Isabelle saß mit Ben in einem todschicken Café zu Mittag.
Sie trank an ihrem Getränk und lächelte ihm anschließend zu, als er irgendwas erzählte.
Die genauen Wortlaute hatte sie nicht mitbekommen, doch an seiner Mimik machte sie aus, dass es nichts Schlimmes sein konnte, weshalb sie auch schmunzelte und nickte.
Irgendwie war er der festen Überzeugung, dass sie durch die Sache auf dem Hof nun in einer Beziehung steckten. Und Isabelle beließ es dabei.
Wie sollte sie sonst etwas Neues anfangen?
Oder abschließen mit dem, was ihr entglitten war?!
Dass Dag auf ihre Mail nur mit einem Daumen hoch geantwortet hatte, verletzte sie. Sie hatte sich Mühe gegeben, ihm zu zeigen, dass sie dies wie Erwachsene regeln könnten ... auch wenn die Nachricht sehr bürokratisch rüberkommen musste, hätte er die Tiefe doch verstehen müssen. Aber anscheinend war es ihm egal.
Für ihn zählte wohl nur noch sein neues Glück.
Sie lächelte und nickte Ben abermals zu, als er etwas von sich gab.
»... und warum hast du es dann gemacht?« , fragte er sie nun.
Erwischt, dass sie doch nicht zugehört hatte, zog sie verlegen die Lippen ein, ehe sie antwortete. »Was genau?«
»Deine Haare. Wieso hast du sie dunkler gemacht, wenn du auch der Meinung bist, das Blond dir besser steht?«
»Ich war immer dunkel.« , gab sie mit rauer Stimme von sich.
»Okay. Ja, ich hab dich blond kennengelernt. Ich fand, das stand dir perfekt.«
»Ich hab mich nicht wohlgefühlt.« Sie trank erneut.
»Ich kenn' einen guten Hairstylisten. Wenn du willst, kann ich dir einen Termin ausmachen.«
»Für?« Sie runzelte die Stirn.
»Na ja ... wie gesagt fand ich das hellere an dir schöner. Da dachte ich ...«
»Da hast du falsch gedacht. Ich entscheide immer noch alleine, wie ich auszusehen habe.« , antwortete sie flink.
Ben rollte mit den Augen. »Ich meine es nur gut.«
»Is' ja okay. Jeder hat seine Meinung.«
»Bist du irgendwie ... schlechtgelaunt?«
»Nein.«
»Oder geht es dir immer noch nicht besser?«
»Doch.« , sagte sie. »Alles gut.«
»Ich war zumindest froh, das dein Test ein falsches Ergebnis angezeigt hat.« Er nahm einen Bissen seines Essens zu sich und sprach erst weiter, als sein Mund geleert war. »Du hättest direkt zum Arzt gehen sollen, statt dich selbst zu testen. Die zeigen oft das Falsche an.«
»Man macht halt nicht alles im Leben richtig.«
»Ich habe mit Çan übrigens die weitere Planung besprochen und wenn alles gut geht, dann ...«
»Welche Planung?« , fiel sie ihm ins Wort.
»Das Sommerfest. Weißt du nicht mehr? Ich werde das doch organisieren. Ein wenig schicker.«
»Für die Kinder?«
»Isabelle, hörst du mir eigentlich auch mal zu? Ich hatte dir doch gesagt, dass wir ein Fest machen wollen für eine größere Spenden-Gala. Den Kindern zugunsten.« , sprach er. »Çan wird da einige Dinge repräsentieren.«
»Ah. Ja. Ich erinnere mich.« Das tat sie nicht. Dies muss wieder mal zu einem Moment zurückzuführen sein, wo sie ebenso nur nickte und lächelte, gedanklich jedoch gar nicht anwesend gewesen war.
»Und halt dich fest. Ich habe Joel Brandenstein als Künstler bekommen.«
Sie lächelte. »Ah okay.«
»Ja. Ich hab ein wenig meine Connection genutzt. Wenn man die schon hat, sollte man sie sich auch zum Gebrauch machen. Oder nicht?«
»Natürlich.« Innerlich zählte sie auf, wen sie alles hätte einladen können. Schließlich kannte sie mehr Musiker persönlich. Dass Dag ebenso der Tonkunst angehörte, hatte sie Ben nie erzählt und dabei wollte sie es auch belassen. »Wann soll es stattfinden?«
»Ende August. Anfang September. Çan und ich schauen noch nach der richtigen Location.« Sie sah sich um und hoffte, dass es nichts zu Edles werden würde. Doch da Çan ebenso seine Finger mit im Spiel hatte, sah sie es Positiv. »Ich hatte übrigens zuerst Elif im Auge. Kennst du ihre Musik?«
Isabelle nickte. »Ja.«
»Ja sie macht derzeit ja bei diesem Format im Fernsehen mit. Sing meinen Song. Sagt dir das etwas?«
Abermals tätigte ihr Kopf ein Nicken. »Ja.«
»Sie macht ihre Sache gut. Ich kannte sie vorher gar nicht, aber Thea hört sie wohl öfters.«
Thea war Bens dreizehnjährige Tochter. Dann hatte er noch die siebenjährige Pauline und den fünfzehnjährigen Levin. Alle drei kannte Isabelle nur von Fotos. Da alle blonde Haare hatten, ging sie mal davon aus, dass Bens Ex-Frau, die sie gar nicht kannte, höchstwahrscheinlich eine waschechte Blondine sein musste.
»Ja sie kann gut singen.«
»Ich wusste übrigens gar nicht, das du auch singst.«
»Ich singe nicht.« , antwortete sie. »Ich habe früher gesungen.«
»Ja meinte ich doch. Çan hatte mir erzählt, dass ihr euch dadurch kennengelernt habt.« Er winkte die Bedienung an den Tisch, damit er bezahlen konnte, und stand auf, um danach Isabelle die Hand zu reichen und ihr aufzuhelfen. »Wieso hast du es aufgegeben?« , fragte er im weiteren Verlauf. »Laut Çan sollst du richtig gut sein.«
»Ich wurde Mutter und ... mein Leben hat sich halt verändert.«
»War es gewollt?«
»Meine Tochter?« Sie verließen das Gebäude und steuerten auch direkt seinen Wagen an, wo er, wie bereits gewohnt, ihr die Beifahrertüre öffnete und sie einsteigen ließ.
»Ja.« , sagte er.
»Natürlich. Also wir wollten ein Kind, aber wussten damals nicht, das sie bereits auf dem Weg war.«
»Du warst noch jung.« , meinte er, schloss die Türe, umrundete den Wagen und stieg ein.
»Anfang zwanzig.« , gab sie auf seine Aussage wieder.
»Möchtest du noch eins?«
Aus der Fassung gebracht sah sie ihn an. »Nein.« , sprach sie und dachte ein Ja. Damals sagte sie immer, sie wollte keinen Ersatz für Rio. Und auch jetzt war dem so. Einen Ersatz würde es niemals geben, aber sie hätte gerne noch ein Kind gehabt ... mit Dag.
»Okay.«
Im Radio begann ein Song und Isabelle starrte auf die Anzeige, die den Interpreten anzeigte.
»Ach, das ist auch von Sing meinen Song. Da diese Quatsch-Band. Die sind eigentlich gar nicht so untalentiert.«
Quatsch-Band ...
Sie rollte mit den Augen, wegen dieser Aussage und hörte gleichzeitig den neuen Song mit Clueso. Erst als Dags Part zu Ende war, sprach sie weiter. »Wieso fragst du?«
»Na ja. Ich muss doch wissen, was die Zukunft noch für uns bereitlegt.« Er lächelte sie an.
Die Zukunft ...
Es gab ein Leben vor Dag.
Eines mit Dag.
... und nun war sie zu einem Leben ohne ihn angelangt.
Isabelle sah sich abermals um. Dies war ihr neues Leben ... sie würde sich dran gewöhnen. Sie musste sich dran gewöhnen.
Natürlich hätte sie auch noch Stopp sagen und anderweitig weitermachen können, aber unterm Strich kam dasselbe bei raus.
Es war und blieb ein Leben ohne Dag.
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Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)
FanficBAND 3 »Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...« »Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich geb...