I don't know what's real

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Flashback - Dreizehnjährige Kathleen

Als es an der Tür klopfte. Eilte ich sofort hin und öffnete sie. Ich stutzte kurz. Leopold. Er war früher als gedacht vom Treffen zurück. „Oh...hm. Seid gegrüßt", meinte ich stotternd und machte einen kleinen Knicks. Ich trat zur Seite und ließ ihn eintreten. Er wirkte nicht sehr gut gelaunt, was mich verunsicherte. Ich schloss die Tür, während er bereits voraus ging in die Küche. Verdammt! Ich eilte ihm schnell nach. Ich hatte noch nicht gekocht.

„Wo ist das Essen?!", regte er sich auf. Ich schluckte und entschuldigte mich: „Ich habe sie erst später erwartet, weshalb ich noch nicht zum Kochen angefangen hatte." Er funkelte mich wütend an. Eingeschüchtert wich ich vor ihm zurück. „Du hattest nur eine einzige Aufgabe", fuhr er mich an. Ich stieß plötzlich an der Wand an. Ich konnte nicht weiter vor ihm zurückweichen. Ängstlich sah ich ihn an und entschuldigte mich verzweifelt: „Es tut mir...mir leid. Ich wollte wirklich..." „Schweig, Weib!" Mit diesem Worten schlug er mich.

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„Kate!" Ich blickte erschrocken zu Kai auf. Ich war gerade gefangen gewesen von dieser Erinnerung. Schnell schüttelte ich den Kopf. Sie hatte sich so real angefühlt. Ich versuchte in die Realität zurück zu kehren und da fiel mir auf, was Kai gerade gesagt hatte. „Wie hast du mich gerade genannt?", fragte ich und lächelte leicht. Noch nie hatte jemand diesen Spitznamen für mich verwendet. „Kate?", wiederholte er nun fragend und etwas verunsicherte. Ich lächelte nun mehr. „Ist es in Ordnung, wenn ich dich so nenne?", fragte er um sicher zu gehen. Ich nickte schnell. Mir gefiel der Name. „Ja, gerne."

Besorgt fragte er mich: „An was hast du gerade gedacht?" Ich wollte ihm gerade antworten, als eine Stimme dicht an meinem Ohr erklang: „Du bist für nichts zu gebrauchen." Ich zuckte zusammen und drehte mich um. Leopold. Er blickte mich abschätzend an. „Du elendes Weib. Jede andere wäre besser als Ehefrau gewesen." Es verletzte mich so etwas zu hören, aber da fiel mir ein, dass ich mir das gar nicht anhören musste. Ich stand tapfer auf und trat näher zu ihm. Ich verschränkte die Arme und meinte: „Du bist nicht wirklich hier." Er lachte. Mutig fügte ich hinzu: „Du kannst mir nichts anhaben." Er trat nun ebenfalls näher und musterte mich. „Bist du dir da sicher?", fragte er. Ich nickte und sah ihn trotzig an. Er konnte mich nicht mehr einschüchtern. Diese Zeiten waren vorbei.

Plötzlich packte er mich am Arm. Ich keuchte erschrocken auf. Wie war das möglich? Er war doch nur ein Geist oder nicht mal das. Er war nicht hier! Er stieß mich hart gegen die Wand und drückte meine Arme fest zusammen. Es tat weh. „Fühlt sich das nicht echt an?", fragte er und ich verzog das Gesicht vor Schmerz. Da holte er auf einmal aus. Ich schloss die Augen und...

„Au!", schrie ich und sah schockiert in Kai sein Gesicht. „Was war das?" Ich blickte auf seine Hand, welche er gerade von meinem Arm wieder gelöst hatte. Mein Blick fiel auf die Wand, wo mich Leopold gerade dagegen gedrückt hatte, aber anscheinend war das gar nicht geschehen. Verwirrt fragte ich: „Was ist gerade passiert?" Kai wirkte ziemlich besorgt. „Du warst plötzlich wieder komplett abwesend und hast mich wiedermal nicht gehört. Ich habe dir deshalb etwas Magie abgesaugt, damit dich das vielleicht zurückholt", erklärte er mir und deutete auf meinen Arm. Dort hatte er mich vor ein paar Sekunden noch berührt, das hatte ich gespürt. Aber ich hatte auch den Aufschlag auf die Wand gespürt?

Ich schüttelte den Kopf um den Gedanken zu verdrängen und fragte neugierig: „Du kannst Magie absaugen?" Was bedeutete das? Er nickte und klärte mich auf: „Ich bin ein Siphoner, Energieabsaugerin. Ich kann nur zaubern, wenn ich genug Magie abgesaugt habe. War deshalb das schwarze Schaff der Familie." Mitfühlend sah ich ihn an. Ich kannte mich aus, wenn man sich fühlte, als wäre man fehl am Platz. Als wäre etwas falsch mit einem. Als würde man alle nur enttäuschen. Ich nickte deshalb verständnisvoll.

„Hast du einen Freund gefunden?", fragte mich Vater. Gereizt meinte ich: „Geh weg!" Er packte mich plötzlich am Haar und riss so meinen Kopf zurück. Ich schrie erschrocken auf. Er zog unsanft an meinem Haar. „Was hast du gerade gesagt, junges Fräulein?!" Ich bereute meine Wortwahl augenblicklich. Wiedermal habe ich die Stimme gegen ihn erhoben. „Tut mir leid", wimmerte ich. „Wie konnte ich dich nur heiraten?", fragte plötzlich Leopold und war vor mir. Schockiert sah ich ihn an. „Du bist eine Schande für unsere Familie" redete mir Vater ein.

Mein Vater ließ mein Haar los. Ich griff mir an meine Kopfhaut, wo es immer noch leicht wehtat. Da packte mich Leopold am Kinn und zwang mich ihn anzusehen. „Widerhole es", verlangte er. Fragend sah ich ihn an. Was meinte er? „Widerhole, dass du eine Schande für uns alle bist. Eine Belastung. Ohne dich wäre so vieles leichter." Ich schluckte schwer und wiederholte es mit zittriger Stimme: „Ich bin eine Schande für..." Ich wurde durch Kai unterbrochen: „Kathleen, was redest du da?"

Er ergriff meine Hand, die leicht zitterte. „Ich..." Tränen sammelten sich in meinen Augen an. Verzweifelt gestand ich ihm: „Ich verlier meinen Verstand." Eine Träne rollte über meine Wange. „Ich weiß nicht mehr, was real ist." Er wirkte leicht überfordert. Ich wischte mir die Träne mit der freien Hand weg, doch es kam immer mehr. Ich konnte es nicht mehr zurückhalten. „Hey, alles wird gut", versprach er mir und dann umarmte er mich etwas zögernd. Er wirkte so, als würde er nicht oft Leute umarmen und als wäre das was Neues für ihn.

Ich klammerte mich nun regelrecht an ihn und schluchzte in sein T-Shirt. „Ich werde noch irre", jammerte ich. Er strich mir über meinen Rücken und versuchte mich zu beruhigen. „Wir kriegen das hin, Kate", versicherte er mir und ich löste mich aus der Umarmung. Verheult sah ich ihn an und fragte: „Wirklich?" Er nickte und wiederholte nun überzeugter: „Ja, das werden wir." Ich lächelte leicht. „Danke...", murmelte ich gerührt. „Hör auf zu weinen!", ermahnte mich mein Vater. Schnell wischte ich mir die letzten Tränen mit meinem Jackenärmel weg.

Flashback - Dreizehnjährige Kathleen

Eine Lady sollte nicht weinen. Das wurde mir seit ich klein war eingeredet und trotzdem saß ich jetzt hier und heulte mir die Augen aus. Das Klopfen an der Tür ließ mich aufhorchen. Schnell wischte ich mir die Tränen weg und rannte zum Spiegel. „Einen Moment, bitte!", rief ich mit bemüht stark klingender Stimme. Ich betrachtete mein Spiegelbild und tupfte mir meine Wangen mit einem Taschentuch ab. Aber es war vergeblich. Jeder Idiot würde bei meinen geröteten Augen erkennen, dass ich geweint hatte.

„Herein!", rief ich nun und hoffte einfach, dass es eine Dienstmagd war, die mir nur etwas mitteilte. Ich befürchtete schon das Schlimmste. Vater oder Leopold, doch dann spähte meine Mutter herein. Ich lächelte, als ich sie durch den Spiegel sah und drehte mich dann zu ihr um. „Mutter." Als sie mich sah, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck sofort. Sie wirkte voller Sorge und eilte auf mich zu. „Kathalena, was ist passiert?", fragte sie mich. Sie ergriff meine Hand und zog mich zum Bett, wo sie sich mit mir hinsetzte und mich besorgt musterte.

Es brachte mich leicht zum Lächeln. Wenigstens eine kümmerte sich um mich. Katerina war ja auch besorgt, aber sie verstand das ganze nicht, anders als Mutter. „Ich kann es nicht", erklärte ich ihr. Sie schien nicht sofort zu verstehen und blickte mich fragend an. Ich schluchzte und griff mir an meinen Bauch. „Ich schaffe es einfach nicht, egal wie sehr ich es versuche", jammerte ich und wieder rannen mir Tränen herab. Ich hatte als Frau versagt. Nun verstand sie und umarmte mich. „Oh, Kathalena", meinte sie mit ihrem mütterlichen, mitfühlenden Ton. Die Umarmung tat gut und so konnte ich mich an ihrer Schulter ausweinen.

Which Love Is Stronger? / Kol or Damon?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt