56 LIZ ‖ Dead inside

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🎵 Dead Inside - Nita Strauss, David Draiman & Disturbed

🎵 Alegria, Nita Strauss

Heute blendet mich kein Scheinwerferlicht und ich bedaure es zutiefst, denn ich kann sie sehen. Ich kann nicht gerade behaupten, dass diese Tatsache dazu geeignet ist, meine sowieso schon im Übermaß vorhandene Nervosität zu beruhigen.

Nita Strauss.

Mit ihrer unverwechselbaren, langen, platinblonden Mähne und den rauchgrau geschminkten, großen, blauen Augen sitzt die zierliche Person auf einem Stuhl mitten im Saal, vor sich einen Tisch, auf dem Unmengen an Blättern liegen. Sie trägt ein enges, schwarzes Top mit dem gut leserlichen, hellen Print 'Ego kills talent'.

'Ja, Liz. Lass dir das gesagt sein', ermahne ich mich innerlich. Doch wenn es wirklich so ist, sollte ich derzeit mit unfassbar viel Talent gesegnet sein, denn mein Ego ist quasi nicht mehr existent.

Links und rechts von ihr sitzen zwei Typen mittleren Alters im Rockerstyle, beide tragen dunkelgraue 'Nita Strauss Tour' T-Shirts. Der Linke hält sich mit einer schwarz-weißen Bandana seine schulterlangen, dunklen Haare aus der Stirn und sein Kinn ziert ein kleines Ziegenbärtchen. Die Haare des Rechten sind hellbraun, kurz und lässig verwuschelt.

Mein Blick richtet sich auf Nita. Schon seit vielen Jahren ist sie mein großes Idol. Sie ist Inspiration und Ansporn, mich reinzuhängen und noch besser zu werden. Nun stehe ich ihr tatsächlich Auge in Auge gegenüber und es fühlt sich so unwirklich an, als wäre das alles ein Traum. Ob daraus ein schöner Traum oder ein Albtraum wird, stellt sich demnächst heraus.

Nita wird mich gleich anhören und wenn ich sie überzeugen kann, dann besteht die Möglichkeit, dass sie mich unter ihre Fittiche nimmt und ich sie auf ihrer Tour begleiten darf.

Eine Riesenchance. Wahnsinn. Unglaublich.

Doch wie schnell Träume verpuffen können und dann nichts als Leere hinterlassen, weiß ich inzwischen nur allzu genau.

Stumm bewegen sich meine Lippen, denn ich flehe leise darum, dass sie nicht ausgerechnet einen meiner drei Risikosongs hören will. Mut zur Lücke habe ich hiermit bewiesen. Ich kann nur hoffen, dass sich das auch auszahlt.

Nita und die unbekannten Männer sitzen in der Mitte eines kleinen Konzertsaals am Stadtrand von L.A. und sind in ein angeregtes Gespräch vertieft. Ich höre ihre leisen Stimmen, kann aber nicht verstehen, was sie sagen. Dafür rauscht das Blut viel zu laut in meinen Ohren, dafür klopft mein Herz viel zu heftig gegen meine Brust.

Mein ruheloser Blick trifft auf Jo, Pat, Veronica und Jacob, die im hinteren Teil des Saales zusammen an der Wand stehen. Die Anwesenheit von einigen der wenigen Menschen, die ich mag und denen ich noch vertraue, erfüllt mich auf einmal mit einem Gefühl von Sicherheit und Zuversicht. Jo hat Veronica und Jacob gleich nach dem Herbstball alles gestanden und im Gegensatz zu Luke haben sie Verständnis gezeigt. Dass sie mich heute unterstützen und nicht sauer auf mich sind, bedeutet mir viel. Meinen Blick fest auf meinen Bruder und meine Freunde gerichtet, beruhigen sich auch mein Herzschlag und meine Atmung endlich wieder.

Ich werde einfach mein Bestes geben und so viel von dieser Erfahrung mitnehmen, wie es geht – selbst, wenn ich es nicht schaffen sollte.

Erst als ich neben mir auf der Bühne Geräusche und Bewegungen wahrnehme, wende ich den Blick von meinem Fanclub ab. Aus einer Tür auf der rechten Bühnenseite betreten drei Typen den Schauplatz, alle kommen zielstrebig nacheinander auf mich zu, nennen mir ihre Namen, die ich Sekundenbruchteile später schon wieder vergessen habe, klatschen mit mir ab und begeben sich dann an ihre Instrumente. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Kerle nicht mal richtig wahrgenommen, so fokussiert bin ich auf meinen Auftritt. Sie könnten im Clownskostüm neben mir stehen, es würde mir nicht auffallen.

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