Kaltes Ende

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Hi :)

Hab eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass ich allen Lesern danken möchte, die immer noch dabei sind. Immerhin ist diese Story nun schon ein ganzes Jahr alt.

Hätte nie gedacht, dass die zu so einem Erfolg wird, schließlich ist die Serie mittlerweile alt ( wie viele von uns auch XD)

Deswegen ein ganz großes Danke an euch alle <3


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„Spar dir deine Kraft, Juna."


Eine leise, gebrochene Stimme bekam meine Aufmerksamkeit, die ich der Tür dieses Gefrierschrankes, gerade noch gegeben hatte.


Auf der Stelle drehte ich mich um und sah jemanden zusammengekauert in der Ecke liegen. Ich musste mich nur einen Schritt nähern, da erkannte ich die Person bereits.
„Oh mein Gott, Kaz!"
Ich überbrückte den Meter, der zwischen uns lag und kniete mich neben ihn.
Meine Knie würden mir dafür zwar nicht danken, doch für diesen kurzen Moment war diese Kälte Nebensache.


„Ich hab schon versucht rauszukommen."
Seine Stimme war leise und ich bemerkte wie schwer ihm das Sprechen fiel.
„Du bist völlig unterkühlt", flüsterte ich.
Vorsichtig setzte ich mich. Ich konnte froh sein, dass mein Hintern durch das dicke Leder nicht sofort erfror.
„Du musst hier raus..."
Er sprach lauter, als hätte er durch meine Ankunft noch einmal Kraft geschöpft. Er richtete sich auf und hielt seine Hand in die Luft.
Die Anstrengung in seinem Blick konnte ich deutlich sehen. Seine in der Luft schwebende Hand begann zu zittern und zu glühen. Mit aller Kraft versuchte er seine Feuerkräfte zu aktivieren, doch es sah nicht gut aus. Er Erfolg blieb fern.
„Ich bin zu schwach", sagte er und ließ die Hand auf seinen Schoß fallen.
Er gab auf.


„Kaz..."
Ich rutschte nah an ihn, nahm seine beiden Hände in meine und versuchte meine restliche Wärme an ihn zu spenden. Sein Zittern spürte ich sofort.
„Beruhig dich", flüsterte ich.
Ich wusste bereits, dass das alles nichts bringen würde, da wir Beide hier drin sterben werden, doch ich hielt daran fest. Jedenfalls solange ich konnte.


„Was machst du hier?"
Kaz sah mich an. Die Stille, der Groll, all das was zwischen uns stand, war wie weggeblasen. In diesen Minuten interessiert uns das alles nicht mehr. Und einerseits war ich darüber froh, andererseits hätte ich mir dafür andere Umstände gewünscht.
„Das sollte ich dich fragen. Wie kommst du auf die Idee alleine hier her zu kommen. Du wusstest, dass es zu gefährlich ist."
„Hm..."
Da war sie wieder, die Stille.
„Sind wir wieder dabei uns zu ignorieren?"
Kaz schaute auf den Boden.
Ich seufzte und wollte ihn loslassen, doch er behielt meine Hand fest in seiner. Klammerte sich gar daran.


„Ich will mich nicht mit dir streiten. Nicht an meinem letzten Tag auf Erden."
Unsere Blicke trafen sich.
„Du wirst nicht sterben. Niemand von uns. Die anderen werden uns finden."
Seine braunen Augen waren leer. Hoffnungslos.
„Sie sind hier?
Ich nickte
„Natürlich sind sie hier. Wir lassen dich doch nicht einfach alleine."
„Nachdem ich dir das angetan habe, waren alle so abweisend. Ich dachte, sie würden mir nicht mehr vertrauen."
Schnell schüttelte ich meinen Kopf.
„Sowas darfst du gar nicht denken. Sie vertrauen dir, da bin ich mir sicher."
Ein kleines Lächeln legte sich auf meine Lippen, doch Kaz Gesichtsausdruck änderte sich nicht.
„Es tut mir so leid", flüsterte er. „Ich war total dumm und habe nicht nachgedacht. Ich wünschte, ich könnte es wieder gut machen."


Ich rückte noch näher. Irgendwie mussten wir uns warmhalten, sonst wären wir in ein paar Minuten eingefroren.
„Was machst du da?", wollte er mit schwacher Stimme wissen, als ich seinen Oberkörper in meine Arme nahm und ihn gegen meine Brust lehnte.
„Uns am Leben erhalten."
Ein schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen, als er sich offensichtlich an mich kuschelte.
„Genieß es nicht zu sehr."
Er hob seinen Kopf und schaute mich an.
„Wieso bist du hier?"
„Habe ich doch bereits gesagt. Wir sind..."
„Nein, ich spreche von dir. Du solltest nicht hier sein, das ist viel zu gefährlich."
„Ich habe mir Sorgen um dich gemacht."
Kaz richtete sich auf, soweit er jedenfalls konnte.
„Du hasst mich nicht?"
Ich schüttelte lächelnd den Kopf.
„Das habe ich nie."
Ein lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Seit einer halben Ewigkeit habe ich ihn so nicht mehr gesehen.
Aus irgendeinem Grund bekam ich Schuldgefühle. Das ich dafür verantwortlich gewesen bin, dass dieses Lächeln verschwand.


„Ich weiß, es ist viel verlangt, aber kannst du mir verzeihen?"
Er musterte mich mit einem Blick, wie könnte ich da nur Nein sagen. Als nickte ich langsam.
Es konnte nicht ewig so weiter gehen, das wusste ich. Und wenn dies unser letzter Tag sein sollte, dann war es an der Zeit zu verzeihen.


„Kaz?"
Seine Augen waren dunkel und Müde.
„Wieso hast du das gemacht? Wieso hattest du mich angelogen?"
Die ganze Szene wiederholte sich in meinem Kopf. Wie gut wir uns amüsierte, während wir die Filme schauten. Und wie wir uns langsam näherkamen. Es fühlte sich so vertraut an.
„Weil mir klar war, dass ich gegen Chase keine Chance haben würde. Von Anfang an war er es. Ich war noch nie im Rennen."
In seinen Augen konnte ich Schmerz erkennen. Traurigkeit.
„Also stimmte es, dass du etwas für mich empfindest?"
Ein Nicken und eine Antwort, mit der ich nicht gerechnet hätte.
„Ich liebe dich, Juna."


Die Worte hallten in meinem Kopf wider.
Er liebte mich?
„D...Du warst deswegen so abweisend?"
Erneut nickte er
„Ich wollte es nicht noch schlimmer machen, als es bereits war. Außerdem hätte Chase mich in Grund und Boden gestampft, wenn er davon gewusst hätte."
„Ich denke er ahnt es", antwortete ich leise.
„Das denke ich auch. Aber es stört mich nicht. Ich bin bereit für meine Fehler die Konsequenzen zu tragen."
„Aber das will ich nicht. Ich will nicht, dass eure Freundschaft und euer Vertrauen durch mich zerbrechen."
Kaz nahm meine Hand in seine. Sie war eiskalt. Schnell drückte ich sie.
„Das wird es nicht. Da du dich für ihn entschieden hast."
Ich schaute auf unsere Hände. Es ist eine lange Zeit her, dass wir uns so nah waren. Doch das Schlimme daran ist, dass ich nichts dagegen hatte. Ganz im Gegenteil, ich genoss es.


All die Gedanken, die ich an ihn hatte, schossen mir durch meinen Kopf.
„Und wenn ich das gar nicht habe?"
Ich erntete einen verwirrten Blick und schlagartig wurde mir klar, was ich da sagte.
„Vergiss, was ich gesagt habe."
„Was hast du damit gemeint?"
„Kaz, vergiss es einfach."
„Nein, das kann ich nicht."
Ich schaute auf den Boden. Doch nicht für lange, denn mein Kinn wurde angehoben.
„Kaz..."
Meine eigene Stimme versagte. Ich war gezwungen ihm in die Augen zu sehen. Und wenn ich ehrlich war, konnte ich auch nicht wegschauen.
„Sag mir die Wahrheit. Hast du Gefühle für mich?"
Noch immer die Hand unter meinem Kinn, schaute er mich abwartend an.


Eine Träne rollte meine Wange hinunter. Als Kaz das sah, ließ er mich sofort los.
„Tut mir leid, ich wollte dich nicht bedrängen."
„Hast du nicht", murmelte ich.
„Chase wird mich umbringen, wenn er es herausfindet."
Meine Stimme war kaum hörbar.
„Nun, er muss es nicht herausfinden."
Ich schaute ihn erneut an, doch sagen konnte ich kein Wort.
„Es stimmt also?"
Schnell wischte ich mir über die Augen.
„Er wir uns Beide hassen, sollten wir etwas tun."
„Ich habe nicht vor etwas zu tun", antwortete er ruhig.
Mein Blick hing auf ihm. Diese Gedanken um ihn zerfraßen mich. Selbst wenn ich Glücklich mit Chase war, konnte ich die Gedanken an Kaz nicht verhindern. Schon gar nicht jetzt.


Ich wusste, dass alles was geschehen würde falsch war und ich es bereuen würde, doch ich hielt es nicht mehr aus.
„Ich schon", schoss es aus mir hinaus.
Nur wenige Sekunden später hatte ich sein kaltes, blasses Gesicht gepackt und meine Lippen auf seine gepresst.
Ich konnte spüren, dass er zögerte. Doch nicht für lange. Ziemlich schnell, doch nur für kurze Zeit, wurde es zu einem leidenschaftlichen Kuss.


Nachdem Kaz sich gelöst hatte, schaute ich ihn mit erröteten Wangen an. Ich hatte ihn tatsächlich geküsst. Chase würde mich umbringen, wenn er es wüsste.
Gerade wollte ich mich dafür entschuldigen, da sagte er: „Sag jetzt einfach nichts."
Ich nickte nur, senkte meinen Blick und kuschelte mich an ihn.


So langsam konnte ich spüren, wie mir die Kälte zu schaffen machte. Meine Finger waren bereits blau angelaufen und ich konnte sie kaum noch spüren. Meine Schuhe drückten unangenehm, als wären sie zu klein für meine Füße. Und überall auf meiner Haut, wie auch auf Kaz, bildeten sich rote Flecken.
„Werden wir wirklich sterben?", flüsterte ich mit flacher Atmung.
Ich bekam nur ein Nicken als Antwort.
Als ich meinen Blick zu ihm richtete, sah ich, dass er seine Augen bereits geschlossen hatte. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Unsere Kräfte ließen nach und jede Sekunde hier drin verschlimmerte diesen Zustand.


Nach einer kurzen Zeit schloss auch ich meine Augen, da es sich so viel entspannter anfühlte. Mit einer Hand suchte ich nach der von Kaz, gab aber auf, als selbst das mir zu anstrengend wurde.
Ich gab auf und ließ mich einfach in die Dunkelheit fallen, die mich erwartete.

Zwischen Bionic und SuperkräftenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt