26. neue Erkenntnisse und Tee

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„Wie meinst du das? Warum hab ich Glück?" fragte ich und fing an mir Frühstück zu machen, ich hatte echt Hunger.

„Es gab mal eine Zeit, da war er sehr aggressiv und ungezügelt. Du wolltest ihn an manchen Tagen echt nicht über den Weg laufen, es ist einfach gut zu sehen, dass es ihm besser geht." erzählte mir der Mann.

„Kannst du mir mehr darüber erzählen? Wir könnten uns ins Wohnzimmer setzten." fragte ich aufgeregt, endlich könnte ich mehr über ihn erfahren.

„Warum eigentlich nicht, ich bin sowieso gleich fertig. Geh ruhig schonmal vor." lächelte der Mann. „Möchtest du auch was essen oder trinken?" „Wenn du mir einen Tee machen würdest, dann wäre ich dir sehr dankbar." also machte ich ihm einen Tee.

Ich war sehr aufgeregt endlich mehr über Ezra erfahren zu können, von ihm hätte ich es auch gerne gehört, aber alles aus einer anderen Perspektiven erzählt zu bekommen kann auch nochmal sehr interessant sein. Ich machte Bruno den Tee und ging daraufhin ins Wohnzimmer.

Wenig später setzte er sich zu mir auf das Sofa und bedankte sich für den Tee. „Also, was willst du wissen?" fragte er. „Warum ging es Ezra damals so schlecht?" der Mann nickte und schien eine Weile zu überlegen.

„Sein bester Freund ist damals, da war er 18, in einer Schießerei gestorben, dass hat ihn so fertig gemacht, da ist er durchgedreht. Er hat niemanden mehr an sich rangelassen und hat andere zusammengeschlagen, die ihn nur falsch angeguckt haben." berichtete er mir und ich merkte einen Schmerz in meiner Brust.

Es tat mir so unendlich leid, was passiert war und es machte mich noch trauriger, dass ich nichts daran ändern konnte. Wie er sich wohl gefühlt haben muss, als ich im Koma lag?

„Irgendwann hat er es glaub ich aufgeben und ist das komplette Gegenteil zu davor geworden. Er hat zwar immer noch mit niemandem gesprochen, war aber auch total in sich gekehrt und wirkte nur noch, wie eine Hülle seiner selbst. Selbst ich bin in der Zeit kaum an ihn ran gekommen." Bruno schlürfte friedlich seinen Tee, während ich geschockt neben ihm saß.

„In was für einer Art von Beziehung steht ihr überhaupt?" „Benennen kann ich es dir nicht, aber diese Organisation ist wie eine Art Familie, zumindest in den höheren Rängen. Ich hab ihm viel beigebracht, wir sind uns sehr nahe, würde ich sagen." ich nickte.

Ich fand das alles so aufregend und gleichzeitig wirklich traurig. „Vor drei Jahren fing es dann an, dass es ihm wieder besser ging. Wenn du mit ihm darüber reden möchtest, dann sei trotzdem lieber vorsichtig. Nur weil er drüber hinweg ist, heißt das nicht, dass er gerne darüber spricht." wieder nickte ich.

Es waren so viele Informationen, dass ich garnicht wusste, was ich sagen sollte. „Ich war wirklich froh, als ich erfahren hab, dass du hier bist. Es tut ihm gut, wenn er nicht so viel alleine ist. Hab einfach ein wenig Geduld mit ihm." bat Bruno mich und lächelte mich bittend an.

Dieser Mann hatte wirklich die Ruhe weg. „Oh, ich glaube, dass er mit mir viel geduldiger sein muss." lachte ich verlegen. „Wegen deiner Sucht?" fragte Bruno. Wieso wusste er eigentlich davon?

„Ich bereite ihm einfach viel zu viele Sorgen." Bruno schien ein guter Mann zu sein, mit welchem ich meine Gedanken teilen konnte, auch wenn ich ihn nicht kannte.

„Da magst du vielleicht ein wenig Recht haben, aber Ezra macht sich auch ziemlich schnell Sorgen. Er ist fast wieder durchgedreht, als du im Koma lagst." ich schwieg eine Weile.

„Ich sollte wirklich mehr mit ihm sprechen. Er wechselt nur immer so schnell das Thema, das bekomm ich manchmal garnicht mehr mit." seufzte ich und Bruno strich mir über die Schulter, wodurch ich vor Schmerzen zusammenzuckte.

„Ach Gott, Entschuldigung ich hatte ganz vergessen. Geht es?" fragte er mich direkt und ich nickte. Warum musste die Heilung auch so lange dauern?

„Geh das mit Ezra einfach langsam an, dann wird das schon klappen." riet er mir weiter. Wieder einmal nickte ich und fing dann an zu gähnen. „Bist du noch müde?" fragte er mich und ich nickte ertappt.

„Ich hol dir eine Decke, dann kannst du noch ein bisschen schlafen, bis Ezra wieder da ist." kurz darauf stand er auf und ging mir eine Decke holen. Ich hätte das zwar auch selbst machen können, aber wahrscheinlich fühlte er sich noch schlecht wegen meiner Schulter.

„Stört es dich wenn ich dabei etwas Fernseh gucke?" fragte Bruno mich, als ich wiederkam und ich schüttelte mit dem Kopf. Ganz im Gegenteil, manchmal konnte ich dabei sogar viel besser schlafen.

Zufrieden kuschelte ich mich in die Decke und lauschte dem Fernseher, wobei ich trotzdem nicht wirklich zuhörte.

Meine Gedanken schweiften wieder zu Ezra. Wann er wohl wiederkommen würde? Ich nahm mir auf jeden Fall vor mehr mit ihm, über sich, zu sprechen. Ich denke, wir beide hatten das nötig.

Was mich störte war, dass ich meinen Gefühlen immer noch nicht im Klaren war. Ich hatte festgestellt, dass da mehr als Freundschaft war. Ich hatte aufgegeben mich davor zu drücken und nach Ausreden zu suchen.

Ich fragte mich aber, ob ich mit ihm eine Beziehung eingehen wollen würde. Allein bei dem Gedanken wurde ich ganz aufgeregt. Würde das nicht heißen, dass wir miteinander schlafen würden?

Oh Gott, ich bekam schon Kopfkino, wie konnte ich nur sowas über ihn denken... Jetzt fühlte ich mich schlecht.

Auch wenn es nicht lange war, hatten wir uns schon einmal geküsst. Das war wirklich ein tolles Gefühl gewesen und jedes Mal wenn ich daran dachte, kam dieses Kribbeln ganz leicht wieder.

Wie konnte ich bei all diesen Gedanken noch leugnen, dass ich verliebt war? Wenn ich es wissen würde, dann würde ich es tun, aber ich blieb ratlos.

Auch wenn ich mit Ezra über ihn sprechen wollen würde, so wollte ich auch nochmal über meine Kündigung mit ihm sprechen, denn für die war es langsam an der Zeit. Wahrscheinlich sollte ich das als erstes tun, damit wir danach genug Zeit haben über ihn zu sprechen.

Wenn ich Glück hatte, dann könnten wir dabei auch kuscheln. Denn seitdem ich das gestern getan hatte, konnte ich nichts anderes als Vorfreude für das nächste Mal empfinden.

Aber das beste an meiner Situation war, dass ich wusste, dass Ezra auch etwas von mir wollte. So musste ich nicht alles hundert mal hinterfragen und gleichzeitig gab er mir die Zeit mit meinen Gefühlen klarzukommen.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt