Prolog

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Harry seufzte, klappte das Buch zu und ließ sich nach hinten in den Sessel sinken.

„Was ist denn los?", seine Mutter Anne sah zu ihm rüber, lächelte.

„Ich kann mich einfach nicht wirklich konzentrieren. Diese Omegasache macht mir wirklich zu schaffen.", er fuhr sich durch die Haare, warf das Buch auf den Tisch vor sich und griff nach der Kaffeetasse, die schon halb leer war.

„Ich weiß, es ist viel Druck, dem du jetzt unterliegst, aber es ist einfach wichtig für das Rudel.", ihr Lächeln war warm und auch traurig. Sie hatte nicht gewollt, dass ihr Sohn bereits mit Ende Zwanzig in diese Art der Bredouille kam. Aber nachdem ihr Mann vor einem Jahr bei einem Autounfall tödlich verunglückt war, musste Harry nun leider frühzeitig sein Amt als Alpha des Styles Rudels übernehmen.

„Aber warum muss ich denn so früh schon nach einem Partner suchen? Es ist doch für das Rudel egal, ob ich nun verheiratet bin und eine Luna habe oder nicht. Du bist doch noch da. Du hast deine Aufgaben doch nicht hingeworfen, nach dem Tod von Dad.", sagte er einmal mehr und die langhaarige Frau stand auf, legte ihrem Sohn beruhigend einen Arm um die Schulter.

„Nein, ich behalte meine Ämter, das ist korrekt. Dennoch ist es wichtig für ein Rudel, dass du eine Partnerin oder einen Partner an deiner Seite hast. Diese Person wird dich erden, wird dir den Rücken stärken und natürlich auch bei offiziellen Anlässen ein Aushängeschild für unser Rudel sein."

Harry seufzte lautstark, ließ den Kopf in den Nacken fallen.

„Warum kann nicht Gemma den Job übernehmen? Bei den Menschen gibt es doch auch die Gleichberechtigung. Da sind auch Frauen in den Führungsetagen. Warum ist es bei uns so dämlich geregelt, dass nur der männliche Nachkomme das Rudel führen kann?"

Anne schüttelte den Kopf. Sie wusste nicht, wie oft sie diese Diskussion schon geführt hatten. Immer wieder hatte Harry versucht, Gemma die Position zuzuschieben, die sein Vater innegehabt hatte, aber es gab nun einmal Regeln und Gesetze bei den Lykantrophen und die konnten nicht gebrochen werden.

„Das geht nicht und darüber haben wir oft genug diskutiert, Harry. Bitte, ich habe nicht schon wieder Lust darauf.", sie stand auf, ging zum Fenster rüber und sah auf die Straße hinaus. Sie lebten in einer kleinen Siedlung nördlich von San Francisco. Die Siedlung bestand nur aus Lykantrophen, aber trotzdem hatten alle normale Jobs in der Stadt und lebten im Normalfall das Leben eines Menschen. Einzig und allein die Möglichkeit sich zu verwandeln, und die Regeln und Gesetze, nach denen sie lebten, waren anders. Natürlich auch die Naturverbundenheit, denn an den Wochenenden und zu Vollmondnächten waren sie meist in ihrer tierischen Gestalt in den Wäldern unterwegs, lebten das aus, was sie in ihrer Zweitgestalt waren.

„Aber ich habe doch nicht Medizin studiert um jetzt hier nur noch Rudelkram zu machen. Ich wollte das nie!", er hörte sich selbst reden, dachte daran, dass er sich wirklich wie ein kleines Kind anhörte, aber er hasste es, fremdbestimmt zu sein.

„Harry!", langsam wurde Anne sauer. „Niemand sagt, dass du deinen Job komplett aufgeben musst, aber dann arbeitest du eben nicht mehr in der Klinik, sondern eröffnest eine Praxis."

Er schnaubte. Sein Studium war bereits durch und er hatte gerade den Facharzt fertig und eine Assistenzarztstelle im hiesigen Krankenhaus bekommen. Sein Traum war es schon immer irgendwann eine Intensivstation zu leiten, doch das konnte er damit nun vergessen. Hausarzt konnte er werden hier draußen, Husten behandeln, einen verstauchten Knöchel, aber um das Leben seiner Patienten kämpfen wohl eher nicht mehr.

„Super. Ganz toll.", nun stand auch er auf, warf dabei fast die Tasse um und knurrte hörbar.

„Nun mach aber mal einen Punkt.", sie fuhr herum. „Vielleicht solltest du dir mal klar werden, wie privilegiert du eigentlich bist. Du bist aufgewachsen wie ein kleiner König. Dein Vater und ich haben dir immer alles ermöglicht, was du wolltest und nun ist es an der Zeit, dass du deinen Job erfüllst. Niemand sagt, dass du deinen Traum als Arzt an den Nagel hängen sollst, aber eben anpassen, an die Bedürfnisse des Rudels. Und wenn du eine passende Luna gefunden hast, wird sie oder er dir sicher einiges davon abnehmen und du kannst dich mehr auf deine Karriere konzentrieren."

XXX

Harry hatte seine Aufgaben für das Rudel einfach ignoriert. Gemma und seine Mutter hatten immer wieder auf ihn eingeredet, doch umso mehr sie ihn versuchten in eine Ecke zu drängen, umso mehr verschloss er sich und konzentrierte sich auf seine Arbeit im Krankenhaus. Oftmals schlief er sogar dort, blieb unter der Woche komplett in San Francisco und kehrte nur am Wochenende ins Rudel zurück.

In der Zeit kümmerte sich der Beta seines Vaters um die Geschicke des Rudels. Auch dieser hatte mehr als einmal versucht, auf den jungen Mann einzureden, versucht, ihn dazu zu bringen, doch die Verantwortung zu übernehmen.

„Er wird uns den Kopf abreißen.", Anne sah Steven an, der grinsend nickte.

„Das wird er, aber mit etwas Glück wird ein Omega dabei sein, der ihm gefällt. Wir können das nur hoffen, für ihn und für das Rudel. Bisher sind hier in der Siedlung noch alle recht entspannt, aber man merkt, dass geredet wird. Alle sind der Meinung, dass er alt genug ist jetzt den Job zu übernehmen und das er sich nicht länger davor drücken kann."

Die Mutter des Alphas lächelte. „Sie haben alle recht. Vermutlich haben wir ihn einfach all die Jahre viel zu sehr verwöhnt, als das er jetzt seinen Egoismus zurückstellen kann. Er hat mehr das Leben eines normalen Menschen gelebt, als das eines Lykyntrophen. Ich weiß gar nicht, wann er das letzte Mal mit uns im Wald laufen war, an den Wochenenden. Dennoch muss er seinem Rang und seinem Familienerbe Tribut zollen. Er muss seinen Job als Arzt ja nicht aufgeben. Wenn wir vielleicht dafür sorgen würden, dass er eine eingerichtete Praxis bekommt? Wir ihn damit quasi überraschen. Meinst du das könnte helfen?"

Steven fuhr sich durch die hellbraunen Haare, die bereits mit weißen Strähnen durchzogen waren. „Möglich. Aber lass uns erstmal das Wochenende und die Feier abwarten. Vielleicht fügt sich ja dann bereits alles ein wenig in die richtige Richtung."

Sie nickte. „Wie viele Omegas werden da kommen?", fragte sie nun und er kramte sein Handy raus, tippte einen Moment herum.

„Es sind 5 Familien, die kommen werden. Zwei Omega-Damen und drei Omega-Männer. Da sollte schon was dabei sein."

Anne grinste. „Für eine Nacht möglicherweise schon. Ein Kostverächter ist er ja nicht gerade. Aber ob es DER Omega für ihn wird... warten wir ab und hoffen das Beste!"

XXX

Hallo meine Lieben,

herzlich willkommen zu meiner neuen Werwolfstory. Schön, dass Ihr da seid! 

Euch erwartet wie immer bei mir Drama, Liebe und Herzklopfen. Triggerwarnungen wird es wenn nötig am Anfang des jeweiligen Kapitels geben. Smut werde ich ebenfalls kennzeichnen sodass Ihr diesen ggf. überspringen könnt, solltet Ihr derartige Szenen nicht lesen wollen. 

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr aktiv an der Story teilnehmen würdet, diskutiert gern mit, schreibt mir Eure Kritik oder Eure Anregungen in die Kommentare oder auch per PN und natürlich würde ich mich auch über ein Lob und Sternchen freuen, wenn Euch die Geschichte gefällt. 

Widmen möchte ich diese Story der lieben @Salli246 die mir nicht nur die Inspiration zu dieser Geschichte gegeben hat, sondern mir auch immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Danke, dass ich Dich kennenlernen durfte und Du jetzt mein Leben bereicherst!

Updates wird es voraussichtlich mindestens einmal die Woche geben. Morgen jedoch werdet Ihr auf alle Fälle das erste Kapitel von mir zu lesen bekommen.

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß!

Eure Schäfchenbetreuerin

Unwanted Leadership (Alpha/Omega) - Larry Stylinson AUWo Geschichten leben. Entdecke jetzt