19. Gespräche und Medikamente

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„Morgen kommt ein Arzt, der wird mir alles erklären." „Du hast eine Schusswunde an deiner linken Schulter und einen Streifschuss an der Taille rechts. Du hast Glück gehabt, dass keine Arterie oder Organ verletzt wurde. Wenn der Heilungsprozess gut verläuft, dann bist du in einem Monat wieder fit." erklärte Ezra mir, ich schwieg.

Einen Monat? Was sollte ich denn solange machen? Wie konnte sich mein Leben so schnell ändern? Wer war überhaupt der Schütze? Was war sein Ziel gewesen?

Vorsichtig streifte ich die Decke runter und zog mein Tshirt hoch, um die Wunden zu betrachten. Sie waren natürlich mit einem Verband verbunden, wahrscheinlich machte er es dramatischer als es war. Auch auf meiner Schulter klebte ein riesiges Pflaster.

„Sei froh, dass du die noch nicht gesehen hast." meinte Ezra. „Sehen sie so schlimm aus?" fragte ich verwirrt. „Ich war einmal beim Verbandwechsel dabei, Schusswunden sind nie schön." erklärte er mir.

„Woher weißt du soviel über meinen Zustand?" fragte ich vorsichtig. Normalerweise interessierte es mich nicht, wie er an irgendwelche Informationen über mich rankam, aber das er so genau Bescheid wusste, war irgendwie fragwürdig.

„Hat die Ärztin gesagt." meinte Ezra als sei es das selbstverständlichste auf der Welt. „Ja, aber warum hat sie es dir gesagt? Was ist mit meinen Datenschutz?" hackte ich weiter nach.

„Achso... ich hab da so meine Mittel." meinte Ezra und wich einfach meiner Frage aus. „Wie geht es dir, Ezra? Lüg mich nicht an!" fragte ich nach einer Weile.

Ich wollte nicht mehr über mich reden, dafür war ich viel zu kaputt. Außerdem schien auch Ezra immer noch ziemlich durch den Wind zu sein.

Er schwieg eine zeitlang „Ich hab mir Sorgen um dich gemacht. Du warst zwar recht schnell wieder in einem stabilen Zustand, aber ich hatte Angst, dass du noch eine Infektion bekommen könntest. Ich bin so froh, dass du wieder wach bist." erzählte er und seufzte.

Ich strich vorsichtig über seine Hand, mit welcher er noch meine eigene festhielt, ehe ich ihn in eine Umarmung zog. Ezra legte seine Arme vorsichtig um mich, versuchte aber wenig Druck auf meine verletzte Schulter aufzubauen. Ich strich vorsichtig über seinen Rücken, ich fühlte mich schlecht, da er sich wegen mir so viele Sorgen machen musste.

Ezra versuchte den Moment eine Zeit lang zu genießen, als es plötzlich ein weiteres Mal an der Tür klopfte. Wie aus Reflex ließen wir uns los und warteten darauf, dass jemand den Raum betrat.

Eine Krankenpflegerin betrat den Raum und schob ein kleines Wägelchen vor sich her. „Hallo Max, da sind Sie ja wieder." begrüßte sie Ezra und danach auch mich.

Die Krankenpflegerin stellte mir einige Medikamente neben mein Bett, teilweise um Infektionen vorzubeugen. Danach kontrollierte sie noch meinen Blutdruck und verabschiedete sich schnell wieder. Sie hatte anscheinend das Gefühl, dass sie uns gerade gestört hatte.

„Du warst schonmal hier?" fragte ich verwirrt. „Natürlich, ich war jeden Tag hier! Ich musste doch wenigstens schauen wie es dir geht!" meinte Ezra, als wäre es dumm allein schon über die Frage nachgedacht zu haben.

„Wie heißt du eigentlich wirklich?" fragte ich ihn. „Ezra." antwortete er mir stumpf. „Dein Ernst? Ich dachte du hast dir den auch nur ausgedacht." „Nein, wieso sollte ich? Der Geheimdienst kennt doch auch meinen Namen, oder?" fragte er mich verwirrt, woraufhin ich kräftig mit dem Kopf schüttelte.

„Oh, na dann." Ezra lachte und auch ich lächelte belustigt. „Du hast ihnen meinen Namen nicht gesagt?" fragte er mich verwirrt.

Ich nickte verlegen. Ezra nahm meine Hand und küsste sie, dann legte er sie einfach in seine. Direkt schoss mir die Hitze ins Gesicht. Was sollte das denn?

„Womit hab ich dich nur verdient?" schnurrte er schon fast und schaute mich an. Vielleicht genoss er es sogar, dass ich so beschämt war.

„Was meinst du?" „Warum hast du ihnen nicht meinen Namen gesagt?" fragte er mich. „Naja, ich dachte, dass Max dein richtiger Name sein könnte und das du mich nur angelogen hast. Ist da so wichtig?" erklärte ich und Ezra schmunzelte wieder.

„Alles was ich dir über mich erzähle ist wichtig. Das mag für dich vielleicht nicht so wirken, aber im Endeffekt ist es wie ein Puzzle, weißt du?" ich nickte.

„Warum erzählst du mir das dann alles?" „Das hab ich dir doch gesagt, ich wollte dich näher kennenlernen. Vertrauen baut sich nicht aus dem Nichts auf." ich schaute ihn ein wenig erschrocken an.

Er hatte mir soviel erzählt, nur damit ich ihm vertraute? Das war irgendwie... niedlich. Es ließ mich auf jeden Fall eine Wärme um mein Herz spüren, welche ich schon fast vergessen hatte.

„Schau nicht so. Du riskierst schließlich deinen Job für mich." meinte Ezra und schien dann kurz zu überlegen. Wie hatte ich denn geschaut?

„Jetzt wo du erstmal eine Pause von der Arbeit nimmst, könntest du dich doch nach was neuem umschauen, wenn du das noch möchtest." schlug er mir dann vor.

Ich überlegte eine Weile „Ich könnte mich zumindest in Ruhe umschauen. Vielleicht finde ich ja was." „Aber erstmal musst du vollständig genesen. Wie lange arbeitest du schon bei der Polizei?" fragte er mich weiter.

„4 Jahre, ich falle also noch unter die 6 Wochen für meine Kündigungsfrist." „Solang du nicht auf die 5 in nächster Zeit kommst, gibt es keinen Grund dich zu stressen. Das tut dir gerade sowieso nicht gut." Ezra schien mich schon fast zu bemuttern. Aber ich ließ ihn, da er sich so Sorgen um mich gemacht hatte.

„Marlon, du hast deine Tabletten noch garnicht genommen!" stellte er plötzlich fest, er nahm mein Glas und schüttete mir Wasser ein, dann gab er es mir.

„Ich werde jetzt gehen, es ist schon 12 Uhr und du musst dich ausruhen. Ich werde morgen Abend wiederkommen." sagte Ezra irgendwann.

Es störte mich nicht, aber dennoch fand ich es witzig, dass er mich nichtmal fragte, ob er morgen nochmal vorbeikommen konnte. Aber ich hätte sowieso ja gesagt, ich wollte nicht nur einsam rumliegen.

„Warum darfst du überhaupt solange hierbleiben. Die Besucherzeiten sind bestimmt schon längst vorbei." meckerte ich, aber Ezra lachte nur wieder.

„Das fragst du noch. Ich hab Tagsüber auch weniger Zeit, wenn ich abends komm, dann kann ich auch länger bleiben. Da kann ich keine Rücksicht auf Besucherzeiten nehmen." erklärte er mir und ließ meine Hand los, um aufzustehen.

Er strich mir vorsichtig über den Kopf „Pass morgen bei der Visite gut auf, dann muss ich nicht nochmal selber mit der Ärztin reden." sagte Ezra und zwinkerte mir zu.

„Bis morgen, Marlon." „Bis morgen." und dann war er wieder weg. Plötzlich war es total still in meinem Zimmer.

Ich entschloss mich dazu schlafen zu gehen. Ich hatte morgen noch genug Zeit über alles nachzudenken, aber jetzt sollte ich erstmal schlafen.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt