14 - Ein bittersüßes Geheimnis

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Ominis POV

Die letzten Tage gingen an mir in Zeitlupe vorbei. Die Gedanken kreisten um alles mögliche, hauptsächlich um Eva und ich hatte vermehrt Schwierigkeiten mich auf meine Arbeit als Berater zu konzentrieren. Ich war noch nie dazu geeignet ein Geheimnis für mich zu behalten und bereits in Kindertagen konnte ich Sebastian nie etwas vor machen. Umso erstaunlicher war es dann doch, dass er nicht viel zu bemerken schien. Was sicher daran lag, dass er ebenfalls gedanklich zu kämpfen hatte. Nachdem uns Sirona erzählt hatte, dass ihre Cousine zur Aushilfe bei ihr einziehen wird und es sich hierbei wahrscheinlich um Sebastians Ex-Freundin Enid handelte, zog er sich zurück. Ich weiß nicht, ob er überhaupt bemerkt hatte, dass selbst Eva nur Zeit als Mentorin mit ihm verbrachte. Ihr Gesundheitszustand wurde nicht besser. Sie hatte immer noch viel mit morgendlicher Übelkeit zu kämpfen, sodass sie sich an Madame Blainey wendete, um ein Mittel zu bekommen. Natürlich mit einer kleinen Notlüge, dass sie eine Lebensmittelunverträglichkeit vermutete. Madame Blainey war jedoch nicht blöd und gab ihr das Mittel nur mit dem Versprechen, dass Eva sich schnellstens von einem Spezialisten untersuchen lassen sollte. Ich hatte gleich nach ihrem Geständnis meine Eule losgeschickt in der Hoffnung, dass meine alte Bekannte darauf reagierte. Wir - allem voran Eva - brauchten Gewissheit. Sollte sie wirklich schwanger sein, wird das Evas Leben komplett auf den Kopf stellen.

Der Unterricht war vorbei und ich befand mich auf den Weg in mein Apartment. Ich schlängelte mich mit meinem Zauberstab voran an den unzähligen Schülern vorbei, die sich auf den Fluren und in den großen Schlosshallen befanden und miteinander redeten, spielten und ihre Zauber übten. Respektvoll traten die meisten Schüler zur Seite, wenn sie mich bemerkten. In all den Jahren, die ich hier in Hogwarts verbracht habe, wurde mir erst als Berater eine Anerkennung zuteil. Und das genoss ich selbstverständlich.
„Guten Tag Mister Gaunt.", vernahm ich eine glockenhafte, sanfte Stimme und blieb sofort stehen, um mich in die Richtung zu drehen, aus welcher diese erschien. Es war eine Ravenclaw-Schülerin aus dem siebten Jahr. Romina McCarthy hieß sie, wenn ich mich nicht täuschte. Ich lächelte sie freundlich an: „Was kann ich für Sie tun, Miss McCarthy?"
„Mister Gaunt, stimmen die Gerüchte über Miss Carter?", Romina hatte langes, blondes Haar, trug eine goldene Rundbrille und war mit einer Figur gesegnet, die andere junge Frauen in ihrem Alter vor Neid erblassen ließ. Und natürlich ging das auch an mir nicht vorbei. Auch wenn ich sie nicht direkt sehen konnte, zeigte mir mein Zauberstab ihre wohlgeformten Konturen. Aber eine meiner obersten Regeln lautete, dass Schülerinnen nicht den Hof gemacht bekommen. Jedoch war ich sehr erstaunt über diese Frage, korrigierte kurz meine Verwunderung und fragte noch einmal nach: „Welche Gerüchte?" Den Schülerinnen und Schülern von Hogwarts war es selbstverständlich bekannt, dass uns eine lange Freundschaft verband. Sie räusperte sich kurz und kicherte etwas: „Es geht umher, dass Miss Carter und Sebastian Sallow eine Affäre hätten. Ich möchte nicht zu forsch erscheinen, Mister Gaunt, aber das wäre in der Tat eine heikle Sache. Finden Sie nicht?"
Wow, okay. Die ganze Geschichte zog scheinbar schneller ihre Kreise als erwartet. Wobei ich mich ernsthaft fragte, woher diese Gerüchte kamen? Seit dem Jahreswechsel sind 5 Wochen vergangen und meine beiden Freunde gingen sich privat eher aus dem Weg. Woher also? Sebastian beschwerte sich zuletzt, dass Eva sich in ihre Arbeit als Lehrerin stürzte, kaum noch Zeit für ihn hatte und wenn nur als Mentorin für ihn zur Verfügung stand. Unabhängig davon, dass er bis heute nichts davon wusste, dass Eva mich eingeweiht hatte. Eingeweiht in die Tatsache, dass meine beiden engsten Freunde intim wurden. Was ich wohlgemerkt beiden von Herzen gönnte.
„Nun Miss McCarthy, mir ist sehr wohl bekannt, dass Mister Sallow bei Ihren Altersgenossinnen sehr beliebt ist und der Privatunterricht durch Miss Carter bei manchen für Unmut sorgt. Aber nennen Sie mir doch bitte einen guten Grund, warum diese beiden Personen einer Liebelei nachgehen sollten? Ist das Privatleben von Miss Carter so interessant, dass man solche Gerüchte streuen muss?", ich konnte mir einen gewissen Unterton in meiner Aussage nicht verkneifen und auch wenn ich als Berater fungiere, dürfen mir gewisse Themen deutlich auf den Nerv gehen. Und hormongesteuerte Teenager mit ihren wildesten Fantasien auch einmal den Kopf gerade zu rücken, zählte zu meiner liebsten Aufgabe. Ich spürte, wie unsicher Romina wurde. Das Mädchen, dessen Name von einer der vier Gründer Hogwarts stammte, strich sich deutlich verlegen die Bluse glatt. Die Truppe aus mehreren Mädchen im selben Alter um uns herum verstummte auch je. Romina räusperte sich: „Es tut mir leid, wenn ich Sie mit meiner Frage verärgert habe. Diese Gerüchte stammen nicht von mir. Ich dachte nur... nun ja... ich dachte, ich frage Sie einmal, da Sie und Miss Carter gute Freunde sind."
„Das ist sehr aufmerksam von Ihnen. Aber wenn Sie darauf eine Antwort haben möchten, dann würde ich Ihnen auch anraten, dass Sie Miss Carter oder Mister Sallow doch einmal selbst befragen. Oder gar denjenigen, der dieses Gerücht in den Umlauf gebracht hat.", mit diesen Worten machte ich auf dem Absatz kehrt und setzte meinen Weg in mein Apartment fort. Das verhieß nichts Gutes. Entweder sind die beiden sich in einem unaufmerksamen Moment wieder einmal nähergekommen oder die jungen Hexen lesen zu viele Romanzen, um das auf reale Personen zu projizieren. Auf jeden Fall muss ich darüber mit Sebastian reden. Er muss es erfahren, dass ich von seinen Intimitäten mit Eva wusste.

Shadows of SallowWo Geschichten leben. Entdecke jetzt