Auch wenn Jonas erleichtert war, dass Matthias sich um das Essen kümmerte, fühlte er sich schlecht, dass er ihn in der letzten Zeit so viel allein ließ. Allerdings konnte er sich einfach nicht mehr aufraffen, wenn er einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hatte. Meistens saß er hier am Esstisch, genau wie jetzt, und beobachtete ihn, wie er in der Küche hantierte. Matthias hatte entschieden, dass es heute einfach nur Tiefkühlpizza gab, die er gerade in den Ofen schob.
Anschließend drehte er sich zu ihm um, lehnte sich mit der Hüfte an die Arbeitsplatte und verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Blick klebte am Boden, bis er sich räusperte und ihm so direkt in die Augen sah, dass Jonas zusammenzuckte. Es war klar, dass er im Moment nicht wirklich zufrieden war, aber er konnte nichts daran ändern. Nicht im Moment.
„Wie war dein Tag?", fragte Jonas dennoch und versuchte sich an einem Lächeln. Matthias sah ihn einfach nur an, die Lippen zu einem geraden Strich verzogen. Er dachte über etwas nach, ganz eindeutig. Jonas bekam ein schlechtes Gewissen. Er war Schuld daran, dass ihre Beziehung litt. Nicht, dass er glaubte, Matthias wäre nicht mehr glücklich mit ihm, aber ewig konnte es so nicht mehr weitergehen.
Mühsam erhob Jonas sich, wobei seine müden Knochen knackten. Langsam ging er auf Matthias zu, streckte die Hand nach ihm aus und legte sie an seine Wange. Für einen Moment schloss Matthias die Augen und schmiegte seine Wange an seine Hand, doch dann griff er nach seinem Handgelenk und nahm seine Hand herunter. Stattdessen verschränkte er seine Finger mit seinen und suchte seinen Blick. Auf einmal wirkte Matthias, als wollte er dringend etwas loswerden.
„Bist du okay?", fragte er und bemühte sich, möglichst aufmerksam zu sein.
„Ja, ich... na ja, Esra hat mir da eben was gesagt", setzte er an, legte aber anstatt weiterzureden seine Hand an seine Hüfte. Seinen Finger schob er wie so oft in seine Gürtelschlaufe und zog ihn einen Schritt näher an sich heran. Sofort durchfuhr Jonas eine angenehme Wärme.
„Was denn?", hakte er nach, woraufhin Matthias anfing, auf seiner Lippe herumzukauen.
„Sie... sie ist schwanger und...", sagte er, unterbrach sich aber, als Jonas ein Keuchen entwich. Was hatte er da gerade gesagt?
„Bitte?", fragte er, die Augen weit aufgerissen. Tausend Gedanken schossen in seinen Kopf, die sich nur nach und nach zu einem sinnvollen Ganzen zusammensetzten. Esra, die Ex-Freundin von Matthias, mit der er zwei Kinder hatte, war schwanger. Das bedeutete, sie hatte Sex. Mit... Jonas glaubte, dass der Boden unter ihm anfing zu schwanken. Wollte er etwa damit sagen, dass... Nein! Nein, das glaubte er nicht. Das würde er nicht tun. Sie liebten sich doch!
„Hey, ich habe nichts damit zu tun. Du musst keine Krise bekommen", sagte Matthias, hob abwehrend die Hände und bohrte seinen Blick in ihn. Komischerweise wirkte er nicht belustigt, dass er wieder einmal eifersüchtig wurde, so wie er normalerweise reagiert hätte. Er sah ihn einfach nur ausdruckslos, beinahe wütend an.
Verlegen fasste er sich in den Nacken und bemerkte, dass seine Muskeln ganz verspannt waren.
„Ich... ich habe nicht gedacht, dass...", stammelte er, was Matthias mit einem Schnauben kommentierte.
„Ach nein? Du hast nicht im ersten Moment gedacht, dass ich der Vater bin?", fragte er ungewöhnlich angriffslustig. Verwirrt zog Jonas die Augenbrauen zusammen. Er wurde nicht ganz schlau aus seiner Reaktion, denn normalerweise war Matthias alles andere als hitzig. Jonas trat wieder näher an ihn heran und legte die Hände auf seine Schultern.
„Matthias, natürlich habe ich kurz daran gedacht, genau so, wie du es in meiner Situation getan hättest. Aber mir ist klar, dass du nicht mit ihr geschlafen hast", sagte er bemüht ruhig, allerdings machte Matthias sich von ihm los und fing an, unruhig auf und ab zu wandern.
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Slice of Life - L'Affaire
AcakJonas ist vollkommen gestresst von der Arbeit, worunter nicht nur er leidet, sondern auch sein langjähriger Freund Matthias und dessen Tochter Aaliyah. Bei all dem Stress kommt das bevorstehende Wochenende in Frankreich ganz recht. Ein alter Schulfr...