The cold and the warmth

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Alhaitham wusste nicht, wie er sich fühlen sollte, als er schließlich einem immer noch leicht nassen Kaveh die Tür aufmachte. Anstatt einer Begrüßung wurde er angeniest. Angeekelt verzog er das Gesicht und ließ den anderen hinein. Für einen kleinen Moment fragte er sich, ob er zu weit gegangen war. Aber eigentlich war es doch Kavehs eigene Schuld, wenn er bei so einem Wetter keinen Schirm mitnahm, oder?

"Nimm am besten erstmal ein warmes Bad...", murmelte Alhaitham schließlich.

"Ja was denkst du, was ich vorhatte?!!", fauchte Kaveh und warf seine Tasche und Jacke an die Heizung. Dabei nieste er laut. Alhaitham zuckte zusammen. Inbrünstig hoffte er, dass Kaveh nicht krank werden würde. Das würde ihn noch unerträglicher machen.

"Hier... ist dein Schlüssel...", sagte er etwas kleinlaut und drückte ihm diesen in die Hand.

"Danke", murmelte Kaveh und nahm ihn. Alhaitham ging davon aus, dass er nicht realisiert hatte, dass er ihn eingesteckt hatte. Das war noch einmal gut gegangen. Er zog sich auf das Sofa zurück und nahm sich ein Buch. Im Hintergrund hörte er Kaveh, wie er im Bad das Wasser anstellte und weiter herumlief. Ein warmer, weicher Duft eines einfließenden Schaumbads breitete sich kurz in der Wohnung aus, bis Kaveh schließlich im Bad verschwand.

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Kaveh genoss das Bad, es fühlte sich an, wie eine warme, unendlich lange Umarmung. So etwas fehlte ihm sehr. Doch aufgrund seiner zahlreichen Projekte hatte er wenig Zeit, auszugehen und sich vielleicht auf die Suche nach der Liebe zu machen. Sein Kumpel Kaeya war sowieso der Meinung, seine Erwartungen seien utopisch. Seine anderen Freunde, Tighnari und Cyno, verdrehten auch nur die Augen, wenn er ihnen von ehemaligen missglückten Dates erzählte. Vielleicht sollte er sich einfach damit abfinden, dass die meisten Menschen Arschlöcher und keine Goldschätze waren.

"Aber schlimmer als Alhaitham kann keiner sein", murmelte er schließlich. Er schnipste in den Schaum. Von nun an würde er jedes Mal, wenn er das Haus verließ, akribisch nachsehen, ob er seinen Schlüssel auch bei sich hatte.

Nachdem er fertig gebadet hatte, zog er sich gemütlich an und blieb in seinem Zimmer. Er verbrachte den Abend alleine und ging irgendwann schlafen. Doch obwohl er gut zugedeckt war, begann er zu frieren. Er holte sich eine weitere Decke, doch es nutzte nichts. Und da war es wieder. Hatschi.

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Alhaitham schlief nicht sonderlich gut, weil er des nachts Geräusche wahrgenommen hatte. Mit leichten Kopfschmerzen quälte er sich am Morgen aus dem Bett und wollte sich einen Kaffee machen. In der Küche angekommen, begegnete ihm ein zusammengesunkenes, blasses Etwas, das die Nahrung vor sich auf dem Teller ebenso wie eine halbleere Teetasse, komplett ignorierte. Plötzlich überfuhr ein Schaudern den zierlichen Körper, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Niesanfall, der den Grauhaarigen zusammenzucken ließ.

"Kaveh...", murmelte er.

"Ja?", krächzte Kaveh mit zerstörter Stimme. Ein Hustenanfall direkt aus der Hölle war die Folge.

"Du gehst heute nicht so zur Uni, oder?", fragte Alhaitham.

Kaveh zuckte nur mit den Schultern. "Ich stecke eh nur alle an", murmelte er.

"Hmm", murmelte Alhaitham als Antwort und wendete sich wieder seinem Kaffee zu. Jetzt hatte er schon nur eine Vorlesung am Nachmittag, aber wurde von einem Schwerkranken belagert. Langsam gab er sich jedoch selbst die Schuld. Das alles wäre wohl nie passiert, wenn er nicht seinen Schlüssel eingesteckt hätte, vermutlich.

"Was?!!", fragte Kaveh schließlich. Alhaitham ertappte sich dabei, dass er ihn wohl zu lange angesehen hatte.

"Willst du nicht mal dein Brötchen essen?", fragte er und biss sich auf die Lippe. So sanft hatte er dabei eigentlich nicht klingen wollen. Aber irgendwie hatte er vermutlich Mitleid.

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Kaveh sah sein Gegenüber mit großen Augen an, als er ihm den Teller mit dem Brötchen entgegenschob. In so einer sanften Tonlage hatte er noch nie mit ihm geredet. Er wusste gar nicht, dass er überhaupt so klingen konnte.

"Ja... vielleicht...", stammelte er überrascht und nahm das Brötchen in die Hand. Fast klang es wie Fürsorge. So wie jemand mit einem geliebten Familienmitglied oder sehr guten Freund spricht. Kaveh ließ es komplett verwirrt zurück. Er mag mich doch nicht mal, ging es ihm durch den Kopf, als er schließlich überfordert in das Brötchen biss.

"Gut. Du musst nämlich etwas essen", murmelte Alhaitham und drehte sich weg, auch etwas verwirrt, offenbar.

"Danke, dass du dich um mich kümmerst", huschte es von Kavehs Lippen. Doch bevor er überlegen konnte, ob es angebracht war, so etwas zu sagen, hatte er es auch schon ausgesprochen.

"Hmm. Ich habe nur keine Lust, mir ewig dein lautes Gehuste und Geniese anzuhören. Es nervt nämlich", grummelte Alhaitham.

"Jaja...versteh schon", erwiderte Kaveh und lachte beziehungsweise hustete gleichzeitig. Da war er wieder, das altbekannte Arschloch. Aber irgendwie hatte er zuvor auch etwas anderes in seinem Blick und seiner Stimme gespürt. Nur was genau? Nachdenklich sah er ihn an. Er wusste nicht, wie er das verstehen durfte. Dennoch war es interessant zu wissen, dass Alhaitham auch anscheinend eine andere Seite hatte. Wenn er nur wüsste, wie er mit ihm umgehen sollte, dann würde ihr Zusammenleben in der WG vielleicht auch durchaus entspannter werden...

Mit einem Lächeln auf den Lippen aß Kaveh sein Brötchen, trank seinen restlichen inzwischen kalten Tee und bemerkte, dass Alhaitham schweigend neben ihm seinen Kaffee trank, ihm aber nicht von der Seite wich. Auch wenn es vielleicht nicht die Gesellschaft war, die er bevorzugte, tat es gerade nur unheimlich gut, nicht alleine zu sein.


Roomrivals - or I wish we never metWo Geschichten leben. Entdecke jetzt