-TWENTY-NINE-

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Ivory

„Happy Birthday, kleine Schwester", sagte Ash zu mir, während er mich fest in seine Arme schloss. „Danke. Du warst gut heute", sagte ich zu ihm, als ich mich aus seinen Armen löste. Heute war mein Geburtstag und die Jungs hatten eben ein Spiel gehabt, das sie knapp gewonnen hatten. Keith hatte kurz vor Ende den entscheidenden Pass von Ashton gefangen. „Danke. Weißt du zufällig, wo Hope ist? Ihr seid doch gemeinsam beim Spiel gewesen?", wollte mein Bruder von mir wissen. „Hope ist an deinem Auto und wartet dort auf dich", antwortete ich ihm. „Okay. Stört es dich, wenn ich zu ihr gehe, oder soll ich mit dir warten?" Ich schüttelte den Kopf. „Geh ruhig. Wir treffen uns später im Diner", antwortete ich ihm sofort. Die Jungs hatten beschlossen, dass ich meinen Geburtstag auf jeden Fall feiern musste. Vor allem nach der schwierigen Zeit, die hinter mir lag. Nach unserer Rückkehr aus Boston vor einigen Wochen hatte ich wieder eine Therapie angefangen. Den Therapieplatz hatte ich bekommen, da Keith noch bevor wir nach Hause geflogen waren Grace angeschrieben hatte, ob sie eine gute Therapeutin kannte. Zufälligerweise hatte eine Freundin von ihr gerade einen Platz frei, den ich sofort bekommen hatte. Seitdem war ich einige Male dort gewesen und fühlte mich dadurch auch schon um einiges besser. „Okay, dann bis später Geburtstagskind", verabschiedete Ash sich von mir. Die nächste Person, die aus der Kabine kam, war Keith. Als er mich entdeckte, schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen. Ich nahm mir eine Sekunde Zeit, um ihn zu mustern, während er auf mich zu kam. Er trug eine dunkelgraue Jogginghose und dazu einen passenden Hoodie mit dem Logo unseres Footballteams. Seine dunklen Haare lagen ein wenig wirr auf seinem Kopf und seine blaugrünen Augen funkelten. „Hey", begrüßte ich ihn, als er schließlich bei mir ankam. „Hey. Der Touchdown war für dich", begrüßte er mich, dabei zog er mich ganz selbstverständlich an sich und drückte mir einen unschuldigen Kuss auf die Lippen. „Du warst unglaublich gut heute", sagte ich zu ihm, bevor ich mich vorbeugte und ihn küsste. Keith erwiderte den Kuss nur allzu gerne. „Wollen wir nach Hause gehen?", fragte er mich, nachdem wir uns voneinander lösten. „Stopp. Wir wollen erst noch Ivory gratulieren", kam es von Nolan, der gerade gemeinsam mit Cooper und Ace aus der Kabine kam. „Also Happy Birthday", sagte Nolan zu mir, dabei schloss er mich in seine Arme. Danach gratulierten mir noch Ace und Cooper. „Wir treffen uns später im Diner, das steht doch noch?", wollte Ace von mir wissen, während wir alle gemeinsam zu unseren Autos liefen. „Ja, das steht noch", versicherte ich ihm. „Dann bis später", verabschiedeten sich die Jungs von uns. Ich ließ mich auf den Beifahrersitz von Keiths Auto sinken, der gerade neben mir auf dem Fahrersitz Platz nahm und kurz darauf den Motor startete. „Freust du dich auf später?", wollte Keith von mir wissen. „Ja, aber von mir aus hätten wir uns auch einfach alle bei uns treffen, Pizza essen und zocken können", antwortete ich ihm ehrlich. Laut den Jungs war es eine Tradition, dass man Geburtstage im Diner feiert, jedoch wäre es für mich wirklich völlig in Ordnung gewesen, wenn wir zu Hause geblieben wären. „Das können wir, wenn du möchtest noch machen, wenn wir später nach Hause kommen", schlug Keith mir vor. „Wenn wir dann nicht zu müde sind."

Keith und ich waren die letzten, die im Diner ankamen. „Da seid ihr ja endlich", begrüßte Ash uns, als wir ankamen. „Sorry, ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mich für ein Outfit entschieden habe", antwortete ich meinem großen Bruder ehrlich. Als ich in unsere Runde schaute, stellte ich fest, dass eine Person fehlte. „Wo ist Hope?", wollte ich von meinem Bruder wissen. Eigentlich war ich fest davon ausgegangen, dass sie heute Abend auch mitkommen würde. „Ihr ging es nicht so gut, deswegen ist sie zu Hause geblieben", antwortete er mir. Netterweise hatten die Jungs Keith und mir zwei Plätze nebeneinander freigehalten. Nachdem die Bedienung unsere Bestellung aufgenommen hatte, redeten wir erst einmal noch kurz über das heutige Spiel der Jungs. „Bleiben wir eigentlich den ganzen Abend hier, oder gehen wir danach noch woanders hin?", wechselte Ace dann schließlich das Thema. „Gibt es denn etwas, wo wir danach hingehen könnten?", hakte ich nach. Zwar lebte ich jetzt seit einiger Zeit in San Francisco, aber ich kannte noch immer keine Bars oder ähnliches, in denen man seine Zeit verbringen konnte. „Also in Clubs kommen Cooper und du nicht rein, das fällt also schonmal weg. Aber hier in der Nähe finden wir sicherlich eine Bar, in die wir gehen können, oder wir fahren zu uns und zocken", antwortete Nolan mir. „Man könnte auch an den Strand fahren, von dem aus man die Golden Gate Bridge sieht", schlug Keith neben mir vor. „Ich würde sagen das entscheiden wir einfach spontan nach dem Essen", beschloss ich schließlich. Wer weiß, wo es uns heute Abend noch hin verschlagen würde. Schlussendlich entschieden wir uns dafür an den Strand zu fahren, von dem aus man einen perfekten Blick auf die Golden Gate Bridge hatte, jedoch würde wir dort sicherlich nicht allzu lange bleiben, da es mittlerweile kalt geworden war. „Ich liebe diesen Ausblick von hier aus", sagte ich leise zu Keith. Wir liefen Hand in Hand ein wenig hinter den Jungs, die sich gerade lautstark über das Ergebnis irgendeines Collegefootballspiels unterhielten. „Ich auch", antwortete er mir. Dabei entging mir nicht, dass er mich anstatt die Golden Gate Bridge anschaute, deren Lichter auf eine wunderschöne Art und Weise vom Wasser reflektiert wurden. Zugegebenermaßen schaute ich mittlerweile auch Keith und nicht die Golden Gate Bridge an. „Ich muss dir zu Hause noch dein Geschenk geben", sagte Keith zu mir. „Ich habe mir doch gar nichts gewünscht", antwortete ich ihm ein klein wenig verwirrt. „Ich weiß und es ist auch wirklich nur eine Kleinigkeit, aber ich denke, dass du dich darüber freuen wirst", versicherte er mir. „Kommt ihr zwei jetzt endlich mal?", rief Ace, da die anderen mittlerweile ein ganzes Stück vor uns waren. Ich lachte und Keith stimmte mit ein, dabei liefen wir zu den anderen. „Wir dachten schon, dass ihr gar nicht mehr kommt, sondern hierbleibt", scherzte Cooper. „Möchtest du noch etwas machen?", fragte mein Bruder mich. „Ich glaube ich möchte nach Hause. Der Tag war wirklich schön Jungs, aber vielleicht können wir den Teil mit zocken auf die Tage verlegen", antwortete ich. Sofort stimmten die Jungs mir zu und damit war es beschlossene Sache. „Wir müssen dir noch unser Geschenk geben, aber das können wir gleich am Auto machen", sagte Nolan. „Ich hab euch doch gesagt, dass ihr mir nichts schenken müsst", protestierte ich. „Keine Sorge, es ist wirklich nur eine Kleinigkeit", versicherte Cooper mir. An den Autos angekommen, öffnete Nolan den Kofferraum seines Autos und zog einen Karton heraus. „Alles Gute", sagten Nolan, Ace und Cooper im Chor, bevor ich das Geschenk öffnete. Im Karton befand sich ein Trikot des Footballteams der Jungs. Vorsichtig holte ich das Trikot heraus, um es besser anschauen zu können. Auf dem Rücken prangte die 94 und mein Name. „Wir dachten uns da Ace die 95 hat und ich die 93 habe, wäre es passend, wenn du die 94 bekommst. Dann musst du Arme auch nicht immer ein Trikot mit Keiths Nummer tragen", erklärte er mir. Den zweiten Satz sprach er jedoch voller Ironie aus. „Danke Jungs, das ist wirklich süß von euch." Nachdem ich Keith den Karton mitsamt Trikot in die Hand gedrückt hatte, zog ich die drei Jungs in eine Gruppenumarmung.  

Strong SideWo Geschichten leben. Entdecke jetzt