8. das Gesetzt steht mir im Weg

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Erschöpft streckte ich mich. Immerhin hatte ich heute frei. Eine Pause von diesem ganzen Mist könnte ich wirklich gebrauchen.

Aber was sollte ich mit meinem freien Tag anfangen? Hatte ich irgendwas was ich machen könnte? Brauchte ich irgendwas? Es würde mir bestimmt helfen noch eine Weile drüber zu schlafen...

Aber irgendwie konnte ich genau das nicht. Stattdessen drehten sich meine Gedanken noch um den gestrigen Abend und schienen keine Ende zu finden.

Wirklich verwunderlich war das nicht, wenn man bedachte, dass das alles neu für mich war. Was sollte ich eigentlich machen, wenn rauskommen würde, dass ich dem Geheimdienst Informationen vorenthalte? Aber wie sollten sie das denn herausfinden? Ezra würde es ihnen wohl nicht sagen.

Was wollte dieser Mann überhaupt von mir? Warum schenkte er mir so viel Aufmerksamkeit? Denkt er wirklich er könne mich so leicht davon überzeugen für ihn zu arbeiten? Hielt mich denn jeder für sein Haustier, was nach der Nase seines Herrchens tanzt?

Aber wenn ich mich zwischen der Arbeit der Polizei und der ‚Zusammenarbeit' mit ihm entscheiden müsse, was würde ich wählen? Wenn er nicht davon leben würde gegen das Gesetz zu verstoßen, dann würde ich mich wahrscheinlich wirklich für ihn entscheiden, aber so? Niemals.

Wie könnte ich sowas denn mit meinem Gewissen vereinbaren? Nicht mal als Polizist vertrat ich vollständig das Gesetzt, trotzdem wäre mir die Angst ins Gefängnis zu kommen viel zu groß. Kann ich nicht einfach für mich leben?

Erschöpft stand ich auf und versuchte in den Tag zu starten. Ich machte mir Frühstück und musste bei meinem Gang durch die Wohnung feststellen, dass ich dringend mal wieder aufräumen musste.

Da ich nichts anderes vorhatte war es wohl die vernünftigste Entscheidung genau das zu tun. Währenddessen könnte ich ja auch weiter nachdenken.

Wie ich feststellen musste, konnte ich momentan sowieso nicht viel an meiner Situation ändern, weshalb ich mich wohl auf die nächsten Wochen vorbereiten sollte.

Meine Woche würde wahrscheinlich sowieso erstmals auf der Wache starten und ich würde kurzfristig wieder irgendwo hingebeten werden. Wo Ezra mich wohl nächstes Mal hinbringt? Von mir aus könnten wir ruhig wieder Essen gehen, aber er hätte mich ja zumindest selbst bestellen lassen können.

Was beschwerte ich mich eigentlich, er hatte mich immerhin in ein Restaurant eingeladen, in welches ich mich nicht mal rein getraut hätte. Wieviel Geld er wohl hatte? Bestimmt war er in diese Organisation hinein geboren worden und genoss seid dem ein freies, unbeschwertes Leben.

Als ich fertig war mit aufräumen, entschied ich mich dafür joggen zu gehen. Das Wetter schien sogar recht passend zu sein, weshalb ich eine längere Route einplante.

Die Woche verging bis jetzt sehr schleppend und auch auf meinen Streifenfahrten war nichts spannendes passiert.

Ich hatte mich mit Daniel noch ein paar mal über den Vorfall unterhalten und auch er schien Ezra sehr misstrauisch gegenüber, allerdings hatte ich ihn unter dem Namen Max vorgestellt. Wie er nun wirklich hieß wusste keiner.

Daniel wünschte mir alles gute und machte sich gelegentlich Sorgen um mich, da er fand, dass der Geheimdienst mich nicht genug schützte. Trotzdem war er wirklich begeistert davon, dass ich mich traute mich mit Ezra zu treffen.

Als ich einen Tag auf der Wache geblieben war, hatte ich tatsächlich Sushi geliefert bekommen. Diesmal allerdings ohne Nachricht. Vielleicht sollte ich dem ganzen mehr Misstrauen gegenüber zeigen, dafür war es aber einfach zu schön um wahr zu sein. Wer würde sich nicht über Sushi freuen?

Heute war Samstag, ich freute mich da ich den Sonntag frei hatte. Auch war ich heute wieder auf der Wache und ich fragte mich, ob Ezra mir wieder was zu essen schicken würde.

Da ich Spätschicht hatte war es schon Abends und ich konnte den ganzen Tag an nichts anderes denken. Es ging mir garnicht um das Essen, auch wenn es doch seinen Spaß mitbrachte zu überlegen was er mir schicken würde, sondern die Geste die zählte.

Der Gedanke, dass er sich die Zeit für mich nahm und meine Arbeitszeiten kannte war zu gleich schön, wie auch beängstigend. Ich wollte garnicht wissen woher er die hatte.

Wichtig für mich war, nicht aus den Augen zu verlieren, warum er das alles machte. Ich sollte mich auf keinen Fall davon mitreißen lassen, dass er mir Aufmerksamkeit schenkte.

Als ich in den Überwachungskameras sah, wie sich ein Lieferant der Wache näherte, schlich sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen. Endlich Pause.

Eilig nahm ich dem Lieferanten das Essen ab und diesmal war sogar ein Kaffee dabei. Auch bezahlt war bereits schon und ich konnte mich einfach zufrieden in meinen Stuhl schmeißen und Pause machen.

In der Tüte befanden sich heute einen Salat und Pizzabrötchen. Wie dankbar ich Ezra für diese Gesten war, sie verschönerten meinen Tag um einiges. Wenn das der Geheimdienst wüsste...

Im Deckel meines Salates befand sich ein Zettel. Ich schätze mal eine Nachricht von ihm. Was er wohl wollte? Gespannt öffnete ich den Zettel.

Hallo mein Lieber,
da ich davon ausgehe, dass man dich mal wieder im unklaren lässt, wollte ich dir Bescheid sagen, dass ich für Montag ein neues Treffen vereinbart habe.
Bis dann und schönen Feierabend

Montag also. Schön das wenigstens er daran dachte mir sowas zu mitzuteilen. Was er wohl diesmal wollte? Wahrscheinlich würden wir uns wieder über private Dinge unterhalten. Etwas Vorfreude verspürte ich schon.

Was sollte eigentlich dieses ‚mein Lieber'? Hab ich irgendwelche Anzeichen von mir gegeben, dass mir das gefallen würde? Oder genoss er es einfach weiterhin mir gegenüber seine Macht zu demonstrieren?

Von beiden Möglichkeiten war ich nicht allzu begeistert. Das erste wäre mir wohl zu gruselig und das zweite ein bisschen nervig. Aber irgendwie war es ja anscheinend Teil seiner Persönlichkeit, sich über andere zu stellen oder seine Macht auszunutzen.

Aber teilweise konnte ich es sogar nachvollziehen. Wer würde nicht gerne mit seiner Macht prahlen, wenn man denn welche hatte.

Ich fragte mich was für eine Macht Ezra besaß, dass der Geheimdienst ihn nicht festnahm, obwohl man wusste wo er sich aufhält. Wäre die Möglichkeit nicht da gewesen?

Es sagen würde er sowieso nicht, weshalb ich beschloss mich wieder meinem Essen zu widmen. Ich würde ihn ja bald wiedersehen und dann würde er mir vielleicht noch etwas über sich erzählen.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt