Dag sah Nia zu, die Niko alles Backstage zeigte, während David bei ihm und Vincent saß.
Heute war das Summerjam-Festival in Köln, weshalb dieser mit seinem Sohnemann auch direkt die Chance genutzt hatte, Vincent und Dag einen Besuch abzustatten, ehe die zwei auf die Bühne sollten.
»Wenn Nia will, kann sie ruhig während eures Auftritts bei uns bleiben.« , schlug David vor. »Wölkchen kommt später eh nach. Sie musste leider länger arbeiten.«
»Klar, wenn Nia möchte ... gerne.«
»Und wie läuft es so ... in Berlin?« Er wusste natürlich alles, aber wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen.
»Ganz okay.« , antwortete Vincent und zeigte per Schau-mal-meine-große-Augen-also-lass-das-Thema-bitte seine eigentliche Absicht.
David nahm dies natürlich wahr und nickte fast unmerklich. »Isabelle hatte uns von dem großen Event erzählt.« , meinte er schließlich und ihm fiel selbst auf, wie blöd er war, das Thema trotzdem weiterhin bei ihr zu belassen. Schuldbewusst blickte er zu Vincent und formte mit seinen Lippen ein stummes Sorry.
Dag drehte seinen Kopf zu ihm. »Was?«
»Ehm ... das Sommerfest, was von ihrer Arbeit aus stattfindet.«
»Oh okay.« , sprach er.
»Ja. Joel Brandenstein kommt wohl.«
»Sie hat einen Sänger engagiert?«
»Nein. Ihr Freund. Ehm ... ja dieser Typ halt.«
Vincent atmete hörbar laut ein und wieder aus. Natürlich wusste er von dem Sommerfest. Schließlich hatte seine Frau ihm schon ausführlich hiervon berichtet gehabt. Er überlegte jedoch, ob er eventuell doch mit der Sprache rausrücken und ihm davon berichten sollte, das Carla Isabelle alles gesteckt hat und das diese auch über die Nicht-Schwangerschaft Bescheid wusste. Doch dann würde sein bester Freund mit Sicherheit fragen, wieso sie ihm in dem Fall aus dem Wege ginge, statt ihm entgegen.
»... dich gefragt?« , hörte er plötzlich von Dag in seine Richtung fragen.
»Was?«
»Wenn sie doch Musiker gesucht hat, wieso kommt sie dann nicht auf die Idee dich zu fragen?« , stellte Dag seine Frage ein wenig anders.
Vincent zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung.« Er stand auf, denn er wollte nun doch nicht in eine Lage kommen, wo er eventuell wie eine Zitrone von ihm ausgequetscht werden würde. »Ich muss mir mal die Beine vertreten.«
Schwupps verschwand er.
»Sie liebt ihn nicht.« , meinte David zu ihm nach einigen stillen Sekunden.
»Und warum ist sie bei ihm?«
»Warum warst du bei deiner?« , stellte er als Gegenfrage.
Dag sah zu Boden, während seine Beine hinunter baumelten, da er mit David auf einem kleinen Mauervorsprung saß. »Ich liebe Isy.«
»Und du willst, dass sie es weiß?!« Er nickte. »Soll ich dir einen Tipp geben?« Dag nickte erneut. »Sag es ihr.«
»So einfach ist es nicht.«
»Es ist nur so kompliziert, wie du es dir selber machst.«
»Doch ... irgendwie aber schon.«
»Dag, diese Frau liebt dich seit Ewigkeiten. Und ja ihr hattet jetzt einen Rückschlag, der euch beide zu Boden geworfen hat, aber das heißt noch lange nicht, das ihr alles aufgeben solltet, was euch verbindet.«
»Ich will es doch nicht aufgeben, aber ...«
»Du denkst, sie will das?«
Dags Schultern hoben sich kurz an. »Ich weiß es nicht. Sie ... sie ist abgehauen. Sie wollte mich nicht sehen. Sagt das nicht genug aus?«
»Spulen wir die Kassette mal zurück, als Isabelle schonmal vor dir geflohen ist.«
»Das war etwas anderes. Ich hab' ihr dieses Mal beschissen wehgetan.«
»Ihr habt beide Fehler gemacht und ihr seid alt genug, euch diese einzugestehen.«
»Das heißt nicht, das sie mir verzeihen wird.«
»Natürlich ist das nicht leicht und es wird harte Arbeit sein, ihr neues Vertrauen zu schenken, aber du musst wissen, ob du das für dich willst.«
»Ich will sie.« , formulierte er.
»Sag es ihr.«
»Und wenn sie mir sagt, das sie doch ein Leben mit ihm bevorzugt?«
»Meinst du, dann hätte sie mit dir geschlafen?« , ertönte Vincents Stimme, als dieser sich wieder näherte. »Sie weiß übrigens mittlerweile, das du mit Carla auseinander bist.« , fuhr er ohne Pause weiter fort. »Isabelle hat sie zufällig beim Einkaufen getroffen.«
»Oh.«
»Es ist nichts geschehen, außer ein kleines Wortgefecht.« , erklärte Vincent rasch.
»Sie weiß es?! Alles?«
»Sie weiß auch, das du derzeit nicht Vater wirst.«
Dag wusste ja mittlerweile, dass sein bester Freund seiner Frau gegenüber nichts für sich behalten konnte. Und dass diese es irgendwann weitersagen würde, war keine Verwunderung. Die Frage jedoch, wieso Isabelle immer noch kein Gespräch suchte, drehte sich in seinem Kopf wie ein Karussell ... bis er im Alleingang die Antwort fand. »Sie vertraut mir nicht.« , sprach er zu sich selbst, aber dennoch laut genug.
»Sie hat Angst.« , fügte Vincent dem hinzu.
»Ich würde ... wie ... wie kann ich ihr beweisen, das sie mir vertrauen kann?«
»Na ja ...« , begann David. »Mein erster Impuls sagt, entschuldige dich, aber ob dies so gut wäre ... ich weiß nich'?!«
Vincent wusste, was Katja davon halten würde ... sie meinte es im Grunde nur gut, aber übersah dabei, dass beide es seelisch irgendwie hinbekommen wollten. »Ach scheiß drauf.« , sagte er, meinte damit jedoch das, was seine Frau für richtig hielt und nicht Davids Aussage. Vincent war nämlich der festen Überzeugung, dass Isabelle genauso einen Neubeginn wollte, wie Dag. »Geh zu ihr. Red' mit ihr. Entschuldige dich nicht mit einem Es-tut-mir-leid-Getue. Denn ihr beide könnt euch den Schuh anziehen. Ihr habt beide Scheiße gebaut, wenn es nach dem Schuld-Prinzip geht. Aber was du tun solltest, fang bei dir an. Hör auf, dich in Selbstmitleid zu suhlen, und vergib' dir selbst. Niemand ist perfekt. Es wird normal sein, dass der Anfang schwer sein wird, falls ihr wirklich wieder einen Neuanfang startet, aber damit musst du klar kommen. Du wolltest die ganze Zeit Normalität, und genau das wird es sein.«
»Er hat Recht.« , stimmte David dem zu.
»Je nachdem kann es Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern, bis sie das komplette Vertrauen in dich wiedererlangt hat, aber damit wirst du leben müssen.«
Dag dachte über seine Distanziertheit, was das Social-Media-Life anging. Vielleicht sollte er dies auch so belassen. Er sprang von der Mauer runter. »Ich werd' mit ihr reden.«
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Reißen wir uns gegenseitig raus, oder reiten wir uns rein (Band 3)
FanfictionBAND 3 »Ich will keinen Streit mit dir. Ich will das wir uns beide wie erwachsene Menschen verhalten und ...« »Ich verhalte mich erwachsen oder siehst du, das ich gerade kindisch bin?« , sprach Carla. »Ich weiß, das zwischen uns mehr ist und ich geb...