Mein anderer Job

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Gegen 18:30 verlasse ich das Café, aber an Feierabend ist noch nicht zu denken. Ich muss mich nun beeilen zu meinem zweiten Job zu gehen. Um den ganzen Stress irgendwie auszuhalten nehme ich mir eine Zigarette aus meiner Handtasche und stecke sie mir an den Mund. Beim laufen zünde ich sie mir an und stoße erleichtert den ersten Qualm aus. Wie lange soll das noch so gehen? Von 13:00 bis 18:30 Uhr arbeite ich im Café, danach noch von 19 bis 3 Uhr morgens. Und als wenn das nicht schon genug wäre, muss ich anschließend noch eine dreiviertel Stunde nachhause laufen. Als ich beim Gemischtwarenladen ankomme ist auch schon meine halbstündige Verschnaufspause vorbei. Ab an die Arbeit.
Ich löse also meine vorherige Schicht ab und stehe nun Menschenseelen alleine an der Kasse. Zumindest verausgabe ich mich bei beiden Jobs nicht allzu sehr. Nachts muss ich hier quasi nur die Stellung halten, weil auch hier die Kunden sehr überschaubar sind. Ich nutze also die Zeit und arbeite an meinem Backbuch weiter. Ich sammel Ideen, die ich später dann mal ausprobieren will, oder verfeinere schon vorhandene Rezepte. Irgendwann am Tag muss ich ja auch mal meinem Hobby nachgehen. 
Ungefähr die Hälfte meiner Schicht ist geschafft und die Uhr zeigt 00:00. Ganz vertieft in mein Notizheft bemerke ich gar nicht, wie die Tür aufgeht und jemand den Laden betritt. Das Klirren von einer Flasche reißt mich aus meinen Gedanken. "Ach fick dich doch! So ne Scheiße hier!" Höre ich es zudem noch fluchen. Ich schaue zum Ort des Geschehens und sehe unter einem Regal eine Flüssigkeit laufen. Jemand muss eine Schnapsflasche geschrottet haben. "Sag mal gehts noch?!" Ich gehe auf die Person zu und zu meinem Überraschen schaut mir der blonde Koch verzweifelt entgegen. "Sanji?" "Misaki?" In seinen Augen spiegelt sich irgendwie Traurigkeit wieder. Auf meine Frage ob Alles okay sei, nickte er nur mit einem leichten erzwungen wirkenden Lächeln. Als ich erneut nachfragen will, blockt er sofort ab und wechselt das Thema. "Seit wann arbeitest du denn hier? Oh ihr habt meine Marke. Das passt ja wieder, meine Zigaretten sind vorhin gerade leer geworden." Die kaputte Flasche erstmal außer Acht lassend gehe ich mit ihm zur Kasse. "Ja, wir haben sie sogar in 3 verschiedenen Größen, was darf es sein?" "Eine von den Großen, bitte." Er bezahlt ganz normal und verlässt dann auch schon direkt den Laden. Irgendwas stimmte hier ganz gewaltig nicht. Kein liebes Wort? Keine Schmeicheleien? Kein "Oh du Göttin"? Bevor ich mir jedoch noch mehr darüber den Kopf zerbreche, wische ich erstmal den Alkohol weg und entferne die Glasscherben. 

Gegen 3 Uhr löst mich dann endlich mein Kollege ab. Auf dem Heimweg denke ich dann nochmal über Sanji nach . Irgendwie mach ich mir Sorgen. Ob es ihm wirklich gut geht? Ich werde der Sache später noch auf den Grund gehen. Ohne es wirklich zu merken, stehe ich auch schon vor meiner Wohnungstür. Der lange Heimweg verging heute im Flug und ich freue mich endlich in mein Bett zu fallen. Als ich zur Wohnungstür reinkomme, schlängelt sich etwas schnurrendes um meine Beine. Mein Kater Billy ist ein ganz Kuschelbedürftiger. Ich stelle meine Tasche ab und knuddel ihn erstmal, bevor ich ihn absetzte und mich im Bad bettfertig zu machen. Danach hole ich mir dann endlich meinen wohl verdienten Schlaf.

Die nächsten Tage verliefen wie immer. Ich hatte mich am darauffolgenden Tag zwar noch einmal bei Sanji erkundigt, ob wirklich alles gut bei ihm sei, dieser verhielt sich aber so, als wäre nie etwas gewesen. Allerdings kommt er nun jede Nacht zu mir in den Laden und holt sich seine Zigaretten. Den ein oder anderen Tag hätte ich schwören können, dass er sogar leicht nach Alkohol riecht. Vielleicht war es aber auch nur Einbildung.
Ich schaue auf die Uhr. 23:59. In genau einer Minute wird er wieder rein kommen. 00:00. Die Tür öffnet sich und Sanji kommt herein spaziert. Ein freudiges "Guten Abend~" platzt aus mir raus. Irgendwie freue ich mich ihn zu sehen. Sanjis Verhalten ist jedoch gar nicht erfreulich. "Mh... Guten Abend, Misaki~...". Er kommt zu mir an die Kasse. Heute rieche ich ganz eindeutig seine Alkoholfahne. Sein Blick ist betrübt und ansehen kann er mich auch nicht richtig. "Das Gleiche, wie immer." Bringt er monoton über die Lippen. Das wars, mir reißt der Geduldsfaden. Ich werde jetzt eine Antwort bekommen, egal wie lange es dauert!
"Sanji! Was ist los mit dir? Ich guck mir das jetzt schon eine ganze Weile an. Jeden Tag kommst du spät nachts, total betrübt hier her und am Tag spielst du uns vor, als wäre alles wie immer. Jetzt sag endlich was los ist. Nami, Robin, ich und sogar Zoro, wir machen uns Sorgen." Sein Blick senkt sich daraufhin nur noch mehr. "... Ich spiel euch gar nichts vor. Es ist doch alles gut. Ihr braucht euch doch um mich keine Sorgen machen...~" Sein Kopf hebt sich und er lächelt mich an. Sein Gesicht sieht jedoch eher so aus, als müsse er jeden Moment weinen. Ohne irgendwas zu sagen, gehe ich um die Kasse und nehme ihn in den Arm. Ich habe einfach das Gefühl, dass dies das Richtige gerade ist. Nach wenigen Minuten der Stille, fängt Sanji leise an zu reden.
"Ich kann das nicht mehr. Es macht mich so fertig. Einfach alles. Jeden einzelnen Tag werde ich rumkommandiert, darf nur die Drecksarbeiten machen und werde pausenlos schikaniert. Ich bin für alles gut-genug, was meine Brüder nicht machen wollen und mein Vater schürt das auch noch. Ich hab nicht mal eine Wahl, denn mein Vater lässt mich auch nicht gehen. Er will nicht, dass "die Schande der Familie" in einem anderen Lokal ein schlechtes Licht auf ihn wirft. Ich halte den Stress und den Druck einfach nicht mehr aus. Ich hab sogar angefangen zu trinken, um es irgendwie auszuhalten..." 
Schockiert von dem, was er mir erzählt hat, fehlen mir erstmal die Worte. Zumindest macht sein Verhalten nun Sinn. Ich streichel sanft über seinen Rücken um ihn zu beruhigen und selbst emotional stabil zu bleiben. Sanji erwiedert nun vorsichtig die Umarmung. Bevor ich etwas sagen kann bedankt sich Sanji jedoch bei mir. "Vielen Dank fürs Zuhören. Ich fühle mich gleich besser, jetzt, wo alles raus ist." Mein Kopf ist voller Gedanken. Wie lange hält er das bitte schon aus? Wie lange quält er sich schon damit? Ich wünschte, ich könnte ihm helfen, jedoch habe ich keine Ahnung wie ich in der Situation handeln soll. Desto unsicherer ich werde, desto fester umarme ich ihn. Was kann ich nur tun?
"Misaki-Mäuschen~ Du erdrückst mich noch~" Seine Stimme holt mich zurück ins Hier und Jetzt. Schlagartig lockere ich meine Arme. Auch er löst die Umarmung. Meine Augen funkeln ihn hilflos und glasig an. Seine Erzählung hat mich anscheinend mehr mitgenommen, als gedacht. Sanft streicht er mit seiner Hand über meine Wange. "Eine hübsche Frau sollte nicht weinen, vor allem nicht wegen einem Mann." Er schenkt mir ein ehrliches und freundliches Lächeln. Endlich sieht sein Blick nicht mehr so betrübt aus. Ich wische mir schnell die Tränen aus den Augen und werde von seinem Lächeln angesteckt. "Warn mich das nächste Mal gefälligst vor, bevor du mir sowas Trauriges erzählst!~" meine ich scherzhaft, um die Situation weiter aufzulockern. 

Sanji kaufte dann noch seine tägliche Schachtel Zigaretten, aber irgendwie wollte er nicht gehen. Daraufhin erzählte er mir von seinem Traum, dass  er unbedingt eines Tages ein renommierter Chefkoch seines eigenen Restaurants sein will. Er liebt nichts mehr als zu kochen und andere mit seinem Essen glücklich zu machen, deshalb hat er sich seinen Traum zu seinem Lebensziel gemacht.
Die Zeit verging und mein Feierabend rückte näher. Sanji bot mir an, mich nachhause zu begleiten, wenn er schon einmal da war. Somit befinden wir uns jetzt auf meinem Heimweg...

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⏰ Letzte Aktualisierung: May 01, 2024 ⏰

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