre Englisch-Sachen aus dem Rucksack. Sie spulte das Tape in ihrem Walkman etwas vor und schaltete ihn wieder ein, in der Hoffnung, dass Heartbeat nicht nochmal erklang. Mit Judas Priest in den Ohren, widmete sie sich ihren Hausaufgaben und zwang sich kein einziges Mal zu Billy zu schauen.

Jemand riss ihr unsanft die Kopfhörer herunter und Joe blickte verwirrt auf. Sie hatte gar nicht mitbekommen, dass die Zeit herum war und die anderen Nachsitzer bereits aus der Tür schlurften.

"Wird's bald?" fragte Billy plötzlich scharf und Joe drehte über den veränderten Tonfall überrascht den Kopf in seine Richtung.

"Geh doch. Du musst nicht auf mich warten." herrschte sie ihn an und schob ihr Englischbuch in den Rucksack, aber Billy stand bereits neben ihr und zog sie hinter sich her. Genervt folgte sie ihm im Laufschritt. Im Korridor vor der Eingangstür ließ Billy sie los.

"Holt dein Freund dich ab?" fragte er und Joe verdrehte nur genervt die Augen. Sie lief auf die Schwingtüren zu und war in Begriff rauszugehen, als Billy sie zurück zog. Der verächtliche Ton mit dem er Freund aussprach, war Joe nicht entgangen. "Wenn er nicht da ist, fährst du mit mir." befahl Billy und zerrte an ihrem Arm. Joe kämpfte sich schnell frei und sah ihn an. Sie tippte sich gegen die Stirn.

"Gehts noch? Du bestimmst nicht über mich." lachte sie und rieb sich über den Oberarm. "Was ist überhaupt los mit dir?" Sein Gesicht war ausdruckslos, als er sich über die Unterlippe leckte und den Kragen seines Hemdes aufstellte. Joe funkelte ihn nur wütend an und weil er ihr nicht antwortete, setzte sie sich wieder in Bewegung. Billys Hand schloss sich wie ein Schraubstock um ihren Oberarm und er zog sie zurück. Sie prallte mit ihrem Rücken gegen seine Brust.

"Wo willst du hin?" fragte er leise und kühl. Joes Herz begann wild zu schlagen. Sie wollte ihm nicht so nahe sein.

"Nach Hause. Wonach sieht es denn aus?" entgegnete sie schnippisch. Billy strich ihr die Haare aus dem Nacken und beugte sich so weit herunter, dass Joe seinen Atem auf ihrer Haut spüren konnte. Sie bekam unwillkürlich eine Gänsehaut.

love like a hellfire [Eddie Munson]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt