Wow... Und ich dachte, nach dem Saufgelage mit Alex und Luke hätte ich Kopfschmerzen gehabt. Wie sich herausstellte, waren sie ein absoluter Witz gegen das, was sich da gerade in meinen Schädel hämmerte.
„Auuuu...," jammerte ich leise und griff mir an die Stirn. „Willkommen zurück," sagte eine dunkle Stimme, mühsam blinzelte ich gegen den Nebel in meiner Sicht an und bemühte mich, den Mann vor mir scharf einzustellen.
„Jason?" murmelte ich verwirrt und mein Stiefvater sah mich tadelnd an. Doch es war meine Mutter, die mit leiser Stimme - mit einem eindeutig wütenden Unterton - fragte: „Liebes? Hast du heute überhaupt daran gedacht, hin und wieder mal etwas zu trinken? Oder dich vielleicht aus der glühenden Sonne herauszubewegen?"
„Ääääh...," antwortete ich hoch intelligent und ließ meinen Blick schweifen, um den wütenden Ausdruck in Mamas Augen zu entgehen. Augenblicklich wurde mir eine Flasche Wasser unter die Nase gehalten. Immer noch verwirrt drehte ich den Kopf zu dem edlen Spender um. Alex kniete hinter mir, mein Kopf ruhte auf seinem Schoß und er drückte eindringlich die Flasche an meine Lippen. Und erst nachdem ich den ersten Schluck genommen hatte, wurde mir klar wie recht meine Mutter doch mal wieder gehabt hatte.
Ich war halb verdurstet! Gierig begann ich zu trinken und maunzte wie ein frustriertes Kätzchen, als mir nach wenigen Schlucken das kühle Nass wieder weggenommen wurde. Wie ein kleiner Vogel regte ich den Hals und versuchte mit einem Filmreifen Dackel-Blick Alex davon zu überzeugen, mich weiter trinken zu lassen.
„Nicht so schnell und zu viel auf einmal!" warnte Jason und stand auf. Mama sah mich kopfschüttelnd an, griff sich die feuchten Tücher und folgte ihrem Mann. Nun war ich mit dem Soldaten allein... Alex' große Hand fuhr sanft durch meine Haare, während seine dunklen Augen meinen Blick gefangen hielten. Wir beide schwiegen und die Zeit verlor an Bedeutung. Schließlich räusperte er sich und hielt mir das Wasser wieder hin, so dass ich weiter daran arbeiten konnte, das Flüssigkeitsdefizit auszugleichen. „Während der Missionen meiner Eingreiftruppe hab ich viel erlebt.. viel Grauenvolles gesehen, was mich ernsthaft an der Menschheit hat zweifeln lassen. Als Seal ist dir klar, dass die Chancen im Einsatz zu sterben durchaus gegeben sind und ganz egal, wie sehr du darauf gedrillt wirst, dich nicht zu fürchten... jeder von uns hat unterschwellig Angst. Das hält uns vorsichtig und am Leben... Als du da lagst... bewusstlos und ich dich nicht wach bekommen habe... das war das erste Mal, das ich Todesangst hatte."
Das Wasser war vergessen. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie ich mich aufrichtete und nun vor Alex kniete. Tränen trübten meine Sicht, während ich verzweifelt versuchte nicht loszuheulen. Seit vielen Jahren hatte niemand mehr - abgesehen von Becca - sich solche Sorgen und Gedanken um mich gemacht. Der älteste Hanson Bruder zeichnete mit seinen Fingerspitzen langsam meine Kinnlinie nach und fuhr schließlich bedächtig über meine Lippen. „Juna..." flüsterte er und dann beugte er sich vor. Als sein Mund den meinen beanspruchte war ich froh, dass ich bereits auf dem Boden kniete. Denn... verdammt!!!! Dieser Mann verdiente einen Orden fürs küssen! So zärtlich, so leidenschaftlich, so... hungrig... Fuuuuuuck!!!
Der rationale Teil von mir, der kläglich und höchst vergeblich versuchte mich daran zu erinnern, dass ich mich von dem Feind (mal wieder!) in Grund und Boden küssen ließ, warf resignierend die Flinte ins Korn und beschoss möglichst weit weg von mir Urlaub zu machen. Vermutlich auf Bali... jedenfalls würde ich rationales Denken für lange Zeit wohl nicht mehr zur Verfügung haben.Was soll's? Dafür war das hier einfach zu gut. Alex' Hände umschlossen meine Gesicht, damit ich mich ihm nicht entziehen konnte und dann legte er so richtig los. Nach meinem rationalen Verstand kapitulierte nun auch der winzige Rest an feministischen Bewusstsein und wedelte hechelnd mit einer weißen Fahne. Ganz ehrlich? Hätte er gesagt, ich soll mich ausziehen und mich für eine Reitstunde (ihr wisst schon was ich meine) bereithalten, die Klamotten wären so schnell in der Ecke des Wohnzimmers gewesen, dass dem Soldaten ganz schwindelig geworden wäre! Und danach die Sintflut!! Ich hätte ihn vor den Augen seiner Familie bestiegen wie den Mount Everest...
„ .." - hm?
„ ..eute?"
WER STÖRT??!
„Leute?!"
Luuuuuke!!!
Bis gerade mochte ich ihn. Jetzt verspürte ich dezent mordlüsterne Gedanken aufsteigen. Das dunkle Knurren, dass aus Alex' Brust kam sagte mir, dass er da ähnlich tickte.
Widerwillig löste er sich von mir, um seinen kleinen Bruder böse anzufunkeln.
„Hey, tötet nicht den Boten! Unsere Eltern bitten zu Tisch! Also hopp, hopp... knutschen könnt ihr nach dem Abendessen auch noch... Ähm, Juni? Du solltest dir unter Umständen ein T-Shirt anziehen.." Dann gab Luke lachend Hackengas um dem hervorragend gezielten Kissen auszuweichen, dass sich auf dem Weg in sein Gesicht befand. Verwirrt sah ich an mir herunter.. ups... der Mann hatte recht... bis auf meinen BH in Jeans Optik war ich oben herum recht freizügig bekleidet. Peinlich berührt legte ich einen Arm über die Brust und versuchte mit dem anderen mein Hüftgold zu covern, während ich verzweifelt nach meinem Shirt Ausschau hielt. Mit einem liebevollen Lächeln angelte Alex das besagte Kleidungsstück und reichte es mir. Plötzlich schüchtern blinzelte ich mit errötenden Wangen zu ihm auf und zog mich an. Als ich wieder Salonfähig war, reichte der Muskelprotz mir die Hand und hebelte mich mit einer schnellen Bewegung elegant zurück auf die Füße. Sachte strich Alex mir die Haare glatt und flüsterte: „Alles ok, June?" Seine Augen suchten nach Antwort in den meinen und das was er dort fand, ließ ein warmes Lächeln auf seinen vollen Lippen aufschimmern.
„Du kannst dagegen ankämpfen... du kannst dich verstecken... aber dem, was da zwischen uns beiden geschieht, kannst du nicht entkommen. Ich lasse dich nicht mehr gehen, mein Schatz... und ich lasse auch nicht zu, dass deine Unsicherheit etwas Gutes zerstört. Du hast unsere offizielle Erlaubnis, uns vieren alle Streiche zu spielen, die dir einfallen. Schrei uns an, verfluche uns, lass deine Wut an uns aus. Gott weiß, wir haben es verdient. Und wenn du damit fertig bist, bin ich immer noch da. Hast du mich gehört, kleine Juna? Ich verliebe mich gerade in dich und ich werde nicht aufhören dir das zu zeigen, bis du deine Gefühle für mich zulassen kannst..." Der Kuss der nun folgte war so unendlich süß und zärtlich, dass meine Welt buchstäblich auf den Kopf gedreht wurde. Alles drehte sich. Wirklich alles!Alex Hanson verliebte sich in mich?
Alex fucking Hanson, Abschlussbalkönig, dekorierter Soldat, heißester Mann ever VERLIEBTE sich in mich??!!! In mich? Die pummelige, chaotische, unsichere und manchmal neurotische Juna. Mein Gehirn verabschiedete sich nun ebenfalls - das wurde anscheinend zu einer dauerhaften Sache, während ich mich unter Hansons befand - und ich beschloss das Ganze später mit der einen Person meines Vertrauens ausführlich zu erörtern.
Alex schmunzelte ob meiner geistigen Umnachtung und berührte mich mit den Lippen an der Schläfe. „Komm, mein Herz. Du musst noch mindestens einen Liter trinken und Dad wartet da noch mit seiner sündhaft guten Pfannenpizza auf uns."
Ok... dieses Wort rüttelte mich auf und holte die verstreuten Teile meines Gehirns aus der Versenkung und dem Kurztrip nach Bali zurück.
Pizza!
Ich schnaufte: „Na, los.... Schwing die Hufe, Soldat! Bevor dein Gierschlund von Bruder..." „Welcher?" grinste Alex... „Alle!" fauchte ich zurück, schon auf hundertachtzig bei dem Gedanken, Leander könnte meine Pizza..!!
Nope, Nö, auf gar keinen Fall würde ich zulassen, dass die Nervensäge eine glückliche Kurzbeziehung mit meinem (!) Lieblingsfutter führte!
Auch wenn die Kopfschmerzen nur bedingt nachgelassen hatten und das Zimmer immer noch bedrohlich schwankte, Frau musste Prioritäten setzen! Also schob ich Alex resolut aus dem Zimmer, dem köstlichen Duft von geschmolzenem Käse nach.
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Liebe auf Umwegen
RomanceIch hab ja schon viel Dreck in meinem Leben einstecken müssen... aber niemals hätte ich gedacht, dass ich eine dieser Frauen sein würde, die von ihrem Partner geschlagen werden. Doch hier sitze ich, auf der Couch meiner besten Freundin mit einem Vei...