19.) Besuch, aber der Falsche

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"Mom blockiert schon seit Stunden das Bad, Amy! Wie kann man sich nur so lange da drin aufhalten?"

Mein Bruder saß auf meinem Bett und seufzte genervt. "So sind Frauen eben. Wenn du mal eine Freundin hast, wirst du das verstehen, Tobi." Er verzog angeekelt das Gesicht. "Ich werde niemals ein Mädchen als Freundin haben, die sind viel zu anstrengend. Und sie riechen komisch!"

Es war Samstag und meine Eltern hatten sich mit den Peters verabredet, um ins Theater zu gehen. Felix war irgendwo in Berlin, anscheinend geschäftlich. Die letzten Tage konnten wir nur telefonieren und ich vermisste ihn und seine lustige Art. Um so glücklicher war ich, dass die Jungs später vorbeikommen wollten. Also Luca, Palle, Taddl und Ardy. Tobi durfte bei Freunden übernachten. Die ganze Zeit wartete er ungeduldig darauf, dass es losging.

Nachdem meine Mutter endlich mit Schminken und Haaremachen fertig war, verließen die 3 das Haus. Eine Moralpredigt darüber, den Herd auszumachen und niemand Fremden ins Haus zu lassen, blieb mir diesmal erspart. Vielleicht sahen sie mich jetzt wirklich als erwachsen an.

Zwar war ich es gewohnt, alleine in meiner Wohnung im oberen Stockwerk zu sein, aber, dass das ganze Haus still war, jagte mir doch ein wenig Angst ein. Um mich abzulenken, rief ich daher Felix an. Hoffentlich hatte er Zeit.

"Hey Amy, schön dass du anrufst!"

"Hey du hast nicht zufällig ein paar Minuten Zeit? Ich bin allein zuhause und bis Taddl und die anderen kommen, wollte ich jemanden zum reden haben. Ist alles irgendwie ein bisschen ungewohnt."

"Oh na klar, ich wünschte ich könnte vorbeikommen, dann würde ich dir die Angst schon nehmen." Ich konnte mir sein freches Grinsen bildlich vorstellen.

Ich schob grade die erste Pizza in den Ofen, während ich mich mit Felix über seine Reisen in die USA unterhielt, als es schon an der Tür klingelte. "Ach das sind bestimmt die Jungs, bleib kurz dran, Felix", sagte ich mit dem Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt. Freudestrahlend riss ich die Tür auf, doch mein dickes Grinsen wechselte innerhalb einer Sekunde in blankes Entsetzen und panische Angst. "Na Schnecke, kann ich rein kommen?"

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