Lennox' Sicht
Durch lautes Stimmengewirr werde ich langsam wach. Wenn mich nicht alles täuscht, höre ich Tom, Marc, meine Mutter, meinen Vater und Klaus durcheinander reden.
Meine Augenlider sind tonnenschwer und lassen sich nur langsam öffnen. Mit jeder Sekunde, die mein Bewusstsein klarer werden lässt, nimmt ein starker Schmerz, an verschiedenen Stellen meines Körpers, zu. Als ich meine rechte Hand erheben will, um mir damit die Augen reiben zu können, entfährt mir aufgrund eines stechenden Schmerzes ein lautes Keuchen. Auf einen Schlag verstummen die Stimmen um mich herum.
"Lennox?", meine Mutter muss sich in unmittelbarer Nähe aufhalten, denn ich höre sie, trotz dass sie fast flüstert, sehr gut. Außer einem Brummen entkommt meiner trockenen Kehle kein Laut.
"Hey, mein Junge. Mach deine Augen auf", kurz nachdem die Stimme meines Vaters ertönt, spüre ich etwas durch meine Haare gleiten. Da mir das allerdings mehr Schmerzen zufügt als Wohlbehagen auslöst, brumme ich nochmals laut auf. "Bruno, nimm deine Finger von seinem Kopf. Er hat sicherlich Schmerzen. Hast du vergessen, dass er mit dem Kopf aufgeschlagen ist?", wettert jetzt meine Mutter, was mich leicht schmunzeln und einen erneuten Versuch unternehmen lässt, meine Augen zu öffnen.
Verschwommen nehme ich zwei Gestalten neben meinem Bett wahr. Als ich mich ihnen etwas zuwenden möchte, um sie besser sehen zu können, durchfährt mich sofort wieder ein Schmerz in meinem gesamten Oberkörper.
"Lennox, beweg dich nicht so viel. Wie fühlst du dich?", will mein Vater wissen und erst jetzt frage ich mich, was er eigentlich hier zu suchen hat. "Was...", meine Stimmbänder versagen mir schon nach meinem ersten Wort ihre Dienste. "Du bist im Krankenhaus. Deine Kollegen haben dich zuhause gefunden... Kannst du dich daran erinnern?" Ich schüttle meinen Kopf und bereue es sofort. Auch mein Kopf straft mich mit fiesen Schmerzen und möchte mir bei der Kommunikation nicht behilflich sein. Zumindest besinnen sich meine Augen und liefern mir jetzt ein einigermaßen scharfes Bild."Hast du Schmerzen?", ertönt wieder die tiefe Stimme meines Vaters, worauf ich mir jetzt nicht anders zu helfen weiß, als mit dem Daumen nach oben zu zeigen. Wenigstens funktioniert dieser, ohne mich mit Schmerzen zu beglücken.
"Ich geh mal einen Arzt holen!", sagt Marc, läuft einmal durch mein Sichtfeld und lächelt mir fast schon gequält zu. Da alles so furchtbar anstrengend ist und mir gefühlt mein ganzer Körper weh tut, schließe ich wieder die Augen. "Ruh dich aus, Junge. Du hast alle Zeit der Welt gesund zu werden und musst auch keine Angst mehr vor dieser Frau haben!" "Stella?", ich hatte ursprünglich in meinen Gedanken eine komplette Frage formuliert, doch meinem Mund entweicht nur der Name meiner Freundin. "Diese furchtbare Person wurde von deinen Kollegen festgenommen. Du hast deine Ruhe vor ihr!", redet mir meine Mutter gut zu und legt ihre Hand auf meine. "Danke", krächze ich vor mich hin und gebe mich wieder in die Fänge des schwarzen Nichts.
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"Herr Kraut? Können sie mich hören?" Wieder werde ich von einer Stimme geweckt, nur dieses Mal ist sie mir fremd. Langsam öffne ich meine Augen und sehe einen Mann mit Brille und weißem Kittel vor mir stehen.
"Hallo, Herr Kraut. Mein Name ist Frederik Seehauser und ich bin der zuständige Arzt. Wie geht es Ihnen denn?" Ich befeuchte meine Lippen mit meiner Zunge und werfe ihm darauf ein "geht" entgegen. "Ich möchte sie jetzt nicht mit zu vielen Informationen überschütten, sondern vorerst nur das Nötigste aufgreifen. Die Details klären wir, wenn sie etwas fitter sind. Wie sie anhand der Schmerzen bemerkt haben, gibt es eine große Anzahl an Baustellen. Sie haben unter anderem eine schwere Kopfverletzung, drei Rippenbrüche, eine gebrochene Schulter, eine angebrochene Nase und unzählige Hämatome erleiden müssen. Wenn sie Schmerzen verspüren, bitte ich sie, sich nicht zu scheuen, den Schwestern Knopf zu betätigen und nach Schmerzmittel zu verlangen. Versuchen Sie, sich wirklich auszuruhen und sich so wenig wie möglich zu bewegen. Es wird eine Zeit lang dauern, bis sie sich wieder besser fühlen, aber wir werden das in den Griff bekommen. Haben Sie denn zum jetzigen Zeitpunkt irgendwelche Fragen?" "Kann ich etwas zu trinken bekommen?", mein Hals fühlt sich immer noch kratzig an, aber nicht mehr so schlimm wie das letzte Mal, als ich wach war.
"Natürlich. Ich schicke Ihnen sofort eine Schwester, die sich darum kümmern wird. Wir sprechen uns bald wieder. Ruhen sie sich erst einmal richtig aus!", mit einem leichten Lächeln auf den Lippen zieht der Mediziner wieder ab und lässt mich alleine zurück.
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Hinter verschlossenen Türen; Die verborgene Realität
FanfictionEin neuer Kollege, der durch einen Versetzungsantrag auf das Revier unter Klaus Wiebel's Leitung gelangt, wirft einige Fragen bei Tom und Marc auf. Dass er anfänglich etwas schüchtern ist, stempeln die Polizisten als normal ab. Als allerdings mit de...