11. Kapitel (Albus)

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Die warmen Sonnenstrahlen des nächsten morgen kitzelten mich wach. Nach einigen Sekunden, in denen ich mir den Schlaf aus den Augen blinzelte, fiel meine Aufmerksamkeit auf einen Gitarre spielenden Gellert. Mit einer Falte der Konzentration zwischen seinen Augenbrauen sah er auf seine schlanken Finger hinab und schien nicht bemerkt zu haben, dass ich bereits wach war. Angestrengt versuchte ich mich an gestern Abend zu erinnern und warum ich nicht zuhause war, sondern... wo war ich überhaupt? Langsam richtete ich mich auf, jedoch rieb ich mir an meinem Kopf, als ich bemerkte, dass dieser ziemlich stark schmerzte. Meine Gedanken wurden nach und nach klarer und ich erinnerte mich wieder fast vollständig an gestern Abend zurück. Ich war umgeknickt und Gellert hatte mich hier her gebracht. Er spielte mir etwas auf der Gitarre vor und ich wollte ihn... küssen? Aber er hatte mich abserviert? Ein stechender Schmerz breitete sich in meiner Brust aus, als diese Erinnerung auftauchte, der meine Kopfschmerzen beinahe überspielte. Das im Pub war anscheinend alles nur ein Spiel für ihn gewesen, obwohl ich schwören konnte, dass da etwas in seinen Augen lag, immerhin hieß es ja immer, die Augen lügen nicht. Außerdem flirtete er und gab mir diese Signale, dass er es auch wollte. So sehr hatte ich mich noch nie in einer Person geirrt. Ich war mir ziemlich sicher, dass da etwas zwischen uns war, doch wohlmöglich bildete ich mich das nur ein, da ich nicht wahr haben wollte, dass er mich nicht mehr als einen Freund mochte.

„Na, Ausgeschlafen, Schlafmütze?", fragte er mich amüsiert, während er die Gitarre weglegte.

„Nicht wirklich", lachte ich leise und versuchte mir nichts anmerken zu lassen, was wahrscheinlich nur teilweise funktioniertr. „Weißt du wie viel Uhr wir haben?"

„Nein, aber ich schätze es ist schon fast Vormittag", erklärte er mir schulterzuckend. Mist, meine Geschwister dachten, dass ich Abends wieder nach Hause kommen würde und jetzt war es schon so spät?

„Verdammt! Meine Geschwister!" Ich wollte aufstehen, jedoch wurde ich von einem stechenden Schmerz in meinem Kopf unterbrochen und lies mich wieder auf dem Polster nieder. Die Schmerzen in meinem Fuß hatten sich über Nacht etwas gelegt. „Warum hast du mich nicht geweckt?", fragte ich ruhig. Ich machte Gellert auf keinen Fall Vorwürfe.

„Ich hab dich nicht wach bekommen! Du hast geschlafen wie ein Stein und nach dem ganzen Alkohol von gestern, hast du den Schlaf auch gebraucht." Er sah mich irgendwie prüfend an. „Kopfschmerzen?" Ich murmelte etwas undeutliches. „Du solltest nach Hause und ausreichend Wasser trinken", befahl er mir.

„Okay, wo sind meine Sachen?", fragte ich ihn mit einem Blick auf meinen beinahe gänzlich nackten Körper. Gellert nickte in eine Richtung und als ich dort hinsah, waren dort tatsächlich meine Klamotten, aber was anderes hatte ich auch nicht erwartet. Als ich wieder zu Gellert sah, erkannte ich, dass dieser schon komplett bekleidet war. Wie lange war er denn schon wach? „Wie lange bist du schon wach?", sprach ich meine Gedanken nun laut aus.

Gellert zuckte mit den Schultern. „Ein paar Stunden", erzählte er mir unbesorgt, worauf hin ich ihn ungläubig musterte.

„Und du bist immer noch hier? Du hättest nach Hause gehen können", sagte ich ihm verblüfft.

„Alles gut. Ich wollte dich hier nicht einfach alleine lassen", erklärte er mir kurz schulterzuckend.

Kopfschüttelnd zog ich meine Hose, dann mein Hemd an. „Das hättest du nicht machen müssen"

Gellert zuckte bloß erneut mit den Schultern und brachte die Gitarre dorthin, wo er sie her hatte. Ich faltete die dünne Decke sorgfältig zusammen und legte diese - gemeinsam mit den Polstern - wieder zurück in die kleine Kiste in der Ecke der Scheune. Alles sah so aus wie vorher, also konnten wir diese nun ohne schlechtes Gewissen verlassen. Als wir los liefen, war alles Still und wir beide hingen unseren eigenen Gedanken nach. Wahrscheinlich dachten wir über die selbe Sache nach. Es brach mir das Herz zu wissen, dass er es nicht erwidert hatte. Er mochte mich wohl nicht so sehr wie ich ihn mochte. Wohlmöglich war ich schlichtweg nicht gut genug für ihn. Wie konnte ich auch nur so Naiv sein und das glauben. Er war so perfekt und ich war bloß ein verletzter Junge, der beide seiner Eltern verloren hatte und sich nach Liebe sehnte. Ich wusste, dass ich etwas abstand von ihm brauchte, um das zu verarbeiten. Das war meine Art mit etwas derart umzugehen. Nach dem Tod meiner Mutter war ich ebenfalls zwei ganze Wochen in Isolation.

Serendipity (Grindeldore FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt