10. Warum will er das überhaupt wissen?

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Als ich ausstieg stand ich vor einem Park. Was wollte Ezra in einem Park? Ich ging langsam durch diesen Park und schaute mich suchend um. Vielleicht würde ich ja irgendwas sehen, was mir verrät wo ich hinmusste.

Nach einer Weile kam ich vor einem Haus an. Auf der Terrasse standen ein Tisch und zwei Stühle. Auf einem der Stühle saß Ezra und beobachtete mich. Als er sah, dass ich ihn auch sah, stand er auf um mich zu begrüßen. Erst jetzt merkte ich wie groß er doch eigentlich war.

Er kam auf mich zu und unter seiner Maske sah ich schon das Grinsen. „Guten Abend, wie geht es dir?" fragte Ezra mich und gab mir die Hand. „Hallo, ganz gut und dir?" „Wunderbar." antwortete er mir, wobei ich mir nicht sicher war, ob es eine Antwort auf meine Frage oder mein Wohlbefinden war.

Entgegen meiner Erwartungen setzten wir uns nicht an den Tisch, denn Ezra bewegte sich weiter in den Park hinein. „Wir essen später noch was, keine Sorge." lachte er, als er sich kurz zu mir umdrehte. Schnell schloss ich zu ihm auf und ging neben ihm her.

„Können wir den eigentlich Part wieder hinter uns bringen?" fragte er mich und wieder einmal hörte ich die Langeweile bei diesem Thema heraus. „Klar." antwortete ich ihm, ich hatte sowieso kein wirkliches Entscheidungsrecht.

„Ich möchte dem Geheimdienst einen Deal vorschlagen. Ich könnte ihm einige Straftäter überbringen, wenn sie mich weiterhin in Ruhe lassen. Wie klingt das?" „Also ich würde auf den Deal nicht eingehen. Indirekt hat das nur Vorteile für dich." merkte ich an und Ezra lachte kurz auf.

„Natürlich hat es das. Aber das musst nicht du entscheiden, sondern der Geheimdienst." „Da hast du wohl recht, dann werde ich das wohl so weiter geben." „Sehr gut, das klingt schon besser. Wie war deine Woche, Marlon?" fragte er mich und schien sichtlich interessiert zu sein.

„Nicht wirklich spannend, aber danke für das Essen, das rettet mir doch irgendwie meinen Tag..." musste ich kleinlaut zugeben, denn irgendwie war es doch unangenehm das er mich so bemutterte.

Ezra schien das allerdings wenig zu stören, er lachte nämlich und nickte zufrieden. „Wie kann es eigentlich sein, dass du nicht festgenommen wirst, wenn man doch weiß wo du bist?" ich versuchte unauffällig das Thema zu wechseln und es schien Ezra nicht wirklich etwas auszumachen.

„Du musst wissen, dass das das erste Mal ist das ich mit dem Geheimdienst im Kontakt bin. Er ist wie ein Tier was alles frisst, was du ihm vor die Nase wirfst. Sie erhoffen sich mehr von mir, als sie kriegen werden." lachte er und guckte eine Weile lang in den Sonnenuntergang, welcher wirklich schön aussah.

Die Sonne stand schon sehr tief und warf einen goldenen Schimmer auf die Landschaft. Als ich zu Ezra hoch sah, konnte ich die Sonne in seinen Augen reflektieren sehen und es sah so aus, als ob sie selbst dieses warme Licht ausstrahlen würden.

Ezra guckte mit ernstem Gesicht zu mir „Komm, wir gehen wieder zurück. Ich möchte mit dir noch über etwas reden." sagte er und drehte sich um.

Schweigend folgte ich ihm zurück zu dem kleinen Haus, an welchem er auf mich gewartet hatte. In dieser Zeit schwirrten tausende Gedanken durch meinen Kopf.

War er sauer auf mich? Hatte ich was falsches gesagt oder getan? Würde er mir jetzt sein wahres Ich offenbaren? Würde ich sterben? Wollte er das ich einen ‚Auftrag' für ihn erledige? Was wollte er?

Wir gingen in das kleine Häuschen, von innen war es sehr gemütlich und sogar der Kamin brannte. Ezra führte mich in ein Esszimmer und setzte sich gegenüber von mir hin.

„Ich wollte mit dir über unser letztes Treffen sprechen." setzte er an und ich wusste nicht, ob er mich nicht lieber hätte umbringen sollen. Ich hasste es über meine Probleme zu sprechen. Vorsichtig nickte ich.

„Es tut mir Leid!" preschte ich vor, schaute allerdings direkt beschämt auf meine Hände, was für eine scheiß Situation. „Du musst dich doch nicht bei mir entschuldigen, obwohl ich mich doch erst ziemlich erschrocken hatte. Es geht mir eher darum, dass so viel Alkohol bei dir Zuhause rumsteht." woher wusste er das?

Ich nickte vorsichtig „Du warst bei mir Zuhause?" fragte ich und irgendwie fühlte ich mich ertappt. „Was denkst du, wer dich Nachhause gebracht hat?" meinte Ezra und schaute mich an, als ob ich das nicht längst wissen müsste.

Er hatte was...? Wieso hatte er das getan? Ich schwieg eine Zeit lang. Was hatte das zu bedeuten? In diesem Moment würde ich gerne im Erdboden verschwinden. Wie armselig ich wohl aussah?

Ezra setzte wieder an zu sprechen „Es tut mir Leid, dass ich dir Wein angeboten habe." mein Kopf schnellte verwirrt nach oben. „WAS!? Das ist doch nicht deine Schuld! Das ist ganz allein mein Problem!" wie kam er denn darauf, dass das seine Schuld war?

„Also hast du ein Problem?" fragte Ezra mich und man sah die Sorge, welche sich in seinen Augen ausbreitete.

Was sollte ich antworten? Sollte ich einfach mit der Wahrheit rausrücken? Er würde es doch sowieso herausfinden.

Ich nickte vorsichtig. „Wie häufig trinkst du?" „Fast jeden Tag." „Wann hat das angefangen?" „Mit der Arbeit bei der Polizei." „Warum?" ich schüttelte mit dem Kopf.

Mein Kopf lag vor Scham schon fast auf dem Tisch ich traute mich nicht einmal Ezra anzuschauen, da sich Tränen in meinen Augen gesammelt hatten.

„Ich werde das in keiner Form gegen dich verwenden, ja?" versuchte Ezra mich zu beruhigen. „Ich weiß... ich will aber nicht drüber sprechen." wahrscheinlich hatte auch er jetzt gehört, dass ich den Tränen nah stand.

Plötzlich spürte ich, wie Ezra nach meinen Händen griff und sie mit seinen eigenen umschloss. Verwirrt sah ich zu ihm hoch und er lächelte mich unter seiner Maske vorsichtig an.

Während er mit einer Hand weiterhin meine Hände festhielt, strich er mir mit der freien Hand die Tränen aus den Augen.

Danach umschloss er wieder fest meine Hände. „Ich mache mir Sorgen um dich. Kann ich dir irgendwie helfen?" „Bitte nimm ihn mir weg." flehte ich ihn fast schon an.

„Mach ich. Ich kann dich heute allerdings nicht Nachhause bringen, aber ich werd in der Nacht nochmal vorbeikommen, okay?" ich nickte vorsichtig. War es okay sowas von jemanden wie Ezra zu verlangen?

„Ich hatte heute schonmal jemanden, der hat meine Hände auch so festgehalten." erzählte ich ihm vorsichtig. Ezra schnaufte „Wie heißt er?" fragte er mich.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt