Ein leises Klopfen holte mich aus meinen Gedanken und ich drehte mich direkt zu meinem Fenster, von dem mich ein erwartungsvoller Gellert ansah. Ich schwang meine Füße aus meinem Bett und öffnete mein Fenster, woraufhin er still lächelnd mein Zimmer betrat. Für einen kurzen Moment verlor ich mich in seinen strahlenden Augen und das kribbeln in meinen Lippen, welches über den Tag hinweg zurückzog, kehrte bei seinem Anblick wieder zurück. Das kribbeln, welches ich seit unserem Kuss gespürt hatte.
„Gellert, was machst du denn hier?", fragte ich ihn also, als ich wieder in der Realität ankam, um die Stille zu lösen.
„Hast du noch was zu tun?", fragte er mich, ohne mich zu begrüßen. Mein Kopf sagte mir, dass ich mit ja antworten sollte, doch mein Herz sagte ich sollte mit ihm gehen, denn er hatte ganz klar etwas geplant. Aber eigentlich brauchte ich noch etwas Zeit zum nachdenken, wie ich mich nun in seiner Gegenwart verhalten sollte. Es war schon komisch zu wissen, dass er wusste, dass ich ihn Küssen wollte und er mich nicht. Es verletzte mich irgendwie. Ich hatte seine Signale vollkommen falsch aufgenommen. Was hätte ich anders machen können, damit er mich auch mochte? Ich glaube, dass ich einfach nicht gut genug für ihn war... er war perfekt und ich... ich war bloß ich. Albus Dumbledore, ein ganz normaler Junger Mann. Eine kalte Hand an meiner Wange, riss mich aus meinen Gedanken. Als ich bemerkte, dass es Gellert's Hand war, lies mein Herz einen schlag aus und schlug noch schneller weiter. „Albus, ist alles okay?", fragte er mich mit einem grinsen im Gesicht, aber ich hätte schwören können, dass in seinen Augen so etwas wie Sorge lag. Ich sah ihm für einem Augenblick tief in seine verschieden farbigen Augen und dann wich ich diesen aus und schaute überall hin, nur nicht in seine Augen.
„Ähm... ja... ähm... ich-", stotterte ich nervös, wegen der Nähe zu Gellert und wegen seiner Hand, die immer noch auf meiner Wange ruhte.
„Ich hab was für uns geplant und es könnte dich von deinem Familienstress ablenken." Im Augenwinkel konnte ich erkennen, dass er mich immer noch hoffnungsvoll ansah.
„Ich weiß nicht-"
„Wenn du nicht möchtest, ist das natürlich auch okay", fügte er noch schnell hinzu. Das liebte ich an ihm. Er war immer so verständnisvoll. Selbst seine sanfte Stimme war ein Traum. Alles an ihm war einzigartig und schien mich magisch anzuziehen.
„Ähm, das ist es nicht..." Ich konnte irgendwie nicht richtig denken, aber ob das an Gellert oder dem stressigen Tag lag, wusste ich nicht genau. Dann lies er meine Wange los und wie auf Knopfdruck konnte ich wieder richtig denken.
„Dann komm doch mit!" Er streckte mir einladend seine Hand entgegen. Ich wollte diese greifen, doch statdessen stimmte ich bloß mit einem lächelnden nicken zu und erklärte ihm, dass ich meine Jacke und Schuhe von unten holen musste. Gellert zog seine Hand wieder weg und beschloss das Fenster als Ausgang zu benutzen, für den Fall, dass Aberforth noch nicht in seinem Zimmer war. Ich schlich mich an der Küche vorbei, in der Licht brannte, damit Aberforth nicht bemerkte, dass ich ging und zog mir meine Schuhe und Jacke an. Als ich die Tür öffnete, stand mir ein sehr erfreuter Gellert gegenüber und ich konnte nicht anders als bei diesem Anblick ebenfalls meine Mundwinkel in die höhe zu ziehen. Wir liefen Richtung Waldrand, aber redeten nicht wirklich viel, weshalb eine drückende Spannung zwischen uns herrschte. Gellert und ich hingen unseren eigenen Gedanken nach. Er hatte bestimmt schon bemerkt, dass ich mich seltsam verhielt, aber wollte es nicht ansprechen. Als wir schließlich ein Stück in den Wald hinein gelaufen waren und die Dämmerung bald anbrechen würde, beschloss ich ihn zu fragen, wohin wir überhaupt gingen.
„Wirst du schon früh genug erfahren", sagte er ein wenig abwesend, aber schenkte mir sein bezauberndes Lächeln und zwinkerte mir zu. Damit musste ich mich wohl zufrieden geben.
Auf einmal sah sich Gellert um. „Alles gu-" Bevor ich meine Frage überhaupt zu ende stellen konnte, ergriff er meine Hand und disapparierte mit mir. Wir apparierten an irgend einem See, der umzingelt von Bäumen war, wieder. Das schnelle Klopfen meines Herzens, durch das blitzartige disapparieren, ignorierte ich und sah mich um. Der See war ziemlich groß, das Wasser war ein wenig unruhig wegen dem leichten Wind. In der Mitte war eine kleine Insel, voller Bäumen. Ein paar Meter neben Gellert und mir stand eine kleine Holzhütte am Ufer und ein breiter Steg, der vom Seehaus fünf bis zehn Meter in den See führte. Am Ende dieses Stegs, führte eine kleine Holzleiter in das trübe Wasser. Die Sonne war schon fast dabei unter zu gehen.
„Wo sind wir hier?", fragte ich Gellert mit meinem Blick auf die faszinierende Umgebung gerichtet, jedoch konnte ich seinen Blick auf mir spüren.
„Das, mein Lieber, ist der Ort, an den ich immer hinkam, wenn ich eine Pause brauchte oder nachdenken musste. Das möchte ich heute mit dir teilen", erklärte er mir. „Hast du Hunger?", fragte er mich schnell darauf und tatsächlich tat ich das.
„Schon", lachte ich nervös und richtete meinen Blick auf ihn.
Sein Mund verzog sich zu einem zufriedenen Grinsen. „Perfekt, komm mit!" Er nahm erneut meine Hand und zog mich sanft Richtung Hütte. Ich war überrascht, als Gellert diese mit einem Schlüssel aufschloss.
„Ist das hier deine Hütte?" Ich trat nach ihm ein und sah mich um. An einer Wand, stand ein schmales Sofa, welches gerade mal so lang war, dass man sich gerade noch so ausstecken konnte. Ein kleiner Tisch stand in der Mitte des Raumes, auf diesem standen ein paar - fast komplett runtergebrannte - Kerzen, aber auch ein paar frische. Durch ein kleines Fenster konnte man in den Wald schauen.
Gellert erklärte mir, dass er dieses kleine Seehaus gekauft hatte, als er gerade mal vierzehn war, damit er in den Schulferien nicht alleine in Durmstrang bleiben musste, aber auch seine Eltern nicht ertragen musste. Er verbrachte die meisten Ferien alleine hier, aber Narcy und Vylanara interessierte es überhaupt nicht, sie waren sogar froh darüber, dass Gellert nicht bei ihnen war.
„Es tut mir so leid, dass du das alles durchleben musstest!" Ich schloss ihn in eine feste Umarmung, die er nach kurzem zögernd erwiderte. Mir war egal, welche Gefühle diese Berührung in mir auslöste. Ich wollte für Gellert da sein und mich nicht ständig versuchen mich von ihm zu distanzieren, nur weil ich mich in ihn verliebt hatte. Ich musste es einfach runterschlucken. Das jedoch war einfacher gesagt als getan.
„Danke", sprach er leise in meine Haare, aber löste sich kurz darauf von mir. „Aber wir sind nicht hier, damit ich dir von meiner Kindheit und Jugend erzähle." Er schenkte mir ein schiefes lächeln und schob mich zu einer Tür, die Gegenüber vom Eingang war. Diese schloss er mit einem anderen Schlüssel auf und wir traten auf den Steg, der mit dem Haus verbunden war. Während ich mich umsah, breitete Gellert eine Decke auf dem Holz aus und setzte sich drauf. Mit einer Geste und einem Lächeln deutete er mir an, mich ebenfalls hinzusetzten, also tat ich dies. Er holte die verschiedensten Dinge aus seinem Rucksack. Brot, Marmelade und vieles mehr für ein Abendbrot. „Oh und..." Er kramte weiter in seinem Rucksack herum und zog eine Flasche heraus. „Bathilda hat mir den Feuerwhisky noch in die Hand gedrückt, bevor ich gegangen bin. ‚Aber trinkt mir ja nicht zu viel davon'", ahmte er sie gespielt ernst nach und lachte danach leise los, ich tat es ihm gleich.
„Du hast echt viel mitgenommen!", stellte ich fest, nachdem wir uns etwas beruhigt hatten. „Wer soll das alles denn essen?"
„Wir", antwortete er schließlich entschlossen grinsend.

DU LIEST GERADE
Serendipity (Grindeldore FF)
FanficAlbus POV Jedes mal, wenn sich unsere Blicke kreuzten, schien die Zeit still zu stehen. Die Momente der Stille, waren geprägt von meinen Herzschlägen und meinen Sinnlosen Gedanken. Ich verlor mich in seinen besonderen Augen, die mich in ein Paradis...